Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Woodstock-Musical bringt unvergessene Erinnerungen in die Fritz-Wunderlich-Halle

Der Geist von Frieden und Freiheit wurde im Musical wieder heraufbeschworen.  Foto: m. hoffmann
Der Geist von Frieden und Freiheit wurde im Musical wieder heraufbeschworen.

„Woodstock – Love, Peace and Music“ heißt die Show von Matthijs van Noort und seinem Ensemble, mit der die Gäste aus den Niederlanden am Samstagabend die Besucher in der fast ausverkauften Fritz Wunderlich Halle in die Zeit der Hippie- und Flower-Power Bewegung entführten.

Von Konstanze Führlbeck

Gleich die ersten Klänge mit ihrem rockig-harten und doch so unbeschwerten Sound weckten unvergessene Erinnerungen und beschworen zusammen mit den Kostümen und Videoeinspielungen den Geist des legendären Rock-Festivals von 1969 herauf. Aber nicht nur die Songs, die das Lebensgefühl einer ganzen Generation prägten, wurden hier noch einmal lebendig, sondern auch die Botschaft von Woodstock griff Moderator Laurens ten Den immer wieder in seinen Kommentaren auf. „Ihr baut Mauern? – Wir haben alle Mauern niedergerissen“, spielte er auf aktuelle politische Entwicklungen in Europa und in den USA an.

„Wir wollen in unserer Woodstock-Show früher und jetzt miteinander verbinden,“ betonte auch der künstlerische Leiter Matthijs van Noort. „50 Jahre nach Woodstock fühlen wir uns dem Erbe von Woodstock verpflichtet. Woodstock ist etwas Heiliges – du kannst diese Lieder nicht einfach so spielen. Du musst sie auch fühlen, aus ganzem Herzen. Woodstock bedeutet viel mehr, als sich einfach nur Blumen an den Hut zu stecken. Die Menschen dort hatten dieses Gefühl: Wir können die Welt verändern. Und wir kämpfen heute für die gleichen Dinge wie sie damals vor 50 Jahren.“

Flammender Appell für Frieden

Ein gerade durch seine Einfachheit zutiefst berührender und flammender Appell für Frieden war Joan Baez' ursprünglich gegen den Vietnamkrieg gerichteter Song „We shall overcome“, den Muriel te Loo in einer hellen Tunika über weiten Hosen, mit glatten langen Haaren und klangschöner, voll aufblühender Stimme sang. Die unerschütterliche Zuversicht dieses gerade durch seine Ruhe so packenden Liedes riss auch die Zuhörer mit, die gebannt an den Lippen der Sängerin hingen. In tiefem Ernst sangen einige Besucher auch leise die inoffizielle Hymne der Flower-Power-Bewegung mit. Spontaner Beifall brandete nach diesem Lied auf, bei dem sich das Publikum unmittelbar angesprochen fühlte. Und die überbordende Lebensfreude, die das Festival von 1969 prägte, war auch ein halbes Jahrhundert später in der Fritz-Wunderlich-Halle zu spüren.

Psychedelische Klangwelten

„Somebody to love“ suchte Janis Joplin damals auf der Wiese des Landwirts Max Yasgur, auf der sich 450.000 Menschen zusammenfanden und trotz Staus und Chaos, knappem Essen und Regen friedlich und gewaltfrei feierten. Völlig in neuen Klängen verlor sich David Aferiat an der E-Gitarre in einem Jimi-Hendrix-Medley, er schien auf der Suche danach geradezu in andere Klangwelten abzutauchen. Zu dieser psychedelischen Musik passte auch ein Abstecher in die Indie-Welt hervorragend, Sitar-Klänge mischten sich in einem eingeblendeten Film mit dem Sound von Woodstock in einer augenzwinkernden, nicht ganz so tiefernst gemeinten Yoga-Session auf der Bühne. „Amerika beschäftigt sich jetzt nicht mehr nur mit materialistischen Dingen, sondern auch mit Spiritualität. Denn das gehört zu Freiheit und Fröhlichkeit einfach dazu – und natürlich auch zur sexuellen Revolution,“ kommentierte Moderator Laurens ten Den. „Die Verbindung zwischen Mensch und Universum können Drogen für dich herstellen, mit Yoga dagegen kannst du das selbst machen,“ ergänzte er in einem Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch.

Die Selbstfindung durch das Versinken in Drogen beschrieb damals Joe Cocker in den hart pulsierenden Klängen von „Let's go get stoned“, dessen rebellischer Sound zu den kehlig-rauen Tönen von Martin van der Starre und Thomas Meeuwis auch in Kusel das Publikum mitfiebern ließ. Für den authentischen Sound sorgten dabei Matthijs van Noort am Keyboard, Gitarrist David Aferiat, Sophie van Schajk am E-Bass, Schlagzeuger Colin Vermeulen und Door Raeymaekers an der Percussion.

Humoristische Akzente setzte Muriel te Loo mit dem Psychedelic Song „White Rabbit“ von Jefferson Airplane, in dem sie als „Alice in Wonderland“ posierte, auch „Tommy“ von The Who und der vor Temperament und Lebensfreude sprühende Hit „Dance to the Music“ der Band Sly and the Family Stone fanden sich in dieser Hommage an Woodstock wieder, die viel mehr als nur eine Tribute Show war und vom Publikum frenetisch bejubelt wurde.

„Woodstock – das ist magisch. Die Songs, die Art, wie sie sie damals spielten, das hat so viele Künstler inspiriert bis heute, und deshalb mussten wir diese Show einfach machen,“ schwärmte Matthijs van Noort.

Dass Woodstock mehr war, als sich nur Blumen ins Harr zu stecken, machten die Darsteller deutlich. Foto: m. hoffmann
Dass Woodstock mehr war, als sich nur Blumen ins Harr zu stecken, machten die Darsteller deutlich.
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