Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Vom Nachhausekommen in die Kreisstadt

michele

Zugegeben: Auf diesen Moment habe ich lange hingefiebert. Darauf, wieder für die Westricher Rundschau zu schreiben. Darauf, in jener Redaktion zu sitzen, wo für mich alles begann. Darauf, wieder daheim zu sein.

Erst vor ein paar Tagen habe ich meinen mittlerweile schon etwas ausgebeulten pinken Zeitungsordner herausgekramt und die neuesten Artikel, die neuesten Erlebnisse aus meinem Volontariat abgeheftet. Einiges hat sich da nach anderthalb Jahren angesammelt – vom Spontaninterview in Pirmasens über die hitzige Bundestagsdebatte zur Altkanzlerausstattung bis hin zur neulichen Krönung der Deutschen Weinkönigin. Wir RHEINPFALZ-Volontäre kommen während unserer zweijährigen Ausbildung sehr viel rum. Eine richtige Reise quer durch die Pfalz legen wir zurück. Wenn man aus der Westpfalz kommt, gilt das buchstäblich sogar jeden Tag.

Drei magische Buchstaben sind aufgetaucht

Alle vier bis zwölf Wochen wechseln wir im ersten Jahr die Redaktion. Das erfordert zwar sehr viele „erste Tage“, jedoch bedeutet das gleichzeitig auch sehr viel Abwechslung. Es ist toll, so viele neue Flecken in der Pfalz kennenzulernen, zu erfahren, wie unterschiedlich die Themen doch sind, die die Menschen hier und dort umtreiben. Und so sehr ich das genossen habe – und auch immer noch genieße –, so habe ich doch mit jeder Aktualisierung des Voloplans, der die Einsatzorte vorgibt, insgeheim darauf gehofft, einmal die drei magischen Buchstaben hinter meinem Namen zu lesen: KUS.

Die blieben zunächst aber aus. Im ersten Jahr, in dem man durch verschiedene Lokalredaktionen reist, standen Speyer, Pirmasens, Bad Dürkheim, Ludwigshafen und Landau auf dem Plan. Das war toll, ich hatte eine großartige Zeit, doch der Wunsch, zurück in die Heimat zu kommen, dort zu arbeiten, der blieb. Und wurde nun, im zweiten Jahr nach den Ressorts, zu denen etwa die Politik und die Kultur gehören, tatsächlich erfüllt. Hinter meinem Namen steht ab Oktober Kusel.

Spannende Themen, herzliche Menschen

Damit ändert sich viel für mich. Aus über einer Stunde Autofahrt – und es gab Tage, da dauerte sie deutlich länger – sind nun drei Minuten Fußweg geworden. Was das für den Alltag bedeutet, ist mir diese Woche erst so richtig bewusst geworden. Was bleibt, ist wertvolle Zeit.

Bei all der Zeitersparnis – von den Spritkosten ganz abgesehen – ist es aber vor allem das Gefühl vom Nachhausekommen, das mir schon die ganze Woche ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert, das mich die Tage bis Oktober hat zählen lassen. Nach Hause kommen in die Heimat, wo alles vertraut ist, wo man die Menschen kennt, wo der Lebensmittelpunkt ist. Wo man eigentlich schon länger wohnt, und es sich jetzt doch nochmal ganz anders anfühlt.

Als ich so vor wenigen Tagen im pinken Ordner ganz an den Anfang zurückblätterte, zu meinen allerersten Texten als Praktikantin und anschließend als freie Mitarbeiterin, da fielen mir Texte zu Knickis Nostalgieladen in Schellweiler in die Hände, zu einem Haschbacher, der ein Herz für Schwalben hat, zu einem Heimkehrer nach fünfeinhalb Jahren auf der Walz, zum Erfinder der Pommes aus Bosenbach. Eins ist dabei glasklar: So klein und abgelegen das Kreisstädtchen mit seinen vielen Ortsgemeinden auch ist, so spannend sind die Themen, so herzlich sind die Menschen, so schön ist es hier. Ich freue mich auf die nächste Zeit. Auf die Kusler, auf die Kollegen, auf das, was bald im pinken Ordner landet.

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