Kreis Kusel
Wochenendkolumne: Die Verkehrswende im Kreis Kusel gleicht einer Herkulesaufgabe
Liebe Leserinnen, liebe Leser, das mit der Elektromobilität ist so eine Sache: Die einen verteufeln sie, die anderen preisen sie in den höchsten Tönen. Befürworter erklären Elektroautos zur Zukunft und sagen, dass der Umstieg vom Verbrenner aufs E-Auto aus Klimaschutzgründen unabdingbar ist. Kritiker wiederum wollen sich keine Technik aufnötigen lassen, die sie für fragwürdig halten. Die Verfechter des Verbrennungsmotors argumentieren unter anderem mit schier unendlich langen Schlangen vor Ladesäulen im Reiseverkehr – mit der Bemerkung „Ladestau“ – sowie mit der Umweltschädlichkeit der Batterien in den E-Autos. Irgendwo dazwischen scheinen sich die Fahrer von Hybridfahrzeugen zu bewegen, zudem die Debatten über E-Fuels, also flüssige, synthetische Kraftstoffe, für deren Herstellung es Strom, Wasser und CO2 braucht.
Festhalten kann man: Es wird gestritten. Es werden regelrechte Glaubenskämpfe ausgetragen. Verständlich, dass solch eine groß angelegte Diskussion die Verbraucher verunsichert. Manchen fällt es schwer, sich selbst zu dem Thema E-Mobilität zu positionieren. In jedem Fall ist bei der Ladeinfrastruktur vielerorts noch Luft nach oben – auch im Kreis Kusel. Eine Leserin hat kürzlich beklagt, dass es in Schönenberg-Kübelberg, der größten Gemeinde des Landkreises, bloß eine einzige Ladesäule gibt – und dass die auch noch seit über einem halben Jahr regelmäßig kaputt ist.
Neue Säulen und Carsharing
Nun muss man fairerweise gleich anmerken: Der Ortsbürgermeister nimmt das Problem der Ladesäulen-Knappheit in seiner Gemeinde sehr ernst. Er ist durchaus bestrebt, Abhilfe zu schaffen. Der Ortsgemeinderat hat den Weg für ein E-Carsharing-Angebot der Firma Deer geebnet, das es in dieser Form erst seit Sommer auch in Wahnwegen und Henschtal gibt. Vorgesehen sind aber nicht nur Deer-Ladesäulen, auch nach einem geplanten Umbau von Lidl in Kübelberg soll man dort sein E-Auto mit Strom betanken können.
Das Problem der monatelang defekten Ladesäule – sie steht übrigens am Rathaus in Schönenberg – ist dennoch ein nachvollziehbares Ärgernis. Die Frau mit dem Elektroauto hat schon einiges an Ausdauer bewiesen, sie versucht regelmäßig ihr Glück an der Ladestation und wird nahezu jedes Mal aufs Neue enttäuscht – weil von außen eben auch nichts an der Säule darauf hindeutet, dass sie außer Betrieb ist. Wer sich in dieser Angelegenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sind die Pfalzwerke. Der Energieversorger ist nämlich Betreiber der Ladesäule, die der Landkreis wiederum beauftragt hat. Aus Telefonaten mit den Pfalzwerken ist die Frau nach eigener Aussage nicht wirklich schlau geworden – auch der RHEINPFALZ gegenüber hat das Unternehmen bislang trotz zweimaliger Nachfrage keinen Grund für den ständigen Ausfall nennen können. Es wird auf den Hersteller verwiesen.
Die Flexibilität muss bleiben
Mag sein, dass ein kompliziertes Problem vorliegt. Mag sein, dass es in der Umgebung einige funktionierende Ladestationen gibt, auf die man ausweichen kann – was die Frau ja auch tut. Aber das Beispiel zeigt doch einmal mehr, wie es nicht laufen soll. Ein von vielen lautstark geforderter Wandel hakt in der Umsetzung – und das nicht nur punktuell. Der Landkreis Kusel ist und bleibt eine Hochburg des Individualverkehrs. Man wird keine weiteren Bahnlinien in die Landschaft klatschen können, wo schon vergleichsweise kleinere Gewerbegebiete an der Topographie scheitern und der bestehende Schienenverkehr schon oft genug mit Unzuverlässigkeit glänzt. Folglich muss gewährleistet sein, dass wir hier auf unseren Straßen künftig genau so flexibel unterwegs sein können wie heute und in der Vergangenheit.
Und wenn – mal in der Theorie gesprochen – die E-Autos auch bei uns die Verbrenner komplett beerben sollen, dann braucht es ziemlich bald ein vernünftiges Ladenetz im Landkreis. Der Zeitaufwand fürs „Tanken“ muss überschaubar sein, an Verkehrsknotenpunkten dürfen sich keine endlosen Staus bilden. Und all das in einer Zeit, in der sich die Menschen offenbar wieder von Elektroautos abwenden: Die Verkaufszahlen sind gesunken.
Ist die Lösung also doch eine andere? Wie auch immer die Verkehrswende im Kreis Kusel aussieht, sie wird in jedem Fall eine Herkulesaufgabe. Schönes Wochenende!