Wolfstein RHEINPFALZ Plus Artikel Wild trifft gefühlvoll: Eva Steinmann zeigt Werke in Verwaltung

Erika Steinmann setzt in ihren Aquarellgemälden sowohl auf kräftige Farben und starke Pinselstriche wie auf zarte Flächen.
Erika Steinmann setzt in ihren Aquarellgemälden sowohl auf kräftige Farben und starke Pinselstriche wie auf zarte Flächen.

Klaus Kinski, Tina Turner, Einstein, der Schinderhannes, Sommer- und Winterlandschaften, Charakterköpfe und Abstraktes – Aquarellarbeiten der Künstlerin Eva Steinmann beleben die eher nüchterne Atmosphäre in der Verbandsgemeindeverwaltung Wolfstein.

Eva Steinmann, aus der Oberpfalz stammend, hat es von der Stadt aufs Land nach Cronenberg gezogen. „Der Liebe wegen.“ Und sie habe es „nicht bereut“, beteuerte sie bei der Vernissage am Montagabend. Knapp 40 Besucher waren erschienen – nicht nur für die Künstlerin sondern auch für Andreas Müller, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lauterecken Wolfstein, war der große Zuspruch eine positive Überraschung. Es sei wichtig, betonte er, Künstlern der Region eine Plattform zu bieten und deren Kunst und ihre Ambitionen zu fördern – ganz gleich wie die Kunst genau aussehe. Denn der Kunstbegriff sei gar nicht definierbar, alle Versuche seien gescheitert, da Kunst „individuell und nicht in einen Rahmen festzumachen“ sei.

So lobte er auch das Schaffen der Künstlerin, die nicht nur bereits bei zahlreichen Ausstellungen in der Umgebung mitgewirkt hat, sondern auch selbst Aquarellmalerei unterrichtet hat – womit sie sich selbst seit mehr als 30 Jahren beschäftigt. Doch nicht nur im künstlerischen Bereich hat sich die Cronenbergerin engagiert, sondern sie hat auch über viele Jahre Kinder von Tschernobyl aufgenommen, weiß Müller. Auf das Ehrenamt sei man auf dem Land besonders angewiesen, sagte er, auch wenn es oft nicht anerkannt oder als selbstverständlich angesehen werde.

Ehrgeiz trägt Früchte

Ob des Müllerschen Lobes „mindestens 2,50 Meter groß geworden“, so Steinmann selbst augenzwinkernd, skizzierte die Künstlerin humorvoll ihren Werdegang. „Häkeln und Stricken konnte ich“, sagte sie. Da habe etwas Neues her gemusst. Sie berichtete von Kursen an der Volkshochschule Köln, einem wortkargen Lehrer und dem Gefühl, die Aquarellmalerei nicht zu verstehen. „Das Malzeug kam erst mal ins Eck“, aber dort blieb es nicht lange, denn der Ehrgeiz packte sie. Wie sich bei einem Rundgang durch das Gebäude zeigte, haben dieser Ehrgeiz und die Geduld facettenreiche Früchte getragen.

Manche der rund 40 Bilder sind unverkäuflich. Sie habe eine sehr enge Bindung zu jenen Werken, erklärt Steinmann. Darunter ist die „Frau in Rot“ nach Elvira Bach. Das Bild signalisiere Hoffnung und Friede, ein neues Leben. „Ideen fliegen mir zu“, erklärte die Cronenbergerin. Sie finde Inspiration quasi überall, sei es in der Zeitung, auf Ansichtskarten, im Fernseher oder im Werk anderer Künstler.

„Will alles ausprobieren“

Mit fremden Federn schmücken will sich Steinmann jedoch nicht. Deshalb findet sich an manchem Bild auch ein Hinweis zur Inspirationsquelle, wie bei einem Kinderbild nach Paula Modersohn, einer Vertreterin des frühen Expressionismus. Eine Festlegung auf eine Richtung, wenngleich ihr Lehrer empfahl sich auf Landschaften zu spezialisieren, hat die Künstlerin nie gewollt. „Ich will alles ausprobieren“, sagte sie.

In Charakterköpfe fallen mit ihren klaren Linien ins Auge, starke Emotionen sind zu spüren. Ruhe erfasst hingegen den Betrachter der idyllischen Landschaften – ob winterlich in Nürnberg oder sommerlich im Bergischen Land. Abstraktes in Kombination mit Gegenständlichem, Stillleben, ein weiblicher Akt, eine Katze oder auch ein Selbstporträt sind zu sehen – entsprechend passend der Titel der Ausstellung „Porträt und mehr“.

Emotionen transportiert

Steinmann wollte sich nie auf nur eine Sache festlegen und das sowohl im Motiv, als auch in der Art der Aquarellmalerei. Klare Linien und starke Pinselstriche mit ausdruckskräftigen Farben, sind ebenso vorzufinden, wie zarte Farbflächen, Farbenfrohes, aber auch Bilder in Schwarz-Weiß. Gerade bei den Porträts gelingt es der Künstlerin vortrefflich, die verschiedensten Emotionen zu transportieren. Passend wild kommt „Tina Turner“ daher, während wenige Meter weiter „Die Liebenden“ zart und gefühlvoll wirken.

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