Kusel
Wie in der ersten RHEINPFALZ-Lokalausgabe über Schmuggler berichtet wurde
Lokalausgabe, das war in den Nachkriegsjahren eine Rubrik auf einer hinteren Seite unter dem Titel „Heimatspiegel“. Daraus entwickelte sich in den folgenden zwei Jahren das „Westricher Heimatblatt“ als eigener Zeitungsteil. Seit 1967 heißt er „Westricher Rundschau“.
In der „Geburtsurkunde“ von 1947 heißt es: „Unsere Mitarbeiter und Leser, sowie Dienststellen und Behörden, bitten wir, ihre Berichte und Anzeigen an die RHEINPFALZ, Geschäftsstelle Kusel, Landratsamt, Zimmer 4, zu übersenden.“
Zugtiere fehlten
Damals erschien die Zeitung zwei oder drei Mal pro Woche. Der Heimatspiegel enthielt auch Nachrichten aus dem Kreis Rockenhausen. Die Zeitungstexte boten eine anschauliche Chronik für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im Mittelpunkt standen die Mängel. Den Landwirten fehlten die Zugtiere, der Kartoffelkäfer gefährdete die Ernte, die Behörden mussten die Bauern an die Ablieferung von Brotgetreide erinnern, und selbst für das Ährenlesen gab es Vorschriften. Die Zuteilung von Lebensmitteln erfolgte mit Hilfe von Karten, und für bedürftige Menschen waren Volksküchen eingerichtet, in denen sie warme Mahlzeiten erhielten.
Damenkleid zum Tauschen
Auch die Kleinanzeigen machten den Mangel deutlich. In einer eigenen Spalte unter der Überschrift „Tausch“ wurde zum Beispiel ein Küchenherd gegen einen Zimmerofen, ein Damenkleid gegen einen Herrenanzug oder eine Nähmaschine gegen ein Fahrrad angeboten.
Eine Folge der Engpässe waren der Schwarzmarkt und der Schmuggel, vor allem mit dem benachbarten Saarland, das von Frankreich verwaltet wurde. Immer wieder konnten ganze Wagenladungen mit Kartoffeln oder Getreide beschlagnahmt werden.
Berichte über Holzfrevel
Aber nicht nur Schmuggel und Schwarzhandel waren an der Tagesordnung, auch der Holzfrevel oder Diebstähle wurden oft geahndet. Zu den häufigen Straftaten gehörten auch die unerlaubte Grenzüberschreitung, das Antreffen einer Person ohne Ausweis oder die Fälschung von Dokumenten.
Ein zentrales Thema war auch die Ungewissheit über das Schicksal der Soldaten, auf deren Rückkehr man wartete. Immer wieder erschienen im „Heimatspiegel“ Aufrufe an Heimkehrer oder Kriegskameraden, sich zu melden, wenn sie etwas über das Schicksal eines Angehörigen wussten.
Es wird wieder getanzt
Im Laufe der nächsten Monate mehrten sich die Veröffentlichungen, die eine langsame Normalisierung erkennen lassen. Die Eintrittspreise für Tanzveranstaltungen wurden gesenkt, die Stadt Kusel plante ein Heimatmuseum und suchte historische Zeugnisse. Das kulturelle Leben wurde abwechslungsreicher, es gab mehr Konzerte und Theateraufführungen. Auch das Vereinsleben nahm Fahrt auf, inzwischen gab es im Kreis drei Gesang- und Sportvereine, zwei Jugendgruppen, einen Musikverein und einen Kirchenchor. Auch in anderen Bereichen konnten Fortschritte gemeldet werden: Brücken über den Glan wurden erneuert, Straßen ausgebessert und an den Schulen unterrichteten neue Lehrer.
Ausführliche Berichte erschienen auch über die Rückkehr der Kriegsgefangenen und über die Entnazifizierung durch die „Spruchkammern“. Das zentrale Thema im Jahr 1948 war zweifellos die Währungsreform. Dazu erschienen im Juni zwei Sonderausgaben, in denen die Bestimmungen für den Umtausch des Geldes veröffentlicht wurden.
„Heitere Bewohner“
Vom September 1947 an gab es die ersten Fotos, vor allem Landschaftsaufnahmen. Die Zeitung vom 28. August 1948 brachte ein Foto von Wolfstein und einen Wandervorschlag für das Lautertal. „Lebendig und heiter wie das Flüsschen sind auch die Bewohner des Tales“, hieß es da.
Ab August 1948 fiel die Überschrift „Heimatspiegel“ weg und wurde durch „Kusel“ und die Rubrik „Entlang des Glans und der Lauter“ ersetzt. Die Nachrichten aus dem Kreis füllten jetzt oft eine ganze Seite.
32 Sack Kartoffeln
Das Jahr 1949 brachte weitere Veränderungen. Hatte es 1948 insgesamt 125 einzelne Ausgaben gegeben, waren es im folgenden Jahr bereits 193. In der Nummer 52 tauchte erstmals der neue Titel „Westricher Heimatzeitung“ auf, der erst 1967 durch „Westricher Rundschau“ ersetzt wurde. Ab Juli gab es mittwochs zusätzlich den „Pälzer Feierowend“, die „kleine Hauspostille für besinnliche und heitere Stunden“.
In dem Lastwagen der Schmuggler wurden übrigens 32 Sack Kartoffeln und ein Sack Getreide gefunden. Der Reporter warnt in seinem Bericht vor den Fahrern. „Sie zeichnen sich durch auffallende Frechheit aus. Sie führen Täuschungsmanöver aus, in dem sie zunächst stoppen und im letzten Moment Vollgas geben. Sie würden kaltblütig einen Gendarmen über den Haufen fahren, wenn es ihnen dadurch gelinge, ihre Hamsterware in Sicherheit zu bringen.“