Kusel / Lauterecken
Wie es mit Pflegeplätzen im Kreis Kusel aussieht
Nicht immer ist es ein schleichender Prozess: Von jetzt auf gleich kann es passieren, dass Familienangehörige nach einem Sturz oder anderen Unfällen nicht mehr alleine leben können. Es muss also so schnell wie möglich eine passende Unterbringung gefunden werden. Im Kreis Kusel kann das wie vielerorts mit Wartezeiten verbunden sein. „Die meisten Menschen suchen erst einen Platz im Pflegeheim, wenn gar nichts mehr geht“, schildert die Einrichtungsleiterin des Zoar Pflegeheims in Kusel, Jutta Kunz. Und so kann es sein, dass zwei bis drei Monate auf der Warteliste vergehen, ehe ihnen ein Platz angeboten werden kann. „Man kann oft nicht sofort helfen und das bereitet einem ein ungutes Gefühl“, gesteht Kunz mit einem Seufzen.
Mehr Anfragen als Plätze?
In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Nachfrage verändert. Der ganze Warteprozess sei viel dynamischer geworden, ergänzt sie. Immer häufiger wären die Leute bereit, weite Entfernungen zum Wohnort zu akzeptieren, da oft zwingend und zügig eine Lösung gefunden werden muss. „Früher hatten die Leute mehr Luft und es wurde sich frühzeitiger umgeschaut“, so Kunz. Anja Holz, Einrichtungsleitung des Seniorenwohnparks in Lauterecken, sieht das ähnlich: „Drei Monate müssen sie aktuell warten.“ Doch stationär seien hin und wieder spontan Plätze frei. Grundsätzlich können in Lauterecken Menschen sämtlicher Pflegestufen ein neues Zuhause finden, sofern die Chemie stimmt. Holtz schaut sich die Anfragen immer ganz genau an. Dabei werde ganz individuell auf den Menschen eingegangen, um sicherzustellen, dass man den Anforderungen gerecht wird. „Formblätter sagen nicht alles über Menschen aus“, erklärt die Leiterin des Seniorenwohnparks in Lauterecken und hebt die Wichtigkeit eines persönlichen Austauschs hervor. Auch in Kusel können insgesamt 108 Plätze für pflegebedürftige Senioren angeboten werden. Dabei werden Personen aller Pflegestufen aufgenommen. Durch den Weglaufschutz könne man auch Menschen betreuen, die aufgrund von Demenzerkrankungen oder Ähnlichem Orientierungsprobleme hätten, zählt Kunz auf.
Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen und in Pflegeheimen untergebracht werden sollen, würden meist in Pflegestufe zwei eingegliedert, so Kunz. Das bedeutet laut Informationen der Krankenkasse AOK, dass „eine erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“ vorliegt. Was erstmal hart klingt, sei aber oft noch zu wenig. So komme es auch mal vor, dass der Pflegegrad von Menschen auf der fünfstufigen Skala mit steigender Pflegebedürftigkeit viel zu niedrig eingeschätzt werde, schildert Kunz. Sie mache den Krankenhäusern keinen Vorwurf, denn das Einstufungsverfahren würde oft unter Zeitdruck erfolgen.
Eine Frage des Geldes
3417,31 Euro – so viel kostet die vollstationäre Betreuung einer pflegebedürftigen Person in Kusel. Je nach Pflegegrad würde aber immer eine entsprechende Bezuschussung erfolgen, verrät Kunz. Auch in Lauterecken muss mit einem Preis von rund 3260 Euro für die Unterbringung eines Angehörigen gerechnet werden. Das sich das nicht jeder leisten kann, ist den Leiterinnen beider Residenzen bewusst. So befänden sich unter den Bewohnern auch einige, die soziale Hilfeleistungen beziehen würden. Werden die nicht direkt übernommen, müssen die Einrichtungen sogar in Vorkasse gehen, erläutert Kunz. Bei der Arbeit mit Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, spielt natürlich auch das fachlich ausgebildete Personal eine Rolle. Während Holz sich nicht über die Situation beklagen könne und ihre Pflegekräfte als „top aufgestellt“ bezeichnet, sieht die Lage in Kusel anders aus. „Wir sind immer auf der Suche“, sagt Kunz. Aufrufe zur Bewerbung würden regelmäßig bei der Agentur für Arbeit oder auf Facebook veröffentlicht, allerdings mit wenig Erfolg. Viele Rückmeldungen erhalte man nicht. Aktuell werde in Kusel deshalb mit zwei Leasingkräften gearbeitet, die wiederum wesentlich teurer als festangestellte Pfleger seien. Trotzdem muss die Versorgung der Bewohner gewährleistet werden, „denn das ist schließlich unser Auftrag“, sagt Kunz abschließend.