Kusel
Wie Corona die Arbeit der Tafeln beeinflusst hat
„Die Tafel war bis auf zwei Wochen während der gesamten Corona-Zeit offen und hat mehr als 500 Bedürftige versorgt“, schildert der Geschäftsführer der Kuseler Tafel, Wolfram Schreiner aus Ulmet. In den vergangenen Monaten seien sogar 20 bis 30 neue Abnehmer hinzugekommen. Ob dies mit der Pandemie zusammenhängt, kann Schreiner nicht bestätigen.
Nur ganz zu Anfang der Krise – ab März 2020 – sei kurzfristig geschlossen gewesen. „Das hat allerdings Probleme gegeben. Viele sind unbedingt auf die Tafel angewiesen“, weiß er. Die Lebensmittelausgabe in der Industriestraße 45 sei daraufhin in den Hof verlegt worden. „Wir haben das Glück, dass wir einen Unterstand haben“, berichtet Schreiner.
Essenspakete vorbereitet
Mit Corona hat sich die Arbeitszeit der Helfer in der Ausgabe Schreiner zufolge verlängert. Denn die Essenspakete werden nun vorbereitet. Die Abnehmer können also nicht mehr über die Theke „bestellen“, wie früher üblich. „Wenn in den Paketen etwas dabei ist, was nicht gewünscht ist, können sie das da lassen“, illustriert Schreiner, dass Vegetarier jetzt nicht etwa zu Fleischessern mutieren müssen.
Die rund 40 Ehrenamtlichen seien stark gefordert. Alleine die Fahrer seien vier Tage pro Woche rund 20 Stunden unterwegs. „Wir können noch weitere Fahrer gebrauchen.“ Die Helfer in der Ausgabe seien ebenfalls an vier Tagen pro Woche bis zu 35 Stunden im Einsatz. Rund 20 „Kunden“ würden direkt zu Hause beliefert, weil sie gesundheitlich nicht in der Lage seien, nach Kusel zu fahren. Er alleine sei gut 25 Stunden pro Woche mit dem Transporter unterwegs. Die Kilometer summierten sich, denn mitunter werde Joghurt aus Neunkirchen oder Limo aus dem Hochwald abgeholt, verdeutlicht er.
Nichts landet im Müll
Ob die 2005 gegründete Tafel im Kreis Kusel bei diesem hohen Aufwand überhaupt ehrenamtlich weiterlaufen kann? „In Homburg werden Mitarbeiter der Tafel zum Teil über die Stadt finanziert“, weiß Schreiner. Es gebe auch Beispiele, wo Caritas und Rotes Kreuz Träger sind. Für den Kreis Kusel sei allerdings bisher keine Professionalisierung in Sicht – obgleich die Helfer fast alle über 65 Jahre alt sind.
Die Menge an Lebensmitteln, die die Tafel erreicht, bezeichnet Schreiner als gut. Es gebe keinen Supermarkt oder Discounter, der sich der Tafel verschließt. Auch Bäckereien wie Schäfer in Mühlbach und Leixner in Rutsweiler unterstützten die Einrichtung. Zudem profitiere der Verein von Kontakten mit Nachbartafeln über die Kreisgrenze hinweg. Schreiner: „Wir helfen uns aus und tauschen.“ Insgesamt könne die Tafel das verbrauchen, was sie erhalte. „Wir werfen nichts weg“, sagt der Geschäftsführer. Auch finanziell sieht er den Verein dank regelmäßiger Spenden gut aufgestellt. Der Verein habe auch schon mal „einen 100er im Briefkasten vorgefunden“.
Über 100 Abnehmer in Lauterecken
Eine solche Spendenfreudigkeit registriert Hans Habermann aus Merzweiler nicht. Die Spenden seien rückläufig, sagt der Vorsitzende des Tafel-Vereins Lauterecken. Dies sei bedauerlich, denn der Aufwand für die Hygiene sei in Corona-Zeiten deutlich gestiegen. Die beiden Räume in Saarbrücker Straße 3 wurden geteilt, außerdem müssen Abnehmer nun draußen warten, um den Abstand zu wahren.
Die Lauterecker Tafel hatte laut Habermann während der Pandemie gar nicht geschlossen. Allerdings habe die Sorge vor dem Virus vor allem ältere Helfer begleitet. Dafür hätten sich jüngere Leute als Freiwillige gemeldet, auch Abiturienten des Veldenz-Gymnasiums.
Weil die Bürgerbusse teils nicht gefahren seien, sei etwa ein Viertel der vornehmlich älteren Abnehmer nicht mehr gekommen. „Jetzt sind wir fast wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie“, schildert Habermann. Mehr als 100 Abnehmer seien auf der Liste registriert. Allerdings gebe es eine hohe Fluktuation. So hätten Anfang des Monats nur 20 Abnehmer Lebensmittel abgeholt. „Gegen Monatsende wird es wieder mehr“, lautet die Erfahrung. Als Lebensmittelspender kamen Netto in Glanbrücken und Rewe in Meisenheim hinzu. Meisenheim werde von Lauterecken aus mitversorgt.
Respekt für alle Abnehmer
Keine gravierenden Veränderungen durch die Corona-Krise registriert die Leiterin der Tafel im Südkreis, Erika Scheuer. In die Ausgabestelle Brücken an der evangelischen Kirche kämen weiterhin rund 60 Abnehmer pro Woche. „Damit nicht so viele auf einmal zusammenkommen, vergeben wir neuerdings Termine.“ Das funktioniere gut, allerdings müssten die Ehrenamtlichen dadurch rund 45 Minuten an Arbeitszeit dranhängen.
Nur am Anfang der Pandemie sei die Tafel kurzzeitig geschlossen gewesen. Die erste Zeit danach hinter der Plexiglasscheibe und ohne direkten Kontakt zu den Leuten, das sei schon ein komisches Gefühl gewesen, räumt Scheuer ein. Aber die Mitarbeiter hätten sich daran gewöhnt.
Rund 30 Helfer zähle die Tafel, die unter dem Dach der Alois-Hemmer-Stiftung organisiert ist. Lebensmittel für Bedürftige gebe es genügend. Nicht immer gehe es „null auf null“ auf. „Dann ist auch mal eine Kiste für den Bauern dabei“, sagt sie. In diesem Zusammenhang bedauert Scheuer, dass sich weiterhin manch einer mit Minimalrente geniere, zur Tafel zu gehen. Die Scham sei unnötig. Die Ehrenamtlichen brächten gegenüber den Abnehmern, die ja oftmals ein ganzes Leben gearbeitet haben und unverschuldet in Not geraten sind, selbstverständlich Respekt auf.