Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Westricher Heimatblätter: Wandermusikanten, Stadt- und Familiengeschichte

Ein alter Kupferstich von Grumbach.
Ein alter Kupferstich von Grumbach.

KUSEL. Pfälzer Wandermusikanten, Kübelberger Familiengeschichten und Stadtgeschichte vom unteren Glan sind die Themen, um die es im neuen Heft der Westricher Heimatblätter geht.

Einen Blick auf verschiedene Aspekte des Westpfälzer Wandermusikantentums – die sich im 19. Jahrhundert entwickelnde Musikszene sowie die Profession der Instrumentenbauer – wirft Paul Engel in dem Beitrag „Zwischen Abschied und Willkommen“, der mit zeitgenössischen Fotos illustriert ist. Darin skizziert der Pädagoge und Mitbegründer des Musikantenlandmuseums auf Burg Lichtenberg, wie vorm Aufbruch im Frühjahr bereits ab Herbst beim Kapellmeister geprobt wurde und wie das „Geschäftsmodell“ der Wandermusikanten war.

So schloss der Kapellmeister mit den Musikern Verträge, in denen der Wochenlohn – gestaffelt nach Alter und Erfahrung – für die Dauer der Tournee festgelegt war. Zudem kümmerte er sich um die Uniformen, die Notenbücher, die Schiffspapiere für die Reise sowie Unterkunft und Verpflegung .

Wirtschaftsfaktor Wandermusikanten

Wenn die Kapelle von Ehefrauen der Musikanten bei ihren Engagements begleitet wurde, hatte dies mitunter zur Folge, dass Geburtsorte mancher Musikantenkinder in Übersee liegen, wie Engel an einigen Beispielen illustriert. Für Kleidergeschäfte, Schuhmacher, Reiseagenturen, Musikalien- und Notenhandel, sowie Bauhandwerker bedeutet das Wandermusikantengewerbe Aufträge. Es war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Teilen der Nord- und Westpfalz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war.

Auch daheim zogen weiter Musikanten umher, die mit Wandergewerbescheinen entweder als Musikgesellschaften oder als Einzelreisende in den Ortschaften unterwegs waren. Auch macht er deutlich, dass das Musikantengewerbe durchaus Schattenseiten barg, etwa wenn einzelne Musikanten wegen fehlender Vorsorge von Altersarmut betroffen waren.

Instrumentenbauer-Familien

In seinem Beitrag widmet sich Engel zudem den Anfängen einer bürgerlichen, meist städtischen Musikszene, was in Musikvereinen und Chören mit Instrumental- und Vokalabteilungen seinen Niederschlag fand. Eine maßgebliche Rolle für die Ausrüstung der Wandermusikanten spielten die Instrumentenbauer, wie der Autor beispielhaft an den Familien Pfaff, Sander und Hebert aufzeigt.

Während sich die Pfaff-Sippe dem Bau von Blechblasinstrumenten zuwandte, gründete der Schreinersohn Friedrich Sander aus Ulmet in Kaiserslautern die erste pfälzische Geigenbauanstalt, und die Sanders spezialisierten sich auf die Fertigung von Holzblasinstrumenten.

Auf Kirchenbucheinträge gestützt

Eine eher schwierige Kost bietet der Beitrag über die Kübelberger Krämerfamilie Toussaint Gmeiner. Markus Bauer, Vorsitzender des Kulturhistorischen Vereins „Gericht Kübelberg“, spürt darin das familiäre Umfeld der beiden Vettern Philipp Fleon und Toussaint Gmeiner auf. Er stützt sich dabei auf Kirchenbucheinträge aus dem 18. Jahrhundert.

Was die Lektüre erschwert, sind stellenweise unterschiedliche Schreibweisen von Namen, sowie lange Originalzitate aus Gerichts- und Kirchenakten. Dem Leser erschließt sich überdies kaum, wieso sich Ende des 17. Jahrhunderts Familien mit französischen Namen, die aus Lothringen beziehungsweise Wallonien stammten, in der Saarpfalz-Region niedergelassen haben. Hier wäre mehr historische Einordnung für das Verständnis hilfreich gewesen.

Stadtrechte

Im Anlauf zum Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte an Grumbach und Offenbach vor bald 700 Jahren gibt Thomas O. Hein einen auch theoretisch sehr fundierten Überblick über den Forschungsstand zur Privilegierung. Beide Ortschaften erhob Kaiser Ludwig von Bayern am 29. Juli 1330 zur Stadt. Hein wirft die Frage nach den Motiven auf.

Vor dem Hintergrund einer Landflucht im Spätmittelalter seien die Landesherren bestrebt gewesen, die Bevölkerung auf dem Land mit der Gründung neuer Städte von einer Abwanderung abzuhalten, argumentiert der Autor. Weitere Instrumente, um die Einwohner zu binden, waren „Nichtabzugsverpflichtungen“ und Aufnahmeverbote. Er empfiehlt, bis zum Jubiläum in einem Jahrzehnt die Forschung zu forcieren und die bisherige These, die Verleihung der Stadtrechte sei nicht wirksam geworden, zu überprüfen. Immer hin sei für Grumbach auch ein Stadtgericht nachgewiesen, bestand mit gepflasterten Straßen, Ringmauer und Tor eine städtische Infrastruktur und Befestigung, Adelshöfe und Herbergen sind erwähnt.

Info

Die aktuelle Ausgabe der Westricher Heimatblätter, Jahrgang 51, Heft 1, März 2020 ist zu drei Euro plus Versandkosten bei der Kreisverwaltung, Abteilung Zentrale Aufgaben, Schulen und Kultur, zu beziehen.

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