Wochenendkolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Wer Quitten online kostenlos anbietet, der hat was zu erzählen

Ach, wären diese Quitten doch nur Gold wert!
Ach, wären diese Quitten doch nur Gold wert!

Statt um Kreisbeigeordnete und die SPD im Norden des Kreises geht’s in dieser Wochenendkolumne ums menschliche Miteinander und kostenlose Quitten zum Abholen.

Vor meinem Urlaub standen auf meiner Liste von Dingen, die ich gern in der Wochenendkolumne „Nebenbei bemerkt ...“ abarbeiten würde, noch mehrere politische Themen. Beispielsweise das Spekulieren über die Nachfolge von Johannes Huber, der ab dem 20. Oktober offiziell Landrat ist und damit den Platz des Ersten Kreisbeigeordneten räumt, und die SPD in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein, die noch immer keinen eigenen Bewerber für die Nachfolge ihres Genossen Andreas Müller aufgestellt hat. Oder es noch nicht mitgeteilt hat ... Doch da in der Zeitung rund um die Verabschiedung von Otto Rubly als Landrat ohnehin manchen Leserinnen und Lesern zu viel Politik zugemutet wird, raten mir die Kollegen zu einer unpolitischen Kolumne. Das trifft sich gut – denn ich muss unbedingt etwas loswerden!

Im heimischen Garten im Glantal steht ein kleines Quittenbäumchen. Vielleicht drei, vier Meter groß. Im Frühjahr blüht das Gewächs immer herrlich, lockt Bienen und andere Insekten aus der ganzen Umgebung an. Im Gegensatz zu den übrigen Pflanzen im Garten – ich schaue Dich an, Pflaumenbaum! – trägt unsere Quitte Jahr für Jahr unfassbar viele Früchte. Ganz egal, ob der Sommer nun besonders heiß und trocken oder vergleichsweise kühl und feucht war. Wären Quitten Gold wert, würden meine Frau und ich die Hälfte des Jahres auf einer Insel in der Karibik verbringen und – okay – unsere beiden Kinder manchmal für ein paar Tage einladen.

Unverschämte Nachrichten

Genug geträumt! Denn die pelzigen Quitten sind dummerweise kaum zu etwas zu gebrauchen. Abgesehen von Gelee, Sirup und dem ein oder anderen Gericht. Doch nach mehreren Jahren mit überaus ertragreichen Ernten kommt einem alles mit Quitten zu den Ohren raus. Am oder unterm Baum verfaulen lassen wollen wir sie aber freilich auch nicht. Zumal die faustgroßen Früchte auch ganz schön schwer sind und die Äste sich deshalb immer heftig nach unten neigen. Doch vom gelben Ballast befreit, erholt sich das Bäumchen über Winter und Frühjahr stets wieder. Und im Frühling erfreuen wir uns Jahr für Jahr an den Blüten und hoffen, dass es vielleicht doch keinen so großen Ertrag gibt.

Hat 2025 wieder nicht geklappt: Das Bäumchen ächzt einmal mehr unter der Last – obwohl Nachbarn und Freunde schon Quitten gepflückt haben. Also hat meine bessere Hälfte auf einer Kleinanzeigenplattform im Internet (Ebay) unsere Quitten zur kostenfreien (!) Abholung eingestellt. Fast zwei Dutzend Nutzer haben sich anschließend bei uns gemeldet, teilweise in einem Ton, dass es einer Sau graust. „Kann man die auch verschicken?“, „Können sie ernten?“, „Bin in der Nahe komme gleich. wohin?“ – mal über die fehlende Anrede und die Grußformel zum Abschied hinweggesehen: Wie unverschämt ist das denn bitte? Klar, ernten wir! Vielleicht noch waschen und zu Gelee weiterverarbeiten?

Unverschämtes Verhalten

Gut, wir wollen die Früchte ja loswerden und antworten auf alle Nachrichten – auf die unverschämten sogar besonders freundlich: Wir sind am Wochenende zu Hause und ab 11 können Interessenten vorbeikommen. Von fast zehn Kleinanzeigen-Nutzern, die zugesagt haben vorbeizukommen, lassen sich nur vier blicken. Auch das ist wieder unverschämt, weil wir bis in den Abend hinein gewartet haben und anderen Interessenten sogar abgesagt hatten. Es kommt aber noch besser!

Weil’s gerade heftig regnet, zeigen wir einer Frau den Weg zum Baum, bleiben aber selbst im Haus. Nach kurzer Zeit kommt sie mit zwei großen Eimern ans Auto zurück. „Ich hab mir mal erlaubt, noch ein paar von den rosanen Äpfel zu ernten, hoffe, das ist okay“, spricht sie und fährt weg. Wir schauen uns perplex an: Nein. Das war nicht okay! Die rosafarbenen Äpfelchen gehören zu einem kleinen Apfelbaum, der in diesem Jahr zum ersten Mal mehrere Früchte trägt. In den vergangenen Jahren hatten wir uns die zwei, drei Äpfel von dem Bäumchen immer gut eingeteilt – weil superlecker. Unverschämt!

Aber auch nette Begegnungen – zum Glück!

An der hohen Anzahl von Ausrufezeichen in diesem Text lässt sich leicht erkennen, dass mich das aufregt. Da kriegt man schon was kostenlos und stellt sich dann so dran! Zum Glück gab es auch – leider deutlich weniger – supernette Kontakte mit Menschen, die sich richtig gefreut haben. Manche haben zum Tausch unaufgefordert selbstgemachte Marmeladen oder Likör mitgebracht. Quitte pro quo, wie der Lateiner sagt.

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