Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn die Praktikantin den Redaktionsleiter bremst: „Seien Sie bitte still, alter Mann.“

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Für diese Wochenend-Kolumne riskiert RHEINPFALZ-Redakteur Benjamin Ginkel den Familienfrieden. Und seine Reputation als profunder Kenner der Jugendsprache ...

Es gibt ein paar Dinge, über die ich nicht in der Zeitung schreiben darf. Um Verschwörungstheoretikern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Weder Ministerpräsident noch Landrat oder sonst ein Politiker hat sich je bei mir gemeldet, um eine Berichterstattung zu verhindern oder zu beeinflussen. Selbst die Chefredaktion mischt sich nicht ins Tagesgeschäft einer Lokalredaktion ein. Das macht unseren Job so reizvoll – und die folgenden Zeilen möglich.

Zu den Dingen, über die ich nicht schreiben soll, gehören zum Beispiel zwei den ganzen Tag krähende Hähne der Nachbarn, sagt mein Rechtsbeistand. Von Berichten über Sportveranstaltungen, bei denen ich das Regelwerk nicht verstehe, soll ich ebenfalls Abstand nehmen, sagt meine Redaktion. Und meine Kinder, 18 und 15 Jahre, haben es mir strengstens verboten, Jugendwörter (in der Zeitung) zu benutzen. Doch wie jeder weiß, haben Verbote ihren ganz eigenen Reiz ...

Praktikantinnen mit roten Gesichtern

Nicht zuletzt deshalb hatte ich vor wenigen Wochen in der Mittagspause mit den Kollegen und zwei Schulpraktikantinnen das Thema angeschnitten und mit – aus meiner Sicht – profunder Kenntnis der aktuellen Jugendsprache gepunktet. Ich kann ja auch nichts dafür, dass ich weiß, was ein „Dab“ ist und nach dem Motto „Yolo“ lebe. „Wallah!“

Keine Ahnung, wieso die Gesichter der beiden Praktikantinnen im Verlauf des Gesprächs immer roter wurden. Nach einiger Zeit dachten sich die beiden offensichtlich: „Hölle nein!“ Und noch bevor ich meine „cringesten“ Begriffe „droppen“ konnte, die ich von meinen Kindern aufgeschnappt habe, platzte es aus einer der beiden Hospitantinnen heraus: „Seien Sie bitte still, alter Mann.“ Damit ließ sie mich „lost“ zurück. „Darf sie so?“ Keine Angst – Sie hatte es nicht ernst gemeint. Und nicht ganz so hart ausgedrückt.

Abstimmung zum Jugendwort 2025 läuft

Rückblickend räume ich ein, es möglicherweise vielleicht ein bisschen damit übertrieben zu haben, den Kollegen Philipp Jung auf eine Schulveranstaltung mit Oberstufenschülern „vorbereiten“ zu wollen. Jedenfalls rieten die beiden Schülerinnen ihm dringend davon ab, auch nur einen der Begriffe – darunter auch in die Jahre gekommene (oder niemals angesagte) Ausdrücke wie „Partypeople“, „Racker“ und „Aura“ – jemals vor Menschen zu benutzen.

Warum ich Ihnen das gerade diese Woche in der Kolumne erzähle, wo doch auch die Bürgermeisterwahl in Lauterecken-Wolfstein, der noch nicht nominierte CDU-Landtagskandidat, die Suche nach der nächsten Kuseline oder personelle Veränderungen in der Redaktion aufgegriffen werden könnten? Weil seit dieser Woche wieder die alljährliche Abstimmung des Langenscheid-Verlags zum Jugendwort 2025 läuft. Die ich natürlich mit großem Interesse verfolge. „Lowkey“ hoffe ich darauf, dass Sie diese Zeilen mindestens „tuff“ finden. Und wehe jetzt sagt jemand „Nein Pascal, ich denke nicht!“.

Bin gespannt, ob meine Kinder nach dieser Wochenendkolumne noch mit mir reden ... Schönes Wochenende, Digga!

Glossar

Aura: Ausstrahlung einer Person.
Cringe: Peinlich, zum fremdschämen.
Dab: Eine Tanzbewegung, die vor zehn Jahren im Trend war.
Darf er/sie so: Ausdruck der Verwunderung, wenn jemand etwa Provokantes oder Mutiges gesagt hat.
Digga: Slang für Freund, Freundin – oder einfach irgendeine Person.
Droppen: Eine Information bekannt machen, etwas im Gespräch fallen lassen.
Hölle nein: Starke Ablehnung.
Lost: Verwirrt, ahnungslos.
Lowkey: Ein bisschen, unterschwellig.
Nein Pascal, ich denke nicht: Ausdruck der Ablehnung.
Tuff: Cool, krass.
Yolo: Kurz für „you only live once“ – man lebt nur einmal.
Wallah: Bekräftigt eine Aussage nach dem Motto „Ich schwöre“.

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