Kreis Kusel
Wegen kostenloser Masken: Apotheken-Hopping verhindern
„Wir warten nur noch auf die Bestätigung des Referentenentwurfs“, erklärte Catherin Heil, Inhaberin der Schloss-Apotheke Lauterecken und der Mohren-Apotheke Meisenheim noch am Montagabend. Ihre Läden hätten Masken auf Lager, und auch die Ausgabe über ein separates Fenster sei organisiert. Dennoch sei man überrumpelt von den Plänen des Gesundheitsministers. „Wir hatten gar nicht genug Zeit, um uns vorzubereiten. Seit Tagen klingelt das Telefon rund um die Uhr. Jeder will diese Masken, obwohl wir sie noch nicht ausgeben dürfen“, bemängelt sie.
Da Heil bereits am Montag davon ausging, dass der Entwurf schnell bestätigt werden würde, wollte sie auf einen Ansturm vorbereitet sein. Aus diesem Grund fuhr sie spontan nach Köln, um eine abgesagte Maskenlieferung selbst abzuholen. Ein Service, den Online-Apotheken nicht bieten könnten, wie sie sagt. Die Voraussicht der Apothekerin war wohl angebracht. Wie Montagabend bekannt wurde, gilt die Verordnung ab Dienstag.
Probleme beim Versand
Diese große Nachfrage sei eines der Hauptprobleme, wie Markus Frenzel von der Apotheke am Markt in Waldmohr berichtet. Auch er verfüge über viele Masken, glaubt aber nicht, dass sie ausreichen werden. Genauso wie Heil wartet Frenzel auf weitere Lieferungen. „Im Vergleich zum ersten Lockdown haben wir dieses Mal zwar genug in Deutschland, aber sie werden nicht ausgeliefert“, berichtet er. Die Ursache des logistischen Problems läge bei den überforderten Versand-Unternehmen, die neben dem „alljährlichen Weihnachtswahnsinn“ zusätzlich nun auch noch große Mengen an Masken in ganz Deutschland verteilen müssten. Diese Probleme hätten seiner Meinung nach verhindert werden können, wenn die Planung koordinierter gelaufen wäre. Diese „Sturzgeburt von Gesetz“ wirft er der Politik vor, auch wenn er den Beschluss grundsätzlich begrüße.
An Donnerstag seien Informationen aus dem Referentenentwurf an die Öffentlichkeit gelangt und hätten bei den Kunden falsche Erwartungen über den Ausgabezeitpunkt geweckt. Deswegen steht auch das Telefon in Waldmohr seit vergangener Woche nicht mehr still. Die große Nachfrage stellt den Apotheker sowie seine Kollegen vor einige Herausforderungen. „Wir können mit der aktuellen Lösung gar nicht nachvollziehen, wer die ihm zustehenden Masken vielleicht schon in einer anderen Apotheke geholt hat“, gibt Frenzel zu bedenken. „Apotheken-Hopping“ nennt Heil diesen Effekt. Dieses wolle man auf jeden Fall verhindern.
Stammkunden im Blick
Auch wenn man ab entsprechendem Alter oder Risikofaktoren einen Anspruch auf die Masken habe, konzentriere man sich vor allem auf die Stammkunden. Frenzel möchte deswegen an alle appellieren, „das Angebot verantwortlich anzunehmen, aber es nicht zu missbrauchen“. Außerdem seien laut der Bundesregierung weitere Maskenauslieferungen für Januar und März geplant.
Markus Wölflinger, Inhaber der Engel-Apotheke in Kusel, berichtet von einem großen Andrang. Wie auch seine Kollegen kritisiert er die ungenügende Vorlaufzeit und den fehlerhaften Informationsfluss. „Am Freitag hatten wir innerhalb von drei Stunden über 50 Anrufe“, schildert er. Viele Apotheken hätten wegen der hohen Nachfrage weitere Bestellungen aufgegeben. „In Firmen erreicht man aber nachmittags niemand mehr. Dann werden die Aufträge erst am Montag bearbeitet, und wir müssen eben warten“, resümiert Wölflinger. Er verfüge zwar aktuell noch über Masken, bezweifelt aber, dass diese bis zur nächsten Lieferung ausreichen werden.
Nach RHEINPFALZ-Informationen gibt es auch Apotheken in der Region, die weniger Glück bei der Belieferung der Masken hatten. Hier stünden aktuell teilweise gar keine FFP-2-Masken zur Verfügung. Die angefragten Apotheken wollten sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Lage äußern.