Waldmohr
Wegen Corona-Krise: 1,5 Tonnen Mandelgebäck übrig
Schoko, Espresso, Orange, Amarena Kirsch und 16 weitere Varianten – bei Stefan Herrmann gibt’s Mandelgebäck in verschiedenen Sorten und in großen Mengen. In seiner Manufaktur „EdelHerrmann“ im Waldmohrer Industriegebiet produzieren sein Bäcker- und sein Konditormeister die Süßigkeiten. „Im März wäre die Messe-Saison losgegangen, dafür haben wir vorproduziert: Jetzt stehen eineinhalb Tonnen Gebäck im Lager“, sagt Herrmann – Mindesthaltbarkeitsdatum: Ende August. „Bisher habe ich noch gehofft, das irgendwie verkaufen zu können. Aber die Regierung hat das Veranstaltungsverbot ja immer weiter verlängert“, erklärt Herrmann. Sogar die ersten Weihnachtsmärkte seien bereits abgesagt. Und auf Wochenmärkten seien keine Standplätze mehr frei, er versuche seit Wochen an einen solchen Platz zu kommen.
Auf ganz andere Vertriebswege umzusteigen, sei so kurzfristig ebenfalls nicht möglich. Zwar plane er einen Online-Shop, der noch im Juli fertig werden soll, „aber bis ich da auf Google gefunden werde und bis die Leute das kennen, das dauert“, sagt Herrmann. Ein weiterer Vertriebsmöglichkeit ist der Einzelhandel. Doch da reinzukommen sei schwierig, erläutert der gelernte Bürokaufmann. Verpackungen, Etiketten und Lebensmitteluntersuchungen, um zum Beispiel die Nährwerte anzugeben, wären dafür notwendig – und das sei teuer. „Ich habe das vor einiger Zeit mal mit fünf Sorten versucht. Daher weiß ich, wie viel Aufwand das ist und welche Kosten es verursacht: Man muss mit mindestens 1000 Euro pro Sorte rechnen.“
Schwankende Existenzen
Ware im Wert von 50.000 Euro stehe nun in Herrmanns Lagerhallen herum. „Wenn die kaputt geht: Das tut richtig weh“, sagt er. Die Kugeln seien handgemacht und daher sehr hochwertig: Auf dem Markt verlange er 44,90 Euro pro Kilogramm. Doch in seiner jetzigen Situation würde er den Preis auch stark senken. Seine Hoffnung: ein Großabnehmer, zum Beispiel die Kantine einer Firma. „Da wäre ich bereit, bis auf den Herstellungspreis herunterzugehen“, sagt er. Aber auch Einzelpersonen dürften sich gern melden. „Jeder, der mehr als 500 Gramm abnimmt.“
Keine Messen und Märkte bedeutet für Herrmann keine Einnahmen bei normal weiterlaufenden Ausgaben. Vor der Krise seien etwa 12.000 Euro feste Kosten pro Monat angefallen. „Die 9000 Euro von der Regierung retten mich nicht einmal einen Monat lang“, erklärt Herrmann. Deshalb habe er bereits alle zehn Mitarbeiter entlassen müssen. Der Ärger in seiner Stimme wird immer deutlicher, während er erzählt: „Und ich bin da nicht der einzige. Es sind momentan Millionen von Existenzen am schwanken, nicht Hunderte oder Tausende. Millionen.“
Die Liebe zum Süßen
Doch aufgeben wird der gelernte Bürokaufmann deshalb nicht. Sein Nachteil sei gewesen, dass er nur eine schmale Nische bedient hat. Das will er ändern – und damit hat er sogar schon angefangen. Vor einiger Zeit habe er ein zweites Standbein aufgebaut: eine Wohnmobilvermietung, „EdelHerrmann ReiseLust“. Seit Juni vermiete er die Campingwagen. Doch um davon zu leben, reiche das nicht. Deshalb plant der umtriebige Unternehmer derzeit ein drittes Standbein: Die Manufaktur im Waldmohrer Industriegebiet möchte er ausbauen und einen Werksverkauf mit Café und Backkursen anbieten – gemeinsam mit regionalen Erzeugern.
„2013 habe ich in Waldmohr ein riesen Gelände gekauft und eine wunderschöne Halle gebaut“, berichtet Herrmann. Zuvor war der Firmensitz in St. Ingbert im Innovationspark gewesen. Erst 2010 hatte Herrmann begonnen, das Gebäck selbst zu produzieren statt anzukaufen. „Mein Leben lang habe ich schon mit Lebensmitteln gearbeitet: Schinken habe ich selbst geräuchert und verkauft, Senf hergestellt und auf Märkten vertrieben. Das zieht sich so durch: Ich mag gute Lebensmittel.“ Lange habe er außerdem ein Bistro in St. Ingbert betrieben, dann aber er seine Liebe zum Süßen entdeckt: „Damit habe ich – bis zur Krise – ein sehr gesundes Unternehmen aufgezogen. Doch mit so etwas habe ich bei meiner Planung nicht gerechnet: Bei der nächsten Pandemie passiert mir das nicht mehr.“