Kusel
Was machen Gästeführer in Corona-Zeiten?
Die letzte Wanderung vom Wandertreff Burg Lichtenberg sei im März gewesen, erzählt die Gästeführerin. „Danach war so etwas ja undenkbar“, sagt sie. Monatelang gab es nichts: keine Wanderungen, keine Stadtführungen in Kusel und keine Führungen auf der Lichtenburg. Seit Juni habe sich das nun endlich geändert, sonntags mache sie wieder Stadtführungen in kleinen Gruppen, mit viel Abstand. Auch auf der Burg gingen die Führungen so langsam wieder los.
Wanderungen biete Rübel derzeit noch keine an. Denn wegen der Abstandsregelung – immer eineinhalb Meter Abstand zwischen allen – kann sie nur wenige Teilnehmer mitnehmen. „Wenn ich jetzt eine Wanderung anbieten würde, müsste ich mehr Leuten absagen als zusagen“, sagt die 60-Jährige. Und: „Wie würde ich da denn auswählen, wer mitkommen darf? Das fände ich schwierig.“
Nur E-Bikes
Deshalb musste eine Alternative her. Nach einigen Überlegungen bietet sie nun Fahrradtouren mit E-Bikes an: Hier dürften zwar auch nicht mehr als 15 Leute mitkommen, doch es sei leichter, die Abstände einzuhalten, erklärt Rübel. „Als ich die erste Radtour auf Facebook veröffentlicht habe, hat sich gleich die Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein bei mir gemeldet“, erzählt sie. Nun seien bereits Touren für August, September und Oktober geplant. „Die erste war so schnell ausgebucht, dass ich sie gleich zweimal gefahren bin“, sagt Rübel und muss lachen.
Dass sie nur E-Bikes mitnimmt, liegt an der hügeligen Landschaft. Damit seien auch die vielen kleinen Berge gut zu meistern. Die Touren seien jeweils etwa 50 Kilometer lang, die Teilnehmer gemischt von jung bis alt. Es gebe zum Beispiel einen Rundweg von Kusel zum Ohmbachsee und zurück, die Musikantentour von Jettenbach aus sowie eine „Alte Welt“- und eine „Die Zwölf“-Tour. Eine solche Strecke zu planen, sei ziemlich aufwendig: „Ich stelle die zusammen und fahre sie vorher ab. Da gibt es viel zu bedenken: Sehenswürdigkeiten müssen dabei sein und Infos dazu, eine Möglichkeit, vor der Tour zur Toilette zu gehen, sowie eine Hütte zum Einkehren.“
„Ein sehr schönes Hobby“
Sie denke immer wieder über Alternativen nach, die sie derzeit statt ihrer geführten Wanderungen anbieten kann. Über zehn Stück seien ausgefallen. Waldbaden sei etwa eine Möglichkeit, dazu habe sie bereits ein Seminar besucht. Doch hier sei sie sich noch nicht sicher, ob die Abstandsregeln gut eingehalten werden können. „Man ertappt sich bei so etwas ja manchmal selbst. Eine Weile lang wird darauf geachtet. Doch irgendwann, im Gespräch vertieft, merkt man: Oh, ich halte ja gar kein Abstand.“ Deshalb sei sie sehr vorsichtig.
Dass sich zurzeit mehr Touristen für ihre Führungen und Touren interessieren als sonst, habe sie nicht beobachtet – trotz des Trends, Urlaub eher in Deutschland und zuhause zu machen. „Die vielen Führungen für große Gruppen, wie Firmen, Seminare oder Gruppenurlaube, häufig mit über 25 Leuten, sind tendenziell auf nächstes Jahr verschoben“, sagt Rübel. Vor allem Familien und Kleingruppen seien derzeit bei den Führungen dabei. Sie sei froh, dass sie nicht davon lebt, Gästeführerin zu sein, sei für sie ein „sehr schönes Hobby“. Für Führungen erhalte sie ohnehin nur eine Aufwandsentschädigung, erklärt sie.