Glan-Münchweiler Was Leser freut, bewegt und ärgert: Eindrücke von der „Redaktion vor Ort“
Das gute Wetter – natürlich mitgebracht von der RHEINPFALZ – hat sich bei der „Redaktion vor Ort“ vor Edeka Eckstein offensichtlich auf die Laune ausgewirkt. Die war nämlich weitestgehend sehr gut, trotz einiger Aufregerthemen, die Leserinnen und Leser mitgebracht hatten.
Beispielsweise waren Bewohnerinnen eines Mehrparteienhauses in der Nachbarschaft zu Gast. Sie beklagten, dass die Vermieter – eine Immobiliengesellschaft – Anfang Dezember die Holzbalkone an dem Gebäude entfernt haben. „Da war der Holzwurm drin und ein Statiker hatte die Balkone beanstandet“, sagte eine der beiden Frauen. Für Januar sei ein Gesprächstermin vereinbart worden, um zu klären, wie es nun weitergeht. Zu dem Treffen sei es nie gekommen, seit Monaten würden die Bewohner in den fünf Wohnungen vertröstet. „Eine Mietminderung aber hat es noch keine gegeben“, kritisiert die Bewohnerin, die nach eigenen Angaben mit dem Balkon ein gutes Stück Lebensqualität verloren hat: „Unser kleines Paradies fehlt.“ Die RHEINPFALZ hat das Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten.
Ein besonderes Wiedersehen zu Beginn
Besuch von einem alten Bekannten aus seinem Heimatdorf hat Redakteur Benjamin Ginkel bekommen: (Mundart-)Dichter Karl Kuhn aus Gumbsweiler lebt seit Jahren im Seniorenheim in Glan-Münchweiler und hat sich sehr über das Wiedersehen gefreut. Im Gepäck hatte der fast 90-Jährige eine Auswahl seiner Werke und eine unterhaltsame Geschichte, wie er kurz nach dem Krieg den aus der Gefangenschaft heimgekehrten Großvater des RHEINPFALZ-Redakteurs kennengelernt hatte: „Wie Kuhne Karlche Ginkels Alfred getroff hat“.
Ernstere Töne schlug dagegen Hans-Peter Schneider aus Rammelsbach am RHEINPFALZ-Stand an. Zusammen mit Nachbarn fürchtet er, dass der Steinbruch in seinem Heimatdorf erweitert werden soll – und noch näher an die Wohnbebauung heranrückt. Da das Thema kommende Woche im Gemeinderat auf der Tagesordnung steht, hätten er und seine Mitstreiter an Pfingsten Flugblätter im Ort verteilt und das Gespräch mit den Ratsmitgliedern und der Ortsspitze gesucht. Jetzt sei er gespannt, wie das Gremium am nächsten Mittwoch entscheidet.
Pflegefall: Das leidige Thema Bürokratie
Ein großes Lob hatte Gudrun Cassel-Pfeiffer mitgebracht – und zwar für die Betreiber des Kinett in Kusel: „Dass es sowas Tolles in Kusel gibt! Super, was die da Monat für Monat auf die Beine stellen.“ Die Frau aus Steinwenden schaffe es „leider zu selten“, selbst vor Ort zu sein. Auch jenseits der Kreisgrenze lese sie die „Westricher Rundschau“; mit der RHEINPFALZ-App stöbere sie abends gerne durch weitere Lokalteile. Auf die App setzt auch Peter Dengel, der es schätzt, dass es damit keine Diskussionen am Küchentisch gibt – und zwar darüber, wer welchen Zeitungsteil zuerst lesen darf.
In der Hoffnung, dass es hilft, Probleme immer wieder öffentlich anzusprechen, stattete Helga Fauß aus Hüffler den Redakteuren einen Besuch ab. Sie habe einen Pflegefall in der Familie und bekomme immer gesagt: „Sie kriegen doch Hilfe.“ Doch das sei ein „reiner Kampf“, egal mit welcher Behörde oder dem Medizinischen Dienst. Angehörige würden durch die Bürokratie oft zusätzlich belastet. Außerdem kritisierte Fauß, dass es zunehmend schwieriger werde, ärztlich verschriebene Ergo- und Physiotherapien zu nutzen. In der Region kämen zu viele Patienten auf zu wenige Therapeuten, und mit weiter steigendem Altersschnitt im Landkreis werde sich das Problem noch verschärfen.
Leerstände in Dörfern und Parken an Feldwegen
Martin Sommer aus Steinbach blickt mit Sorge auf die vielen Leerstände in seiner Heimatgemeinde Steinbach und umliegenden Orten: „Zum Teil stehen auch noch die Möbel lange Zeit vorm Haus“, schilderte er seine Beobachtungen bei der „Redaktion vor Ort“. Ein altes Haus zu kaufen und zu ertüchtigen, lohne sich heutzutage oft kaum mehr, weil man im Regelfall sehr viel Arbeit und vor allem Geld hineinstecken müsse. „Das Problem ist auf unsere Politik zurückzuführen“, sagte Sommer. Für viele junge Familien sei ein solches Projekt nicht mehr stemmbar.
Stefan Schönborn, ebenfalls aus Steinbach, liegt das Thema Naturschutz sehr am Herzen. Es ärgere ihn etwa, dass im Bereich der Feldwege beim Steinbacher Friedhof, Nähe Römertalhof, viele Leute mit dem Auto unterwegs seien, obwohl sie das gar nicht dürften. „Dort wird an einer Stelle immer geparkt und dort werden auch Tiere totgefahren, Ringelnattern zum Beispiel“, verdeutlichte er. „Die stehen im Naturschutz eigentlich ganz oben auf der Liste.“ Zudem beklagte Schönborn, dass es am Rad- und Wanderweg zu wenige Mülleimer gebe und dass der Wald um den Doggeplatz herum immer weiter schrumpfe: „Es wäre an der Zeit, auch mal wieder Bäume zu pflanzen und nicht nur welche zu fällen.“ Ihm sei allerdings gesagt worden, dass Steinbach, was Baumpflanzungen betrifft, nächstes Jahr an der Reihe sei.
Schlaue Bänke als Mitfahrerbänke?
Berthold Drumm aus Henschtal, der ehrenamtlich Bürgerbus fährt, brachte ein anderes Thema vor: Die sogenannten schlauen Bänke, auf denen man nicht nur sitzen, sondern auch sein Handy laden kann, könnten anders platziert sein, findet er. Und zwar so, dass sie mehr als Mitfahrerbänke wahrgenommen werden. „Die stehen in manchen Gemeinden an Orten, an denen man sie gar nicht richtig findet“, sagte Drumm. Wenn sie aber näher an der Straße stünden und vielleicht auch noch mit einem Schild versehen wären, das sie als „Bürgerbank“ kennzeichne, würden die Bänke sinnvoller genutzt. „Dann könnte man die Leute von dort auch einfacher mit dem Bürgerbus mitnehmen“, regte der Henschtaler an. „Und ältere Menschen, die sie nicht unbedingt nutzen, um ihr Handy zu laden, hätten mehr von den Bänken.“
Entlang von Wander- und Spazierwegen sollte es auch mehr Bänke geben, findet Drumm. Klaus Dockendorf aus Matzenbach wiederum betonte, dass generell mehr für den Tourismus in unserer Region getan werden muss: „Wir haben hier viel Potenzial. Die Natur hat was zu bieten, für Radfahrer und für Wanderer, da stehen wir vielen anderen Regionen Deutschlands in nichts nach.“ Dockendorf hat sich zusammen mit seiner Frau daher dazu entschlossen, wieder Ferienwohnungen anzubieten, tat er am RHEINPFALZ-Stand kund. Zuvor habe er an Amerikaner vermietet, dieses Thema sei aber wegen der aktuellen Entwicklungen in den USA mit sehr viel Unsicherheit behaftet. „Wir sollten einfach ein größeres Augenmerk auf den Tourismus legen, wenn es darum geht, unsere Immobilien zu nutzen.“
Sonnenhüte für die (armen) Redakteure
Um das Wohl der Schreiberlinge aus der Kreisstadt sorgte sich Christian Dietrich, Vorstand der Volksbank Glan-Münchweiler: Um zu verhindern, dass die Herren Jung und Ginkel an diesem Vormittag einen Sonnenstich bekommen, spendierte er sommerliche Strohhüte für die Redakteure. Die kommen hoffentlich schon in wenigen Wochen wieder zum Einsatz: Im Juli wird die RHEINPFALZ ihre „Redaktion vor Ort“ nämlich im Altenglaner Schwimmbad aufschlagen.