Hinzweiler
Was die neue, 300 Seiten starke Dorfchronik bietet
Nachdem Lang sein Lehramtsstudium abgeschlossen hatte, bekam er nicht sofort eine Stelle. Diese Zeit um 1980/1981 nutzte der heute 72-Jährige, der unter anderem Geschichte studiert hat, um Interviews mit seinen Mitbürgern zu führen. Schon damals hatte der Hinzweilerer die Idee zur Chronik, schrieb alles ordentlich nieder, wurde dann jedoch in den Schuldienst übernommen, sodass die 80 Interviews Jahrzehnte lang ungenutzt vor sich hin schlummerten. Diesen Fundus hat Lang wieder ausgepackt, als er mit Suffel die Festschrift zum 750. Ortsjubiläum verfasste – ihr erstes gemeinsames Werk. Dabei entstand gleich die Idee für die zweite Zusammenarbeit, eine Häuserchronik, die viel Beachtung erfahren sollte. Zwischendurch hat Lang noch die Chronik des Sportvereins geschrieben, für die er eine Auszeichnung erhielt. Jetzt ist das vierte Buch zur Hinzweilerer Geschichte entstanden.
Von Auswanderung bis Weinbau
„Wir wollten kein trockenes Buch schreiben“, sind sich beide einig. Deshalb haben sie die Fakten mit Geschichten und Anekdoten gespickt. Zentrale Themen des Buches sind Hinzweiler als Musikantendorf – die Hobbyhistoriker haben 211 Profimusiker aus dem Ort ermittelt – sowie die Auswanderung. „Unser roter Faden durch die Chronik ist, dass wir keine nüchterne Wiedergabe der Fakten präsentieren, sondern aufzeigen, was die Geschichte für Hinzweiler konkret bedeutete.“ Die Autoren zeigen auf, wie der technische Fortschritt, beispielsweise in der Landwirtschaft, die Arbeit im Ort veränderte und führen für jüngere Generationen überraschende Fakten an, etwa den regen Weinanbau. „Es gab hektarweise Wingerte“, erklärt Suffel. Im Buch belegt dies ein Bild aus dem Jahr 1920.
Suffel, dessen jüngster Bruder Gunter langjähriger Ortsbürgermeister ist und dessen Vater Ernst bereits das Amt innehatte – „wir haben dadurch viel mehr mitbekommen, als andere“ –, wurde in Hinzweiler geboren. Nach seinem Studium verschlug es den heute 77-Jährigen nach Lauterecken, wo er zunächst eine kleine Dienststelle bei der Bahn leitete. Die Familie blieb in der Veldenzstadt, und Suffel wurde dort einst zum Stadtbürgermeister gewählt. Doch Hinzweiler hat ihn nie losgelassen.
Recherche führt Autoren bis nach München
Zusätzlich zu den vorhandenen Interviews und den eigenen Erlebnissen flossen die Resultate umfangreicher Recherchen in die Dorfchronik ein. So erforschten Lang und Suffel die Geschichte ihres Wohnortes nicht nur im Bürgermeisterbüro, wo sie ein Lagerbuch aus dem Jahr 1778 fanden, und in Archiven der Verbandsgemeinde, sondern auch im Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, im Landesarchiv und Kirchenarchiv in Speyer, im Kreisarchiv in Kusel und sogar in München. Besonders zeit- und arbeitsintensiv sei die Durchsicht von Zeitungen aus der Zeit von 1880 bis heute gewesen, berichtet Lang.
Und mit der Sammlung der Fakten war es nicht getan. Alles musste ansprechend niedergeschrieben, in Zusammenhang gesetzt und immer wieder gegengelesen werden. Lang entwarf Texte, Suffel ergänzte und korrigierte, stundenlange Telefonate gehörten zur Tagesordnung der ehrenamtlichen Hobbyhistoriker. „Unser Ziel war es, vor Weihnachten fertig zu werden. Ein dreiviertel Jahr habe ich täglich drei bis vier Stunden investiert“, schildert Lang, der auch ohne die Unterstützung durch den Förderverein der Gemeinde das Buch geschrieben hätte – weil sonst Geschichten über die Zeit wohl verloren gegangen wären.
Info
Die Ortschronik wird am Sonntag, 15. Dezember, 15 Uhr, im Sportlerheim des SV Hinzweiler um 15 Uhr von den beiden Autoren vorgestellt und kann für 25 Euro erworben werden. Die 300 Seiten starke Chronik bietet neben den ausführlich recherchierten Geschichten rund 500 Fotos sowie Dokumenten-Scans.