KUSEL
Warnungen im Katastrophenfall: „Bitte halten Sie Fenster und Türen geschlossen“
Über 80 verschiedene Alarmstichworte gibt es, hinter jedem verbirgt sich ein Ereignis, zu dem der Kreis und die Verbandsgemeinden Alarmpläne aufgestellt haben. „Vom Kleinfeuer wie einem Mülleimerbrand bis zur Schiffshavarie“, erläutert Jens Werner, stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur und Leiter der Feuerwache Kusel-Altenglan. Im Alarmplan seien unter anderem die Anzahl der Feuerwehrleute und Fahrzeuge hinterlegt, die je nach Situation alarmiert werden müssten. In politisch brisanteren Fällen würden Politiker, etwa der Landrat, informiert – wenn zum Beispiel ein Altenheim oder eine Asylunterkunft brennt.
Ansage über USB-Stick
Im Falle der Chemikalien-Wolke, die sich auf Kusel zubewegt, würden sich Feuerwehr-Fahrzeuge auf den Weg durch die Straßen machen, ausgerüstet mit Lautsprecheranlagen. Die Kuseler würden die Aufforderung hören, in den Häusern zu bleiben und Türen und Fenster geschlossen zu halten. Solche Lautsprecheranlagen seien auf den meisten Fahrzeugen der Feuerwehr zu finden, erklärt Werner, etwa auf Mannschaftswagen oder Einsatzleitfahrzeugen.
Über einen USB-Stick könne die Ansage direkt über die Anlage abgespielt werden. Werner erinnert sich noch an den letzten Fall, als die Feuerwehr im Kreis Kusel mit Lautsprechern durch die Straßen gezogen ist: Bei Bauarbeiten wurde im März vergangenen Jahres in Waldmohr eine Bombe gefunden, 160 Häuser mussten für die Entschärfung evakuiert werden. Über die Lautsprecher wurden die Anwohner über den Termin informiert und aufgefordert, ihre Häuser dann zu verlassen. „Aber man kennt es ja selbst: Man steht unter der Dusche oder die Fenster sind zu. Da bekommt man das nicht unbedingt mit“, sagt Werner. Deshalb kontrollieren Feuerwehr und Polizei in einem solchen Fall noch einmal, ob auch wirklich alle Häuser leer sind.
Katwarn und Mowas
Deshalb wird die Bevölkerung auch auf anderen Wegen informiert. Im Falle der Giftgas-Wolke würde bei den Bürgern, die eine Warn-App auf dem Smartphone installiert haben, ein Alarm losgehen: „Giftgas-Wolke in Kusel, bitte bleiben Sie in den Häusern und halten Türen und Fenster geschlossen.“
Vor einigen Jahren habe es so etwas tatsächlich gegeben: In Kaiserslautern sei eine Chemikalie in einem Betrieb ausgelaufen, schnell verdampft und als Wolke durch die Stadt gezogen, erzählt der Feuerwehrinspekteur. Da sei auch über die verschiedenen Apps gewarnt worden. „Es wurde auch darauf hingewiesen, bei Unwohlsein zum Arzt zu gehen“, so Werner. Solche Warn-Apps heißen zum Beispiel Katwarn oder Mowas. In Rheinland-Pfalz wird vor allem Katwarn verwendet. Den Alarm für diese App kann die Feuerwehr laut Werner selbst auslösen, für Mowas muss ein Vordruck ausgefüllt und an die Leitstelle geschickt werden, die dann den Alarm auslöst.
Warnung über Rundfunk
Nicht nur vor Giftgas-Wolken warnen die Apps, auch bei Bränden, besonderen Wetterereignissen wie starkem Sturm und Hochwasser oder zum Beispiel im Falle eines Amoklaufes.
Wer gerade Radio hört, würde die Warnungen auch hier bekommen, je nachdem wie weitreichend die Katastrophe ist. „Ich habe schon gemerkt, dass sich Informationen bei größeren Ereignissen über die sozialen Medien schneller verbreiten als über die öffentlichen Medien“, sagt der Wehrleiter. Sirenen würden die Kuseler in solchen Fällen aber eher nicht heulen hören: Denn die werden inzwischen nicht mehr zur Bevölkerungswarnung eingesetzt.
Alte Sirenen
In den drei Verbandsgemeinden des Landkreises Kusel gibt es in fast allen Ortsgemeinden noch ein bis zwei Sirenen. In 19 von 23 Ortsgemeinden der VG Oberes Glantal gebe es noch je mindestens eine, erklärt Ingolf Hewer, der bei der VG unter anderem für Katastrophenschutz zuständig ist. Einzelne der Anlagen, die fast alle noch aus Kriegszeiten stammten, seien in letzter Zeit allerdings abgebaut worden. In der VG Kusel-Altenglan gibt es laut Andreas Bier von der VG in jedem Ort noch mindestens eine Sirene. Für die VG Lauterecken-Wolfstein berichtet Katharina Hilz, dass es in insgesamt 48 Sirenen gibt: In jeder Ortsgemeinde, ausgenommen Offenbach-Hundheim und Rutsweiler, gibt es mindestens eine.
Die Sirenen wurden lange Zeit genutzt, um die Bevölkerung vor Katastrophen oder Angriffen zu warnen. Zur Zeit des Kalten Krieges wurde sogar noch in der Schule gelehrt, was die verschiedenen Tonfolgen zu bedeuten haben: Luftschutzalarm, ABC-Alarm oder Entwarnung.
Inzwischen gibt es diese Funktion nicht mehr. Genutzt werden die Sirenen aber trotzdem noch: um Feuerwehrleute zu alarmieren. „Falls ein Feuerwehrmann seinen Funkmeldeempfänger nicht dabei hat und im Ort unterwegs ist, hört er die Sirene und weiß, dass er zum Einsatz muss“, erläutert Ingolf Hewer von der VG Oberes Glantal.
Die Sirenen könnten über die Einsatzzentrale der Feuerwehr und über die Leitstelle in Kaiserslautern angesteuert werden. Die Ansteuerung sei analog. Laut Jens Werner könnte sich das aber ändern: „Der Bund empfiehlt, die Sirenen zu erhalten. Außerdem sollen sie in Zukunft digital angesteuert werden. “ Doch dafür stünden immense Kosten im Raum und damit die Frage nach der Bezahlung. So lange das noch nicht geklärt sei, passiere wohl nichts. Werner schätzt, dass das Ganze noch fünf bis acht Jahre dauern könnte.