Kreis Kusel Vom Leben nach dem Schlaganfall

Eine starke, humorvolle und viel beschäftigte Frau kommt am heutigen Freitag auf die Bühne im Kaiserslauterer Edith-Stein-Haus: Nach dem Bestseller „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ brachte Gaby Köster in diesem Jahr ihren ersten Roman „Die Chefin“ auf den Markt. Eine Station auf der aktuellen Lese-Tour ist eben das Edith-Stein-Haus; RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Katharina Kovalkov sprach vorab mit der Autorin und Komikerin über die Geschichte des Romans, ihr eigenes Schicksal und welchen Stellenwert Humor in ihrem Leben hat.
Och, es ist sehr sehr schön. Es ist ja nun schon meine zweite Lese-Tour, ich war ja bereits mit meinem ersten Buch unterwegs, und es ist für mich mittlerweile normal. Comedy mache ich ja eh immer. Ist ein Comeback zurück auf die Comedy-Bühnen überhaupt geplant? In Planung ist es momentan nicht, da ich jetzt erst mal mit dem Buch beschäftigt bin. Und zudem mache ich nicht mehr zwölf Sachen auf einmal, weil das gesundheitlich nicht besonders zuträglich ist. Was gibt Ihnen das Schreiben? Ich mache immer gerne Sachen, die ich noch nie gemacht habe. Ich habe vorher noch nie einen Roman geschrieben. Das war für mich eine Herausforderung, da hatte ich Lust zu und dachte mir „das probiere ich jetzt einfach mal aus“. Die Geschichte des Buches ist sehr komplex. Es geht um zweite Chancen, Menschenhandel, Flüchtlingsopfer und Kinder, die zu Verbrechen gezwungen werden, um zu überleben. Wie hat diese Geschichte zu Ihnen gefunden? Ich behaupte mal, dass wir in Köln doch sehr davon betroffen sind. Diebstahl und Einbrüche sind hier an der Tagesordnung, vor allem für die Leute, die in der Nähe einer Autobahn wohnen. Und es hat mich einfach interessiert, warum das so ist, was dahinter steckt und wie das alles zusammenhängt. Sie haben für das Buch intensive Recherche betrieben, sind unter anderem selbst nach Rumänien gefahren und haben sich mit den Menschen dort unterhalten. Welche Eindrücke haben Sie gesammelt, und was haben Sie in Erfahrung bringen können, vor allem in Bezug auf den dort betriebenen Menschenhandel? Das Thema „Menschenhandel“ ist natürlich ein sehr prekäres. Da haben viele auch Angst darüber zu reden, weil sie dort von ganzen Banden verfolgt und abgezockt werden. Aber grundsätzlich sind es alles liebe, herzliche und gastfreundliche Menschen, obwohl sie dort in unglaublich kläglichen Verhältnissen leben und selbst gar nichts haben. Und das Allerschlimmste ist, dass ganze Familien auseinandergerissen werden. Die Händler wissen natürlich, dass Kinder nicht strafmündig sind, und demzufolge werden sie an Diebesbanden verkauft, weil die Leute eben so furchtbar arm sind. Können Sie dann überhaupt verstehen, was derzeit in Deutschland zum Thema Flüchtlinge und Asylanten vor sich geht? Ich denke, es fährt keiner freiwillig zum Sterben aufs Meer hinaus, wenn es ihm gut geht. Das sind Menschen in größter Not, und das vergessen wir oft. Was in Deutschland passiert, ist Angst vor dem Fremden. Und die Politiker investieren das Geld lieber in Waffen, statt den Leuten zu helfen. Das finde ich grauenhaft. Natürlich sind die Kapazitäten überall auf der Welt begrenzt, und man kann Menschen nicht einfach ziel- und wahllos aufnehmen. Was ich nur nicht verstehe, ist, dass es etliche Privatleute gibt, die sich gerne kümmern würden, aber da brauchen die Behörden zu lange. Deshalb finde ich grundsätzlich, dass unsere Politik was ändern muss. Schimpfen und stänkern ist einfach und kann jeder. Die Titelheldin Marie Sander hat, wie Sie selbst auch, einen Schlaganfall erlitten. Nachdem Sie sich bereits mit Ihrem biografischen Bestseller „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ mit der Krankheit auseinandergesetzt hatten, rücken Sie diese nun zum zweiten Mal in den Fokus. Wieso? Der Roman beschreibt den Alltag, den man so hat nach einem Schlaganfall. Es kommen ja immer viele Fragen von wegen „Wie wird man damit fertig?“ und „Wie macht man dieses und das?“. Und weil es mich persönlich betrifft, konnte ich eben gut darüber schreiben. Ich habe gemerkt, dass das vielen Leuten hilft und das freut mich auch sehr. Und ich schreibe lieber über mich selbst, als dass es der Paparazzo tut. Sie gelten durch ihre laute und direkte Art als typische Kölsche Frohnatur. Woher haben Sie diese grundpositive Lebenseinstellung, und wie haben Sie sich den Humor trotz allem bewahrt? Der Humor ist bei mir unbedingt genetisch, das liegt bei uns einfach in der Familie. Und ohne Humor wäre ich nicht lebensfähig. Gab es Momente, in denen Sie sich gefragt haben „Warum ich?“ und sich aufgeben wollten, oder hatten Sie von Anfang an diese Kampfhaltung? Nein, das habe ich mich nie gefragt, denn wenn ich es nicht gewesen wäre, wäre es jemand anderes gewesen und das wäre genauso Mist. Und ich denke auch nicht, dass ich eine Kampfhaltung habe, sondern ich versuche einfach mein Leben weiterzuleben, insofern das möglich ist. Nach Ihrem Comeback in die Öffentlichkeit haben Sie natürlich viel Zuspruch bekommen, viele Menschen sehen Sie als Vorbild. Berühmt ihr Satz bei Stern-TV: „Ich habe nichts Besonderes gemacht, ich war nur krank“. Fühlen Sie sich wohl in dieser Vorbild-Rolle oder lehnen Sie das komplett ab? Ich bin kein Vorbild. Ich sage immer, die Leute sollen in den Spiegel gucken, dann haben sie ihr Vorbild. Wenn Sie heute in den Spiegel schauen, was sehen Sie? Och, das ist bei mir, wie bei vielen Anderen auch, von meiner Tagesverfassung abhängig. Umstellungen stecke ich nicht mehr so einfach weg wie früher, aber da muss man sich dementsprechend verhalten und dann geht’s weiter. Ich bin aber auch vom Charakter her niemand, der pausenlos herummosert. Das finde ich ganz schrecklich. Damit geht man nur Anderen auf die Nerven und macht die Situation nicht besser. (kkv) Info Gabi Kösters Lesung „Die Chefin“ findet heute um 20 Uhr, im Edith-Stein-Haus, Steinstraße in Kaiserslautern, statt; Karten gibt’s im Vorverkauf etwa bei der Kaiserslauterer Buchhandlung Thalia und an der Abendkasse.