Ruthweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Vier Jahrzehnte in Betrieb: Kuseler Krankenhaus steht der bislang größte Umbau bevor

Beim Rundgang durchs Westpfalz-Klinikum nutzt ein Patient aus dem Landkreis seine Chance und weist Landrat Otto Rubly und Region
Beim Rundgang durchs Westpfalz-Klinikum nutzt ein Patient aus dem Landkreis seine Chance und weist Landrat Otto Rubly und Regionaldirektor Reiner Beck auf Probleme in den Badezimmern hin.

Für ein mehr als 40 Jahre altes Gebäude ist das Klinikum noch gut in Schuss. Doch was damals gehobener Standard war, ist heute nicht mehr zeitgemäß. Eine Sanierung steht an.

„Das Gebäude ist jetzt in seinem 42. Betriebsjahr“, sagt Thorsten Hemmer, Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, beim Vor-Ort-Termin im Krankenhaus. Für dieses Alter sei das Gebäude in einem sehr gut gepflegten Zustand. Die letzte große Baumaßnahme am Standort – das Westpfalz-Klinikum hat außerdem noch Kliniken in Kaiserslautern, Kirchheimbolanden und Rockenhausen – sei die Intensivstation gewesen, die vor zehn Jahren eingerichtet wurde. Hemmer: „Die ist bis heute auf einem hochmodernen Stand.“

Doch das trifft nicht auf alle Ecken des Krankenhauses zu, wie Hemmer einräumt. Denn in 40 Jahren haben sich sowohl das Konzept das Hauses als auch die Medizin deutlich weiterentwickelt. So gebe es heute wesentlich mehr tagesstationäre Patienten und Operationen und mehr Kurzzeitaufenthalte als früher. Deshalb stehe die erste Generalsanierung des Standorts an. „Wie seit Jahren in Kaiserslautern, werden wir auch in Kusel im Bestand sanieren müssen“, sagt Hemmer, „das ganze Haus für Monate zu schließen, ist unrealistisch.“

1984 top, heute nicht mehr zeitgemäß

Handlungsbedarf besteht laut dem Geschäftsführer unter anderem bei der zu klein dimensionierten Dialyse-Abteilung, für die die frühere Intensivstation reaktiviert wurde. Dass der Operationstrakt seit 42 Jahren tagtäglich in Betrieb ist, sei ebenfalls zu erkennen. „Das wird wohl der größte Brocken“, erläutert Hemmer, „denn für die Operationssäle werden wir um einen Neubau nicht herumkommen.“

Die Nasszellen im Klinikum sind in die Jahre gekommen – und stehen auf der Liste für die Generalsanierung.
Die Nasszellen im Klinikum sind in die Jahre gekommen – und stehen auf der Liste für die Generalsanierung.

Nicht mehr zeitgemäß sind laut Regionaldirektor Reiner Beck die Nasszellen bei den Patientenzimmern. „1984 waren die top, da hatte kaum ein Haus eine Nasszelle für nur vier Patienten.“ Heute sei das anders, weshalb bei der Generalsanierung auch an die Bettenstationen gedacht werde.

Auftakt am Messemontag

Doch bis gebohrt und gebaggert wird, dürfte es noch ein paar Jährchen dauern. Wie der Geschäftsführer ausführt, fand just am Messemontag eine Auftaktveranstaltung im Haus statt. Ein Planungsbüro überprüft anhand von Berechnungen mit Zahlen aus der Vergangenheit und Prognosen für die Zukunft einen Raum- und Funktionsplan für das Krankenhaus Kusel. „Wir wollen wissen, was wir hier am Standort brauchen“, erklärt Hemmer, „also wie viele Patientenzimmer, wie viele Büros und wie viele Untersuchungsräume?“ Ziel sei eine komplette Überplanung des Standorts mit der Maßgabe „was es hier gibt, soll bleiben“.

Blicken ins Grüne: (von links) Geschäftsführer Thorsten Hemmer, Landrat Otto Rubly und Regionaldirektor Reiner Beck.
Blicken ins Grüne: (von links) Geschäftsführer Thorsten Hemmer, Landrat Otto Rubly und Regionaldirektor Reiner Beck.

Hemmer wie auch Landrat Otto Rubly würden sich außerdem noch eine Geriatrie für den Standort Kusel wünschen. Also eine Abteilung in der Inneren Medizin, die sich speziell mit Erkrankungen von älteren und alten Menschen beschäftigt. Was das künftige Leistungsangebot angeht, hat laut Rubly das Land Rheinland-Pfalz ein Wörtchen mitzusprechen. „Wir müssen die Leistungsgruppen mit dem Land absprechen und darstellen, was wir als Westpfalz-Klinikum an welchen Standorten anbieten.“ Er gehe nicht davon aus, dass etwas wegfalle.

Zehn Abteilungen unter einem Dach

Ein großer Pluspunkt in Gesprächen zum Standort Kusel sei, dass das Haus mit gut 240 Betten so „breit und tief aufgestellt“ ist. Die zehn Kliniken und Abteilungen decken eine große Bandbreite ab – von der Notfallversorgung bis zum hochspezialisierten Dialysezentrum für Frührehabilitationspatienten. Diese Kombination mache das Krankenhaus in der ländlichen Umgebung für junge Mediziner interessant, verrät Hemmer: „Die Fachabteilungen geben mir als Arzt Sicherheit, weil ich auf kurzem Dienstweg einen Kollegen befragen kann.“ Dennoch, räumen Hemmer und Beck ein, sei es nicht immer einfach, Personal für den Standort Kusel zu gewinnen.

Der neue Operationstrakt könnte auf die Verwaltung gebaut werden. Noch ist das allerdings nur ein Gedankenspiel.
Der neue Operationstrakt könnte auf die Verwaltung gebaut werden. Noch ist das allerdings nur ein Gedankenspiel.

Wie das überplante Kuseler Krankenhaus einmal aussehen wird? Dafür sei es momentan noch zu früh. Hemmer: „Die Raum- und Funktionsplaner berechnen den Bedarf mathematisch, noch ist kein Architekt beteiligt.“ Die kommen erst im nächsten Schritt dazu. „Aber natürlich machen wir uns schon erste Gedanken, wo zum Beispiel die neuen Operationssäle gebaut werden“, verrät Beck. Ein Gedankenspiel sei die Aufstockung des Verwaltungstrakts.

Rubly: „Was wir hier machen, ist keine Traumtänzerei“

Bis wann soll der Umbau fertig sein? „Wir wollen nicht auf den St.-Nimmerleins-Tag warten“, sagt Rubly. Wohlwissend, dass für die Generalsanierung Zuschüsse vom Land gebraucht werden. Mit dem Gesundheitsministerium stehe man in engem Austausch. Rubly: „Was wir hier machen, ist keine Traumtänzerei, das hat Hand und Fuß.“ Wenn die Planung steht, müsse über die Finanzierung und Fördermittel geredet werden. „Wenn die Gespräche so laufen wie in Kirchheimbolanden, ist das ein guter Weg“, sagt Rubly. Er sei sicher, dass sein Nachfolger, Johannes Huber, die Gespräche eng und im Sinne der Bevölkerung im Landkreis Kusel begleiten werde.

Im Bettenhaus stehen verschiedene Arbeiten an. Denkbar sei auch, dass eine Photovoltaikanlage aufs Dach kommt.
Im Bettenhaus stehen verschiedene Arbeiten an. Denkbar sei auch, dass eine Photovoltaikanlage aufs Dach kommt.

Bis im neuen Operationssaal Mandeln entfernt oder ein Hüftgelenk ersetzt werden und Patienten im Zimmer duschen können, wird es allerdings noch Jahre dauern. Hemmer: „Wir werden hier nicht in fünf Jahren fertig sein.“

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