Lauterecken
VGL-Schulleiter Weber vor Wechsel in die Großstadt: „Ich hab’s immer total genossen hier“
Herr Weber, im Dezember 2015 sind Sie als Schulleiter ans Veldenz-Gymnasium Lauterecken (VGL) gekommen, was hatten Sie damals für einen Bezug zur Schule und der Region?
Als Ur-Lautrer hab’ ich Lauterecken nur von den Straßenschildern gekannt. (lacht) Nein, ich kenne die Region auch, weil wir Freunde hier haben. Es war also damals keine schwere Entscheidung für mich.
Obwohl Sie vorher in Otterberg an einer deutlich größeren Schule Schulleiter waren?
Ich bin zwar ein Gesamtschulkind, sowohl was meinen schulischen als auch meinen beruflichen Werdegang angeht, aber der Wechsel wieder auf ein Gymnasium hat mich gereizt. Das war ein ganz bewusster Schritt.
Der Sie 2015 kurz vor Weihnachten nach Lauterecken geführt hat.
Ja, ich bin am Tag vor den Weihnachtsferien dem Kollegium vorgestellt worden. Ich wurde mitten im Schuljahr ins kalte Wasser geworfen. Ich kannte hier niemanden, das Büro war leer. Aber in Schulen sind die grundlegenden Abläufe ähnlich und so wusste ich in etwa, was mich erwartet. Die Schule war neu, die Arbeit nicht. Und das Schulleitungsteam war damals schon sehr gut, hat mir meinen Einstieg leicht gemacht.
Nach fast zehn Jahren hat sich doch sicher alles eingespielt, man kennt sich. Lässt man das leicht zurück?
(energisch) Nein! Ich hab’s immer total genossen hier – und genieße es noch. Ich liebe diese Schule. Das Miteinander hier – ob mit Lehrern, Schülern und Eltern oder mit der Verwaltung – hat hervorragend funktioniert. Gemeinsam haben wir einiges auf den Weg gebracht.
Zum Beispiel?
Die Entwicklung eines Schulprogramms. Angefangen vom neuen Logo für die Schule bis zum formulierten Selbstverständnis der Schulgemeinschaft. Ich fand es wichtig, für uns zu klären, wieso das VGL gut ist, was die Schule ausmacht. Das hat gut zwei Jahre gedauert, aber am Ende war klar: Das sind wir.
Clever, digital, familiär – welche Schule würde das nicht von sich behaupten?
Ich würde sagen, dass das nicht zu allen Schulen passt. Aber genau zu uns. In dem Leitbild haben wir formuliert, was wir sind – nicht was wir sein wollen. „Clever“ steht für die hellen Köpfe, die wir hier ausbilden und beschäftigen. „Digital“ dafür, wie wir arbeiten und auf welche Arbeitswelt wir die Schüler vorbereiten. „Familiär“, na das können wir am kleinen VGL auf jeden Fall für uns beanspruchen. (lacht)
Zumindest, was das Familiäre angeht, dürfte es an Ihrer neuen Schule anders werden.
Möglicherweise. Das Rittersberg-Gymnasium in Kaiserslautern ist deutlich größer, hat gut 80 Lehrerinnen und Lehrer, hier sind es circa 35. Das ist eine andere Schule mit anderen Schwerpunkten. Ich bin gespannt zu sehen, wie anders es ist.
In der Großstadt Kaiserslautern könnte der Ton rauer sein als bei uns auf dem Land ...
In Kaiserslautern ist das schulische Umfeld anders geprägt als in einer eher ländlichen Region wie Lauterecken. Ich freue mich darauf, neue Eindrücke zu gewinnen und in ein vielfältigeres, städtisch geprägtes Schulleben einzutauchen. Jede Schule hat ihre eigene Kultur, ihre eigenen Stärken und Herausforderungen. Am Veldenz-Gymnasium habe ich die Zusammenarbeit mit Schülern sowie Eltern stets als sehr angenehm erlebt – mit viel gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Ich bin zuversichtlich, dass sich auch am Rittersberg ein gutes Miteinander entwickelt.
Dafür muss am VGL um jeden neuen Schüler gekämpft werden.
(lacht) Na ja, gekämpft. Aber wir werben, wie alle Schulen in der Region, um Schüler. Das ist nichts Unanständiges. Wir stellen die Vorteile der Schule heraus, vergleichen aber nicht. Gut finde ich, dass es in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein einen runden Tisch mit allen Schulen gibt, um daran zu arbeiten, dass die Schüler hierbleiben.
Und die Lehrer? Finden sich immer Leute, die nach Lauterecken wollen?
Als ich kam, war die Fluktuation höher. Mittlerweile kommen etliche Kollegen von hier oder haben sich hier niedergelassen. Aber ja, wer Lauterecken nicht kennt und auf der Karte schaut, sagt erst mal „Oh“. Kusel liegt näher an der Autobahn, das macht’s dort einfacher. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute wohlfühlen, wenn man sie mal hier hat.
Mit 59 Jahren noch mal vorn vorne beginnen? Andere würden sich in dem Alter eher entspannt zurücklehnen und den Ruhestand abwarten ...
So ein Typ bin ich nicht. Ich kann nicht einfach die Füße hochlegen. Ich will gestalten. Mich reizt das Größere und mich reizt, Teil der Stadtgesellschaft zu werden, in der ich schon immer zu Hause bin. Am Rittersberg wird es wieder ein Neuanfang, wie damals in Lauterecken. Bis auf zwei, drei Kollegen kenne ich dort niemanden.
Sind die Kollegen in Lauterecken erleichtert oder traurig?
(lacht) Das müssen Sie sie fragen. Ich sehe mich als Schulleiter als ein Rad im System. Wenn das ausfällt oder geht, kommt ein anderes. Und ich finde, dass Leitung auch vom Delegieren lebt, von Wertschätzung und Vertrauen. Der Schulleiter muss nicht alles entscheiden. Das können die Kolleginnen und Kollegen auch.
Sie wechseln von einer Schule im klammen Kreis Kusel an eine Schule im klammen Kaiserslautern. Wie schafft man es als Schulleiter, die Politik von Investitionen zu überzeugen?
Man muss genügsam und mit wenig zufrieden sein (lacht). Im Ernst: Der Stellenwert von Schulen wird von allen anerkannt. Wenn nicht, hilft es manchmal, zu fragen: „Was wünscht ihr euch für eure eigenen Kinder? Was sollen sie lernen und in welchem Umfeld soll das geschehen? Was sollen sie erleben?“ Schüler sollen Lust zum Lernen haben – und das geht nur in einer lernförderlichen Atmosphäre. Schulen brauchen eine zeitgemäße Ausstattung.
Auch, um Dinge wie Künstliche Intelligenz (KI) überhaupt im Unterricht aufgreifen zu können?
Richtig. KI ist ein Gamechanger, da können wir nicht einfach die Augen verschließen. Das wird die Schüler ihr ganzes Leben lang begleiten. Im Unterricht braucht es dafür die entsprechende Ausstattung. Sowohl technisch wie auch personell. Da hinken unsere Schulen oft noch hinterher.
Fehlt’s an Lehrern?
Was bei uns vor allem fehlt, ist eine kluge Aufgabenteilung. In Finnland – wir waren dort an einer Schule zu Gast – arbeiten multiprofessionelle Teams zusammen: Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen, Berufsberater und andere Fachkräfte. Das entlastet die Lehrkräfte spürbar und schafft ihnen den Freiraum, sich auf ihren eigentlichen Bildungsauftrag zu konzentrieren. Wir Lehrkräfte möchten unsere Aufgaben verantwortungsvoll und professionell erfüllen – aber die Anforderungen und Zusatzaufgaben nehmen stetig zu. Die Ergebnisse von Pisa und Co. liegen nicht daran, dass es den Lehrern an Kompetenz fehlt, sondern an den Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten müssen.
Ihrem Nachfolger – oder der Nachfolgerin – wird es also nicht langweilig ... apropos: Wer übernimmt die Schulleitung?
(lacht) Das müssen Sie die ADD in Trier fragen. Es soll jedenfalls nahtlos weitergehen. Aber ja, langweilig wird’s sicher nicht.
Wen werden Sie besonders vermissen?
Herrn Bernhard, unseren Schulsekretär, ohne die Leistung der anderen Kolleginnen und Kollegen schmälern zu wollen. Er ist der beste Sekretär, den man haben kann. Für die Schüler – und natürlich auch für die Lehrer und die Schulleitung – macht er alles. Er lebt für die Schule und das ist so unglaublich wichtig.
Zur Person
Stefan Weber, 59 Jahre, leitet seit Dezember 2015 das Veldenz-Gymnasium in Lauterecken. Zuvor war er Schulleiter an der IGS Bettina von Arnim in Otterberg und Stellvertretender Schulleiter am Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium Dahn. Weber unterrichtet Mathematik und Physik. In seiner Freizeit spielt der Vater eines Sohnes gerne Klavier und betätigt sich sportlich.