Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Verständnisvoll, aber besorgt – die Stimmen der Gastwirte zum erneuten Lockdown

Oliver Allmang darf im November keine Gäste an den Tisch in seinem Restaurant in Horschbach begleiten.
Oliver Allmang darf im November keine Gäste an den Tisch in seinem Restaurant in Horschbach begleiten.

Die Gastronomen im Landkreis reagieren erstaunlich besonnen auf die Nachricht, dass sie aufgrund steigender Infektionszahlen ihre Betriebe ab Montag wieder schließen müssen.

„Dass Maßnahmen getroffen werden müssen, leuchtet mir ein. Ich frage mich aber, warum wir Gastronomen nun wieder schließen müssen, während die größere Gefahr eher von Feiern im privaten Raum ausgeht“, sagt Katja Walter, deren Familie das Hotel und Restaurant Reckweilerhof in Wolfstein betreibt.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Jürgen Dornberger, Betreiber des Gasthauses Schleppi in Schönenberg-Kübelberg: „Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband machen die Infektionen, die sich auf die Gastronomie zurückführen lassen, nur fünf Prozent aus. Wir haben viel Zeit und Geld investiert, um gute Hygienekonzepte zu entwickeln und müssen jetzt trotzdem wieder schließen. Das ist, gelinde gesagt, sehr schade.“ Er habe sich gewünscht, dass die Politik sagt, „wenn ihr feiern wollt, dann macht das nicht auf engem Raum zu Hause, sondern geht zu den Gastronomen, die professionelle Konzepte haben – dort seid ihr besser geschützt“.

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An Weihnachten und Silvester ausgebucht

Auch Peter Emrich, Betreiber der Restaurants auf Burg Lichtenberg, zeigt sich erstaunlich besonnen: „Klar ist es für uns sehr ärgerlich, aber die Hauptsache ist doch, dass wir die Lage irgendwann endlich in den Griff bekommen.“ Emrich wird sein Restaurant zum Jahresende ohnehin schließen, weil er kürzrer treten will, hofft aber, dass er im Dezember nochmal öffnen darf. „Wir haben den Gästen schließlich versprochen, ihnen an Weihnachten und Silvester noch einmal etwas Leckeres zu kochen – für die Tage sind wir komplett ausgebucht“, berichtet Emrich.

Oliver Allmang, Inhaber des Restaurants „Zum alten Keiler“ in Horschbach, zeigt sich ebenfalls verständnisvoll – auch wenn er es sich anders gewünscht hätte: „Dass man größere Veranstaltungen verbietet, sehe ich ein. Bei einer Feier mit 50 Personen lassen sich die Regeln nur schwer einhalten. Aber für Leute, die mit zwei oder vier Personen Essen gehen wollen, haben die Konzepte einwandfrei funktioniert.“

Hygiene-Konzpte funktionieren

Alle befragten Gastronomen gaben gegenüber der RHEINPFALZ an, dass es seit der Einführung der Corona-Beschränkungen keine einzige Anfrage bezüglich einer Infektionsnachverfolgung gegeben habe. Das zeige doch, dass ihre Hygiene-Konzepte funktionierten.

Jürgen Dornberger ist vom neuerlichen Lockdown doppelt betroffen. Nicht nur sein Restaurant muss ab Montag geschlossen bleiben, auch die Konzerte im weithin bekannten „Schleppis Saalong“ müssen ausfallen, auch das für Samstag geplante Konzert mit Roland Helm.

Glücksfall Biergarten

Ein Glücksfall für Dornberger ist der große Biergarten, der ihm in den Sommermonaten recht gute Einnahmen ermöglichte: „Seit sich das Geschäft nun seit Ende September aber wieder auf den Innenbereich beschränkt, verzeichnen wir Umsatzeinbußen von 50 Prozent.“

Sein Kollege Allmang kann sich durch die Belieferung von Schulen über Wasser halten. „Sollte das auch noch ausfallen, sieht es aber düster aus“, sagt Allmang. Damit ihn keine Infektion in seiner Belegschaft dazu zwingt, auch dieses Geschäft auf Eis zu legen, habe er zwei Teams gebildet, die getrennt voneinander arbeiten.

70.000 Euro verloren

Was die angekündigten Hilfen vom Staat betrifft, ist Dornberger skeptisch. „Es wurde zwar gesagt, dass Gastronomen bis zu 75 Prozent des Umsatzes bekommen sollen, den sie im November des Vorjahres geniert haben – das klingt zwar super, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ich diesen Anteil tatsächlich bekomme.“

Allmang, der nach eigenen Angaben coronabedingt in diesem Jahr rund 70.000 Euro verloren hat, ist hingegen bislang sehr zufrieden mit den Hilfen. Er sei froh, dass die Regierung da so schnell helfe. Denn Allmang weiß, dass es auch anders aussehen könnte. „Ich habe mit Kollegen in Frankreich telefoniert. Dort ist die Situation weitaus schlimmer als hier – da kann man nur froh sein, dass unsere Regierung handelt.“

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