Lauterecken Veldenz-Gymnasium: Projekt erinnert an Weimarer Republik
Christopher Dowe vom „Haus der Geschichte“ in Stuttgart referierte dazu an der Schule für das Projekt „100 Köpfe der Demokratie“.
Matthias Erzberger fiel 1921 einem antisemitischen und rechtsradikalen Attentat zum Opfer. Dowe erläuterte den neugierigen Schülern, warum Erzberger noch heute als demokratisches Vorbild angesehen werden kann. So forderte er Kontrollrechte des Parlamentes gegenüber Kaiser und Regierung – zur damaligen Zeit des Obrigkeitsstaates unerhört. Als Erzberger die Aussichtslosigkeit des Ersten Weltkrieges erkannte, war er der führende Kopf, der entgegen der weit verbreiteten unkritischen Kriegsbegeisterung vieler Deutscher einen Verständigungsfrieden einforderte. Dafür wurde er von republikfeindlichen Kräften als „Vaterlandsverräter“ angesehen und öffentlich diffamiert. Als Erzberger danach als Finanzminister durch eine umsichtige Politik Deutschland zu einem Wohlfahrtsstaat umbauen wollte, missfiel auch dies vielen antidemokratischen Gruppierungen. Verbale Hetze in den Medien und Attentatsversuche waren die Folge, die schließlich in die Ermordung Erzbergers mündeten.
Bezüge zum Mord an Walter Lübcke
Besonders die aktuellen Bezüge zur gegenwärtigen Situation sorgten für angeregte Diskussionen zwischen den Jugendlichen und dem Referenten. „Was politische Hetze letztlich bewirken kann, wird einem sehr deutlich gemacht,“ so ein Schüler nach der Veranstaltung. Auch die Parallelen zu dem Attentat rechtsradikaler Kreise auf den Politiker Walter Lübcke zeige, so eine andere Schülerin, dass viele nichts aus der Geschichte gelernt hätten.