Kreis Kusel „Unser bestes Publikum“

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Ob Trommel, E-Gitarre, Piano, Gesang oder Bass: Am Donnerstagabend bewies die Band „Carpe Diem – Unerhört & Freunde“ mit ihrem bereits zweiten Auftritt in der Fritz-Wunderlich-Halle, wie Menschen mit zum Teil sehr schweren Schicksalsschlägen Harmonie, Humor und Fröhlichkeit zum Ausdruck bringen können. Bandleader Achim Pauli bedankte sich für einen tollen und emotionalen Abend.

„Aufgegeben habe ich mich nie“, sagte Trommlerin Ilona Schmitt dem Publikum, als der Song „Die Tage werden anders sein“ ihre persönliche Lebensgeschichte erzählte. Auf der Bühne verschwammen am Donnerstag die Grenzen zwischen eingeschränkt und nicht eingeschränkt, als die ungewöhnliche Formation das Kuseler Publikum mitnahm auf eine nicht nur musikalische Reise. „Wir wollen kein Mitleid unter den Zuschauern erregen, weil sich hier Menschen mit Behinderungen öffentlich präsentieren. Das ist nicht unser Ziel“, erläuterte Achim Pauli, Sänger und Frontmann, das Konzept des Bandprojekts. „Wir bieten Menschen eine Plattform, um nach ihren Möglichkeiten, nach ihrer Art und ihren Talenten aktiv zu sein. Und wir möchten den Zuschauern zeigen, dass wir Freude und Spaß haben an dem, was wir tun. Dafür sind Humor und Witz unerlässlich.“ Initiator der Veranstaltung war erneut Michael Volle, Psychatrie-Koordinator bei der Kreisverwaltung Kusel. Der Landkreis ist gemeinsam mit Kaiserslautern und dem Donnersbergkreis Mitglied im „Bündnis gegen Depression – Region Westpfalz“. „Das Bündnis organisiert auch andere Veranstaltungen, um das Thema Depression in die Öffentlichkeit zu tragen“, erklärte Volle. „Meist sind das fachliche Vorträge durch Experten. Gemeinsam mit ,Carpe Diem’ können wir dieses ernste Thema mal auf ganz andere Art und Weise präsentieren.“ Die ersten Töne des Abends gehörten dem 16-jährigen Ali Hasan aus Pfeffelbach. Der Syrer erhielt großen Applaus für seine Fingerfertigkeit an der Saz, einem türkischen Zupfinstrument. „Den jungen talentierten Künstler haben wir heute Mittag noch ganz kurzfristig als Gast für unser Konzert gewinnen können“, freute sich Volle. Nach Ali Hasans orientalisch anmutender Eröffnung kam „Carpe diem“ zum Zug: Zwischen Liedern mit Texten aus dem Leben, darunter Eigenkompositionen, die unter anderem die sehr unterschiedlichen Schicksale einzelner Bandmitglieder beschrieben, wurden auch Cover-Versionen unterschiedlicher Rock- und Popsongs eingeflochten. Mit dabei waren Andreas Bouranis „Auf anderen Wegen“oder Ben E. Kings „Stand by me“. Unterstützung erhielt die Musikgruppe dazu auch von sportlicher Prominenz: Neben Isabel Fuchs (Gesang) und Manuel Lothschütz (Gesang und Piano) gab sich Ex-FCK-Profi Axel Roos die Ehre, spielte auf dem Piano oder verzauberte die Zuhörer mit den Klängen seiner armenischen Flöte, der sogenannten Duduk. Und während Steffi Frei auch in diesem Jahr wieder ein Medley auf ihrem E-Piano spielte, wurden die metallenen Klangstäbe der Chimes per Hand oder Fuß von Thomas Fischer und Oliver Kaiser bedient. „Wenn ein Lied die Vergangenheit eines unserer Mitglieder erzählt, entsteht das natürlich ganz nach seinen oder ihren Wünschen. Alles wird vorher genauestens durchgesprochen“, sagte Pauli, dessen Band nun schon seit 22 Jahren auftritt. „Wir kommen ja aus der Reha Westpfalz in Landstuhl. Aber uns war schnell klar, dass wir nicht nur innerhalb der Einrichtung spielen möchten – wir wollten an die Öffentlichkeit.“ Gegen Ende des Konzerts wurde der Patriotismus der Zuschauer geweckt, als die Gruppe ihr Lied „Hallo Landstuhl“ auf die Stadt Kusel umdichtete. Pauli: „Wir freuen uns, wieder hier in Kusel zu sein. Man spürt wie bei keinem anderen Publikum, wie sehr die Menschen mitgehen. Diese Intensität beschert uns als Band einzigartige Momente auf der Bühne.“

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