Wolfstein
Tourismus soll strukturiert angegangen werden
Das betonte Bürgermeister Andreas Müller in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Fremdenverkehrsausschusses. Dort stellte die Sachgebietsgruppe um Leiter Christian Sauer ihre Ideen vor – Tourismus verknüpft mit Wirtschaft sowie Projektmanagement und Marketing, wie es der Gruppen-Name schon sagt.
Vieles laufe bereits gut, etwa die Weinproben, E-Bike-Touren oder Wanderungen, die nicht nur von Einheimischen angenommen werden, sagte Sauer, der auf enge Zusammenarbeit mit den Gemeinde setzen will. Vanessa Tröster, die mit Kathrin Bürthel den touristischen Bereich abdeckt, präsentierte Zahlen: Rund 40.000 Übernachtungen wurden alleine in der Wolfsteiner Jugendherberge und auf dem Campingplatz in 2019 registriert, „ein enormes Potenzial“. Rund 3400 Draisinenabgaben in Lauterecken und 2200 Durchfahrten bei durchschnittlich 3,5 Personen pro Draisine bedeuteten rund 20.000 Besucher Lautereckens, die man zum Wiederkommen animieren könne. Rund 120 Wanderkilometer auf drei Prädikatswegen sind in der VG vorhanden und mit Wegen der Gemeinden seien es über 600 Kilometer.
Marketing auch für Bürger
Nur durch die angestrebte Qualitätssteigerung der gesamten Region, seien ein Wiederkommen von Touristen und positives Feedback zu erreichen, hält Tröster fest. Ein Tourismuskonzept mit rotem Faden müsse her, Potenziale müssten ausgeschöpft werden. Dazu müssen Wanderwege gepflegt sein, Übernachtungsmöglichkeiten klassifiziert werden sowie Sehenswürdigkeiten und gastronomische Angebote online verzeichnet sein. Ein verstärktes Binnenmarketing soll das „Wir-Gefühl“ fördern und Bürgern zeigen, wie toll es sei, hier zu leben.
Seit März gebe es einen Fahrplan für den Facebook-Account der VG Lauterecken-Wolfstein, die Abonnentenzahl steige stetig. Über das soziale Medium könnten Menschen auf die Homepage geleitet werden, Touristisches beworben werden. Außerdem sei die schnelle Streuung von Informationen möglich.
Wissenschaftlich begleitet
Obwohl wegen Corona vieles abgesagt werden musste, sei einiges hinter den Kulissen passiert, vieles geplant worden, schilderte Tröster. Hüttenwanderungen seien in Planung, eine Imagebroschüre werde entwickelt. Müller betonte, hinter dem Projekt stecke Systematik und es solle keine Konkurrenz für den Landkreis oder andere Verbandsgemeinden sein. Vielmehr sollten Synergieeffekte entstehen, auch über die Kreisgrenzen hinaus. Das Team sei motiviert und wenn die Orte mitmachen, sei die Region „auf dem richtigen Weg in die richtige Richtung“.
Wissenschaftlich begleitet wird das touristische Vorhaben der Verbandsgemeinde von der Hochschule Worms und Melina Früauff, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit eine Bestandsaufnahme zur Vorbereitung eines Tourismuskonzeptes erarbeitet.
Anregungen parat
Die Ausschussmitglieder lobten den roten Faden und das klar strukturierte Vorgehen und hatten direkt Anregungen parat: Guido Hablitz (SPD), Ortsbürgermeister von Glanbrücken, wünscht eine einheitliche Beschilderung und Informationen zu signifikanten Punkten, um auch spontane Touristen anzusprechen. Helga Grüne (SPD) aus Nußbach schlug eine Art Laufzettel vor, der zusammenfasse und strukturierte darstelle, was alles bei Veranstaltungen zu beachten sei. Auch wünscht sie sich bessere Informationen zu Geschäften und Gastronomien und deren Öffnungszeiten.
Oliver Jakob FDP-Ratsmitglied und Inhaber des Pfälzer Hofs, wünscht sich dringend Kollegen in der Gastronomie. Es sei wichtig, die Region zu beleben, betonte er. Jedoch befürchtet er, es könnten mehr Leute kommen, als das noch vorhandene gastronomische Angebot bedienen kann. Ein konkreter Vorschlag: In jedem Ort könnte ein kleines Selbstversorgerhäuschen mit einem Kühlschrank eingerichtet werden, wo Wanderer zumindest eine Flasche Wasser oder ähnliches vorfinden könnten.
Corona als Chance
Im Gastronomie- und Übernachtungsbereich sei wahrlich Luft nach oben, gestand auch Sauer zu. Positives dazu konnte allerdings Phillip Gruber (FWG), Bürgermeister von St. Julian, berichten: Bereits 600 Übernachtungen sind dieses Jahr auf dem Wohnmobilstellplatz im Ort gebucht worden – gegenüber 260 in 2019. Corona müsse ob des sich hin zur Natur wandelnden Interesses als Chance für den Tourismus gesehen werde, betont er. Potenzial sei da, aber viel Invest werde benötigt, um es zu bergen.
Markus Christian (SPD), Ortsbürgermeister von Grumbach, ist positiv gestimmt, was die Zukunft für den Tourismus angeht, und erklärte: „Wir müssen uns vor anderen nicht verstecken, denn wir sind was und müssen das nur darstellen.“ Matthias Wappner (CDU) schlug vor, nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Vereine einzubinden.