Tartu / St Julian RHEINPFALZ Plus Artikel Tiermedizin-Studium in Estland: Elche bisher nur gesehen, nicht behandelt

Die 25-jährige Cristin Allmang weiß genau, was sie will: eine wissenschaftliche Karriere in Pathologie.
Die 25-jährige Cristin Allmang weiß genau, was sie will: eine wissenschaftliche Karriere in Pathologie.

Einen außergewöhnlichen Studienort hat sich Cristin Allmang aus St. Julian ausgesucht. Die 25-Jährige studiert Tiermedizin in Estland. In dem englischsprachigen Studiengang war sie die erste deutsche Studentin an der Universität in Tartu.

Nach einem längeren Deutschland-Aufenthalt – auch bedingt durch die Corona-Krise – ist Allmang im August erst nach Tartu zurückgekehrt. In den Sommermonaten arbeitete sie mit in der Tierarzt-Praxis Schwinn in Altenglan. Dort hatte sie schon vor und nach dem Abitur erste Praxis-Erfahrungen sammeln können. Sie assistierte bei Untersuchungen, bereitete Operationen mit vor, „und teilweise durfte ich auch dabei zuschauen“, berichtet die angehende Veterinärin.

Ihr Berufswunsch sei schon früh klar gewesen, erzählt Cristin Allmang. Zunächst besuchte sie das Gymnasium in Lauterecken, wechselte dann aber auf das Hohenstaufen-Gymnasium nach Kaiserslautern, um die gewünschte Fächerkombination aus Chemie, Biologie und Englisch wählen zu können. „Chemie wurde dort auf Uni-Niveau unterrichtet“, verrät sie.

Uni-Start in Litauen

„Ich wolle nie etwas anderes machen, als Tieren zu helfen“, sagt sie. Erfahrung habe sie auch schon früh sammeln können. Zu Hause hatte sie mehrere Hasen, außerdem besitzt sie ein Pferd. In Estland sehe sie mitunter auch Elche – aber behandelt habe sie noch keinen.

Begonnen hat sie ihr Studium in Litauen. „Doch dort hat mir die Uni aber nicht so zugesagt“, berichtet Allmang, die sich ein höheres Niveau erhofft hatte. Nachdem sie die Lerninhalte mit denen in Deutschland verglichen hatte, war klar, dass sie nach Estland wechseln wird. „Ich wollte von Anfang an auf Englisch studieren“, schildert Allmang, die sich offen halten will, später auch im Ausland zu arbeiten.

Estnisch und Finnisch

Die meisten Studenten des Studiengangs in Estlands zweitgrößter Stadt stammen laut Allmang aus Finnland: „Rund 95 Prozent.“ Die Esten studierten Tiermedizin auf Estnisch. Außer ihr gebe es noch ein, zwei weitere deutsche Studenten in dem Studiengang. Ein Sprachkurs zu Beginn des Studiums habe „das Nötigste“ vermittelt. „Finnisch spreche ich etwas besser“, berichtet Allmang, die aktuell im achten Semester ist. In zwei Jahren steht der Master als Abschluss bevor, anschließend möchte sie ihren Doktor in Pathologie ablegen. „Ich würde gerne nach Großbritannien gehen, aber wegen des Brexit ist das noch unklar.“

Das Studium in Tartu unterscheide sich von dem in Deutschland vor allem in der Anzahl der Studenten. „Hier sind wir 30 Leute, in Deutschland können es schon 200 bis 300 sein“, weiß die Studentin. Außerdem beinhalte das Studium viel mehr Praxis. „Die Uni hat eine eigene Kuhfarm, eine Kleintierpraxis und eine Pferdeklinik“, fügt Allmang hinzu. Zuletzt habe es wegen Corona viele Online-Kurse gegeben, aber auch Praktika, beispielsweise in Forensik. „Das finde ich sehr spannend“, berichtet die 25-Jährige, die später eine wissenschaftliche Karriere in der Pathologie anstrebt. Essenshygiene, gesetzliche Vorgaben sowie Zoo- und Wildtier-Medizin stünden in diesem Semester ebenfalls auf dem Stundenplan.

Zu empfehlen

An das Leben im hohen Norden habe sie sich gut gewöhnt, auch wenn es ab Ende November meist nur zwischen 10 und 14.30 Uhr hell sei. Dafür gebe es umso mehr Licht in den Sommernächten. An der Uni habe sie Freunde gefunden, berichtet Allmang, die etwas außerhalb der Stadt in einer eigenen kleinen Wohnung lebt.

Wegen Corona war sie schon im März nach Deutschland gereist und absolvierte hier Online-Kurse bis Ende Mai. Die Corona-Lage sei im Land inzwischen recht entspannt. „Außer an der Uni herrscht im Moment keine Maskenpflicht. Eigentlich erinnern nur noch die Plexiglasscheiben und die Desinfektionsstationen an Corona“, berichtet sie. Insgesamt kann sie das Studium in dem baltischen Land nur empfehlen. Allmang: „Unsere Professoren sind sehr hilfsbereit und versuchen, das Beste aus ihren Studenten herauszuholen.“

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