Kreis Kusel Team-Duathlet zu Olympia?
DUDWEILER/KUSEL. So richtig realisiert hat es Tobias Blum noch nicht. Der 21-Jährige aus Dudweiler, der gemeinsam mit Sammy Schu zuletzt viermal in Folge den Kuseler Team-Duathlon gewinnen konnte, wurde vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) in den B-Kader Marathon berufen. Sein Traum: die Marathon-Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.
Die Nachricht erreichte den 21-Jährigen Anfang November, zwei Wochen nach dem für ihn enttäuschenden Halbmarathon in Köln, wo er nach 1:06:49 Stunden das Ziel erreichte. Wegen Krankheit habe er zwei Wochen vor dem Wettkampf nicht trainieren können. „Ich hatte auf eine Zeit von 64 Minuten trainiert, aber es war auch erst mein zweiter Halbmarathon“, sagt Blum. Bei seinem Debüt dieses Jahr in Bad Liebenzell wurde er auf Anhieb Deutscher Meister und unterbot in einer Zeit von 1:05:55 Stunden die vom DLV vorgegebene Norm (1:06 Stunden) für den B-Kader Marathon. Nicht schlecht für einen, der erst vor vier Jahren auf längere Distanzen umgestiegen ist. „Eigentlich komme ich aus dem Zehnkampf.“ Zum ersten Mal sei er eine längere Strecke beim Kuseler Team-Duathlon gelaufen. „Dort war ich echt kaputt im Ziel“, ergänzt er lachend. Mit seinem Partner Sammy Schu aus St. Wendel hat er die letzten vier Auflagen deutlich gewinnen können. Die Kaderzugehörigkeit bringe Vorteile, sagt Blum, der in Saarbrücken Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Da geht es zunächst um den Status, den sich Blum durch seine Leistungen als Athlet erarbeitet hat. Weiterhin könne er nun zweimal wöchentlich Physiotherapie in Anspruch nehmen und die Geräte (vor allem Fahrräder) der Saarbrücker Sportschule nutzen. „Für mich ist das jetzt super, aber ehrlich gesagt, sollte der saarländische Verband die Geräte generell talentierten Nachwuchssportlern zur Verfügung stellen.“ Finanzielle Unterstützung gebe es vom Verband nur für Mitglieder des Junior-Elite-Teams. „Diese Norm, 1:05:30 Stunden, habe ich ja aber leider knapp verpasst.“ Seit der Berufung in den Bundeskader hat er das Trainingspensum auf drei Einheiten pro Tag ausgeweitet – pro Woche läuft er rund 150 Kilometer und fährt zusätzlich Fahrrad. Auf der Prioritätenliste stehe aber die Universität ganz oben. „Das geht vor. Natürlich ist es häufig schwierig mit der Trainingssteuerung und vor allem mit der Ernährung“, ergänzt Blum. Aber im nächsten Frühjahr habe er seinen Abschluss in der Tasche und könne sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. „Ich bezeichne mich selbst noch nicht als Top-Läufer, aber mein Potenzial ist bislang sicher auch noch nicht ausgeschöpft“, schildert Blum, der ab 2017 für den LC Rehlingen im Kreis Saarlouis starten wird. Bevor sich Blum aber auf die langen Strecken konzentriert, will er nächstes Jahr zur U23-Europameisterschaft nach Polen, um dort am 10.000-Meter-Rennen auf der Bahn teilzunehmen. Im März fliegt er deshalb unter anderen mit den DLV-Assen Florian Orth und Richard Ringer ins Trainingslager nach Kalifornien. „Das ist natürlich eine große Ehre. Aber ich will die Norm, also 29:38 Minuten unterbieten und dort gut abschneiden“, sagt Blum selbstbewusst. Dass er jetzt zunächst für die Kurzstrecke trainiert, sei mit dem DLV abgestimmt. „Normal trainiert man entsprechend der Kaderzugehörigkeit, aber da ich im kommenden Jahr wohl noch keinen Marathon laufen werde, hat der Verband zugestimmt.“ Zumal eine starke Zeit über zehn Kilometer die Basis für einen guten Halbmarathon ist. Der wiederum ist Grundlage für einen erfolgreichen Marathon. Einen Traum – „mit Zielen bin ich etwas vorsichtig, da in vier Jahren viel passieren kann“ – hat Tobias Blum aber: In vier Jahren, wenn die Olympischen Sommerspiele in Tokio ausgetragen werden, will er für Deutschland den Marathon laufen. „Diesen Traum werde ich jetzt leben und hart auf diesen Lauf hinarbeiten.“ Wettkämpfe in der Region will er trotz der gestiegenen Ansprüche auch weiter bestreiten. „Dort kennt man die Leute, und es sind Trainingseinheiten unter Wettkampfbedingungen.“