Tanzen RHEINPFALZ Plus Artikel Tanzen beim TV Waldmohr oder: Paartherapie mal anders

Hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Tanzlehrerin Corinna Bettinger. Mit ihrem Tanzpartner Michael Brand zeigt sie der Freitagsgrupp
Hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Tanzlehrerin Corinna Bettinger. Mit ihrem Tanzpartner Michael Brand zeigt sie der Freitagsgruppe die Schritte.

Tanzen hält jung und fit, macht Spaß, fordert nicht nur den Körper sondern auch den Geist und hilft Paaren, sich noch mal ganz anders kennenzulernen und aufeinander einzulassen. Diese Theorie stellt Tanzlehrerin Corinna Bettinger auf.

„Beim Tanzen hat der Mann das Sagen“, wirft Corinna Bettinger in den Raum und Horst Bullacher, der Vorsitzende des TV Waldmohr, grinst. Er liebt den Unterricht in der Turnhalle am Jahnplatz, hat durch die Gruppe, zu der auch einige über 80-Jährige gehören, vor langer Zeit wieder angefangen mit dem Tanzen, weil seine Frau ihn einfach angemeldet hat. Und er ist ein wenig stolz, dass der TV Waldmohr der einzige Verein im Kreis Kusel ist, der eine Tanzsportabteilung hat, wie er sagt. Seit über 25 Jahren treffen sich die Paare mittlerweile. An die Anfangsjahre kann sich nicht einmal Corinna Bettinger erinnern. Sie kam fünf Jahre später dazu. Aber der Vorsitzende kann die Geschichte erzählen. „Damals haben Vereinsmitglieder, die in Ramstein getanzt haben, gefragt, ob sie das nicht auch in Waldmohr könnten“, erzählt er, wie die Idee, Tanzsport beim TV anzubieten, entstand. Die Halle in der Jahnstraße sei fürs Tanzen ideal, schwärmt Bettinger, „vom Boden her, von der Größe, von der Akustik, von den Bedingungen.“ Es bildete sich bald eine große Gruppe, die Spaß am Tanzen hatte. Viele waren so begeistert, dass sie auch heute noch dabei sind. „Zwei Paare sind das 26. Jahr dabei, die anderen auch deutlich über 20 Jahre“, zählt die Tanzlehrerin auf.

Von Discofox bis Rumba

Jeden Freitag trifft sich die Gruppe in der Turnhalle, freut sich aufs Wiedersehen, aufs gemeinsame Üben und aufs gesellige Beisammensein hinterher. Dass einer mal wegen körperlicher Wehwehchen ausfällt, ist eher die Ausnahme. „Tanzen hält fit, körperlich und auch mental. Das sieht man hier“, sagt Bettinger, verweist darauf, dass die ältesten Teilnehmer inzwischen über 80 sind und fügt an, dass es Studien gebe, dass Tanzen sogar gegen Alzheimer helfe.

Ihre Tänzer, im Schnitt sechs bis sieben Paare im Alter von Mitte 50 bis über 80, sind topfit und lernbegierig. Und sie freuen sich über jeden neuen Schritt, jede Figur, jede neue Bewegung. Standard, Latein, Discofox und die klassischen Paartänze, zwölf verschiedene Arten stehen auf dem Programm. Cha-Cha-Cha, Rumba, langsamer Walzer und Slowfox, „jeder hat so seinen Lieblingstanz“, weiß Bettinger, die versucht, Abwechslung ins Programm zu bringen und aus einer langen Playlist immer das passende Musikstück parat hat.

Die drei K

Zum Start erklärt die ehemalige Turniertänzerin, die sich dazu entschieden hat, ihren Traum zu leben und sich als Tanzlehrerin selbstständig zu machen, jedes Mal die Grundschritte. Ihr ist wichtig, dass ihre Tänzer das richtige Körpergefühl bekommen. „Zum Tanzen braucht es die drei K, Konzentration, Kondition und Koordination“, sagt sie. „Führen und Folgen“ ist für sie dabei ein zentrales Thema, das so manchen auch an Grenzen bringen kann. „Wenn man das nicht kann, gibt es Stress.“ Die selbstständige Tanzlehrerin versucht ihren Schülern zu vermitteln, was es bedeutet zu führen und zu folgen, „und dass beides nicht einfach ist“. Wenn sie erzählt, wie die Verständigung auf der Tanzfläche funktioniert und wie sich Frau und Mann darauf einlassen müssen, klingt es, als wäre die gemeinsame Freizeitbeschäftigung eine Art Paartherapie. Über Körperspannung und nonverbale Kommunikation lernen die Partner, sich gegenseitig zu signalisieren, was sie voneinander möchten. „Dadurch kommt man in eine Einheit. Wenn man das versteht, ist 1 plus 1 gleich 1“, sagt Bettinger.

Konstruktiv kommunizieren

Sie und auch der Vorsitzende, der eifrig mittanzt, lieben den Sport, den Paare gemeinsam machen können. Streitpunkte gebe es selten. Im Gegenteil. „Wenn ein Paar miteinander tanzen kann, ist die Ehe kein Thema“, wirbt sie für diese Art der Paartherapie. Die auch helfen könne, die Kommunikation miteinander wieder herzustellen. Schließlich seien die Partner gefordert, auf konstruktiver Ebene miteinander zu kommunizieren. „Man lernt sich besser kennen, auf einer ganz tiefen Ebene, lernt, sich zu vertrauen beim Führen und Folgen.“

Horst Bullacher mag neben der Tatsache, dass er durchs Tanzen topfit geblieben ist und neben dem geselligen Miteinander in der Tanzrunde besonders eins: Im Turnsaal des TV Waldmohr hat er das Sagen. Er lächelt verschmitzt und fügt dann mit einem Augenzwinkern an: „Daheim ist es umgekehrt.“

Zur Sache Tanzen beim TV Waldmohr

Jeden Freitag von 20 bis 22 Uhr trifft sich die Tanzgruppe des TV Waldmohr in der Sporthalle am Jahnplatz. Zum Warmmachen wird ein bis zwei Lieder lang getanzt, alternativ gibt es ein Warm-up. Dann wird das in der vorherigen Stunde Gelernte wiederholt. Es wird noch mal zur Musik getanzt. Danach wird ein neuer Tanz vorgestellt. Die Schrittfolge wird intensiv geübt, erst mit den Männern, dann mit den Frauen. Dann starten die Paare zusammen. Zunächst noch ohne Musik, dafür wird gezählt. Der nächste Schritt ist das Tanzen mit Musik und Zählen. 45 Minuten dauert die Intensivphase, bevor ausgetanzt wird und sich die Gruppe beziehungsweise alle, die wollen, im Vereinsheim des TV Waldmohr trifft. Der Vorsitzende Horst Bullacher liebt die Zusammenkünfte. „Es wird viel gelacht und es sind einfach die richtigen Leute zusammen“, sagt er.

Newcomergruppe startet

Der TV Waldmohr will zusätzlich eine Newcomergruppe starten, gedacht für Menschen, die schon mal getanzt haben und wieder einsteigen wollen oder die neu einsteigen wollen. Die neue Gruppe, die Platz für bis zu 20 Paare bietet, trifft sich, wenn sich noch mindestens drei Paare anmelden – drei stehen schon bereit – immer freitags von 19 bis 20 Uhr in der Sporthalle am Jahnplatz. Tanztrainerin Corinna Bettinger startet mit den Basics, will einfache Schritte von sieben bis acht Tänzen erklären. Ziel ist es, dass die Gruppe langfristig an die alteingesesse Gruppe herangeführt wird. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende Horst Bullacher unter info@tvwaldmohr.de entgegen. Weitere Infos zum rund 400 Mitglieder starken Verein, von denen 87 Mitglieder tanzen, die meisten davon Linedance, gibt es unter www.tvwaldmohr.de.

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