Kreis Kusel Svenja Kohl beim Heimspiel zum Titel

Schönenberg-Kübelberg. Beim Finale am Montag entwickelten sich die Verbandsmeisterschaften der Islandpferde auf der Anlage des Gestüts Móarbær in Schönenberg-Kübelberg zur Hitzeschlacht. Die Lokalmatadoren nutzten ihre Chance dennoch: Svenja und Sina Kohl landeten sowohl in den Meisterschafts- als auch in den Sportprüfungen der Junioren auf dem Treppchen. In der Fünfgangprüfung F1 holte Svenja Kohl die Verbandsmeisterschaft.
Sehr ausgefallen, als Sandsteinrelief ist er gestaltet, der Wanderpokal der Verbandsmeister Rheinland-Pfalz/Saar, der seit Pfingstmontag für eine Saison seinen Platz auf dem Reiterhof am Ortsrand von Kübelberg hat. Aber auch schwer – auf die Ehrenrunden konnte ihn kein Reiter mitnehmen am Finaltag der viertägigen, international besetzten Großveranstaltung, die erstmals von den „Moorbären“ ausgerichtet wurde (wir berichteten gestern). Ohnehin fiel die Ehrenrunde nach der Hitzeschlacht auf der Ovalbahn und der Passstrecke ab und an aus, um die Pferde zu schonen. Auch die Prüfungen wurden zum Teil – wie im Reglement vorgesehen – verkürzt und luftige Kleidung, sogenannte Marscherleichterung, gewährt. Einige hitzebedingte Kreislaufschwächen musste der Sanitätsdienst behandeln, gravierende Verletzungen von Reitern oder Pferden kamen nicht vor. Schweißgebadet, aber glücklich, waren auch die Schwestern Sina und Svenja Kohl am Ende des Turniers, bei dem in den Erwachsenenklassen die halbe Schweizer Nationalmannschaft sowie etliche Weltmeisterschaftsteilnehmer und deutsche Top-Ten-Reiter um Ranglistenpunkte kämpften. Sina Kohl (20) gelang in ihrem letzten Jahr als Juniorin mit der sechsjährigen Rappstute Fögur vom Burrishof zweimal der Sprung aufs Treppchen. In der Viergangprüfung mit Schritt, Trab, Tölt und Galopp holte das Paar die Silberschleife, in der Töltprüfung T2, in der nur diese Gangart in mehreren Tempi sowie am anstehenden als auch am langen Zügel gezeigt wird, den dritten Platz. „Das war die erste Prüfung, die wir komplett über der Wertnote 6,0 geritten sind“, freute sich Sina Kohl. „Ich habe das Stütchen erst ein halbes Jahr im Training, das ist ganz toll.“ Einen Rang besser in der T2 und in der als Königsklasse geltenden Fünfgangprüfung ganz oben auf dem Treppchen landete Svenja Kohl (17), amtierende Deutsche Jugendmeisterin in drei Disziplinen, mit ihrer ebenfalls erst sechsjährigen, selbst ausgebildeten Stute Jódis vom Móarbær. Kohl war auch mit dem Hengst Svartur von Faxaból für dieses Finale qualifiziert, gab aber dem Nachwuchspferd den Vorrang vor dem 13-Jährigen Hengst, der auch noch in den Rennen an den Start gegangen war. In diesen Sportprüfungen im Rennpass ließ das Paar auf der Heimbahn nichts anbrennen. Das Passrennen aus der Startbox gewann Kohl in der Juniorenklasse ebenso wie die Speedpassprüfung über 100 Meter mit fliegendem Start in fulminanten 22,08 und 7,62 Sekunden. Beide Zeiten markierten die drittbesten Rennzeiten des gesamten Turniers, schneller waren nur der Schweizer „Reiter des Jahres“ und Vizeweltmeister Markus Albrecht-Schoch und die zweifache Goldmedaillengewinnerin Annabell Steuer aus dem saarländischen Waldhölzbach. Wie gut die Bahn in Kübelberg ist, verdeutlicht ein Zeitvergleich: Der Schweizer ritt mit 7,43 Sekunden auf 100 Meter exakt die Zeit, die ihm WM-Silber bescherte. Der Islandpferdeverband führt Svenja Kohl nach ihren schnellen Touren vom Pfingstwochenende an der Spitze der deutschen Rangliste im Speedpass. Auf ihrem weiteren Turnierplan stehen die baden-württembergischen und die deutschen Meisterschaften. Luft nach noch weiter oben scheint vorhanden – Islandpferde erreichen bei fachgerechtem Training ihren Leistungshöhepunkt erst im Alter von 15 Jahren. Erfolgreich war auch Lea Federspil, eine Reitschülerin des Hofes. Mit ihrem Pferd Náttdís vom Widderhuus wurde sie Verbandsmeisterin in der Kinder-Viergangklasse V6. (kgi)