Kreis Kusel Stimmgewalt zwischen Säulen

In einheitlich schwarzer Kleidung vor dem Altar: die Don-Kosaken Serge Jaroff.
In einheitlich schwarzer Kleidung vor dem Altar: die Don-Kosaken Serge Jaroff.

Die Orgel hätte nicht mehr Macht aufbringen können: Zwölf Männerstimmen, angeleitet von einem Dirigenten, erfüllten am Freitagabend jeden Winkel der Barockkirche in Gimsbach. 200 Menschen hatten sich auf den Bänken versammelt, um sich einem stimmlichen Farbenspiel aus Bass, Bariton und Tenor hinzugeben: Der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff gastierte.

Wer ist denn nur der Tenor, der gerade eben eingesetzt hat? Standhaft wie gehorsame Soldaten und in einheitlicher pechschwarzer Kleidung hatten sich die Don-Kosaken vor dem Altar platziert. Da ihre einzigen Waffen ihre Stimmen sind, war es für das Publikum zuweilen nicht leicht, denjenigen Sänger zu identifizieren, der gerade besonders hervorsticht. Manche standen deshalb immer wieder auf und lugten um die Säulen. Gefilmt und fotografiert wurde sowieso fleißig. Und die besten Plätze gab es natürlich auf der Empore. Schon das Eröffnungsstück „Credo“ von Alexander Tichonowitsch Gretschaninow demonstrierte den Zuhörern, mit welch professionellen Stimmen sie es hier zu tun haben. In der ersten Hälfte wurden hauptsächlich klassische Lieder dargeboten. Eine beeindruckende Dynamik nahm der Chor, der vor allem aus Ukrainern und Russen besteht, im dritten Stück des Abends auf: „Herr, erbarme dich unser“, gesungen auf Russisch. Wohl keiner zählte das nach, aber in dem Faltblatt, das die Don-Kosaken in Umlauf gebracht hatten, stand geschrieben, dass die Zeile „Herr, erbarme dich unser“ in der Messe ganze 75 Mal hintereinander gesungen wird. Wanja Hlibka, geboren in Petershausen bei München, stand in Gimsbach nicht auf dem Dirigentenposten, obwohl er seit 2001 der Leiter des Chors ist. Hlibka möchte so lange wie möglich das Erbe von Serge Jaroff erhalten, der den Chor 1920 (also vor fast 100 Jahren) gegründet hatte. Komponist Gretschaninow war einer von Jaroffs Professoren in dessen Studienzeit. Der Chorgründer hatte in Moskau Kirchenmusik studiert. Und auch im 21. Jahrhundert ist der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff in der Welt noch ein Begriff: München, Bergamo, Leipzig, Seoul und Gimsbach sind nur fünf Beispiele für Auftrittsorte. „Wir waren schon ein wenig überrascht von der Anfrage“, sagte Marina Sitter sichtlich erfreut im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Der Erstkontakt mit der Agentur des Chors kam im Herbst 2017 zustande.“ Sitter ist Schriftführerin im „Freundeskreis der Protestantischen Kirche Gimsbach“. Der Verein setzt sich für den Erhalt der 1747 erbauten Barockkirche ein. Vereinskollegin und Vorsitzende Helga Jung übernahm die Begrüßung der Gäste: „Warum ist der Chor zu uns gekommen? Nun, sie wollten eben mal in einer so schönen Kirche singen.“ Ehrfurcht vor der Stimmgewalt, aber auch Freude und Heiterkeit breiteten sich aus, etwa bei dem Stück „Auf einem russischen Jahrmarkt“, mit dem der zweite Teil des Konzerts eröffnet wurde. Beklatscht und auch bejubelt wurden die Sänger in jeder Tonpause: Je lauter das Finale des Stücks, umso kräftiger der Applaus. Deswegen durften die Don-Kosaken den kleinen Westpfälzer Ort auch nicht ohne Zugaben verlassen. Begeistertes Raunen ging durch das Publikum, als sie den ersten Zugabetitel ankündigten: „Ich bete an die Macht der Liebe“. Diese Melodie wurde durch Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski berühmt, einen ukrainisch-russischen Komponisten, der die deutsche Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts prägte. Der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff verabschiedete sich passenderweise mit dem Lied „Guten Abend, gute Nacht“ in deutscher Sprache.

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