Kreis Kusel
Stichwahl: Wen die unterlegenen Landratsbewerber unterstützen – oder auch nicht
„Wir wollten uns zuerst raushalten und niemanden unterstützen“, sagt Alwin Zimmer, stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Kusel, zum Thema Wahlempfehlung für die Stichwahl am 9. März. Doch die Aussagen des SPD-Kandidaten Jürgen Conrad hätten Anlass gegeben, dass sich die AfD nun doch äußern wolle. Zimmer bezieht sich darauf, dass Conrad im Gespräch mit der RHEINPFALZ im Hinblick auf die Telefonumfrage einige Wochen vor der Wahl AfD-Wähler als „nicht ehrlich“ bezeichnet hatte. Conrad hatte darauf hingewiesen, dass sich in der Umfrage nur 9 Prozent offen für Monzon ausgesprochen hatten. Der Wahlabend dagegen war bis zum Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Conrad (23,3 Prozent) und Monzon (22,8) um Platz zwei. Laut Zimmer habe Conrad mit der Kritik „27 Prozent der Wähler getroffen – also fast ein Drittel aller Wähler im Kreis“. Der Hintergrund: Die AfD hat im Landkreis bei der Bundestagswahl 26,9 Prozent der Zweitstimmen erhalten.
Über die AfD-Landratskandidatin Catalina Monzon hatte Conrad gesagt: „Ich bin schockiert über das Ergebnis, dass diese Frau so weit vorne gelandet ist.“ Zimmer sagt dazu: „Unsere Kandidatin als ,diese Frau“ zu bezeichnen, halten wir für respektlos. Wir wollten nie politische Anfeindungen, die heizen die Stimmung auf und sind absolut kontraproduktiv.“ Daher laute die Haltung der Kuseler AfD nun: „Wir wollen keinen roten Landrat.“ Conrad sei in den Augen der Partei „kein Landrat für alle“. Dieses Attribut sehe die Partei nun eher bei dem CDU-Kandidaten Johannes Huber: „Wir wollen eigentlich nicht aktiv dazu aufrufen, CDU zu wählen, aber vielleicht ist die Unbefangenheit des Kandidaten ein Vorteil“, sagt Zimmer. Auch wenn Huber noch jünger und unerfahrener sei, könne er sich vieles noch aneignen.
Bürger hätten sich selbst ihr Bild gemacht
Eine Empfehlung für die Stichwahl auszusprechen, darauf will Thomas Danneck geflissentlich verzichten. Dass er sich in dieser Frage neutral verhalten wolle, hat der Landratskandidat der Wählergruppe Votum für den Kreis Kusel noch am späten Abend des Wahltags gegenüber der RHEINPFALZ erklärt. Danneck hatte am 23. Februar 14,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können. Das reichte nur zu Platz vier unter den fünf Bewerbern. Vom Ergebnis hatte sich der Rammelsbacher nun nicht gerade angetan, aber auch nicht enttäuscht gezeigt.
Seinen Wählern werde er nun aber sicherlich nicht empfehlen, am Sonntag den einen oder anderen Bewerber zu bevorzugen, sagte Danneck klipp und klar. „Ich bin ja damals aus der SPD ausgetreten, weil ich mehr als genug hatte von den sogenannten etablierten Parteien, vor allem von den Sozialdemokraten“, rief Danneck in Erinnerung. Deshalb könne er sich jetzt schwerlich für den Kandidaten der einen oder anderen Partei aussprechen.
Einen der Bewerber als besser geeignet zu bewerten, das aber wolle er erst recht nicht tun. Das sei mit seinem Verständnis von Fairness nicht vereinbar. Zudem sei der Wähler der Souverän: Die Bürger hätten sich schließlich selbst ihr Bild gemacht und wohl weitgehend ihre Wahlentscheidung getroffen, die es dann uneingeschränkt zu respektieren gelte.
FWG/Freie Wähler unterstützen SPD-Bewerber
Klar für einen Kandidaten positionieren sich die FWG/Freien Wähler. Wie Olaf Radolak, Vorsitzender der Kuseler Kreisvereinigung der Freien Wähler, mitteilt, habe man beschlossen, in der Stichwahl den Kandidaten der SPD, Jürgen Conrad, zu unterstützen.
In einer Pressemitteilung äußern sich die Freien Wähler kritisch zum Vorgehen der CDU, die nach der Kommunalwahl 2024 eine Zusammenarbeit mit der FWG im Landkreis Kusel abgelehnt habe. „Dies führte dazu, dass wichtige Entscheidungen, etwa die Wahl von Kreistagsmitgliedern in überregionale Gremien, nicht mehr nach Eignung und Befähigung, sondern nach Koalitionsmehrheit getroffen wurden. Diese Entwicklung hat die Interessen unseres Landkreises geschwächt“, wird Helge Schwab n der Mitteilung zitiert.
Schwab, der am 23. Februar 11,2 Prozent der Stimmen errang, betont die „umfangreiche politische Erfahrung“ von Jürgen Conrad. Dieser sei durch seine Arbeit als Kreisbeigeordneter und Vizepräsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd „bestens vernetzt und qualifiziert“. „Auch wenn Jürgen Conrad wie ich gerne mal emotional wird und streitbar ist, konnten wir bei allen politischen Auseinandersetzungen immer einen Konsens finden, der dem Landkreis zugutegekommen ist“, so Schwab.
Die Wahl des Landrats solle ausschließlich nach Eignung und Qualifikation erfolgen, heißt es in der FWG-Mitteilung weiter, „unabhängig von Parteizugehörigkeit“. Es brauche einen „Bewerber, der zügig und zielstrebig, sprich aus dem Stand, handeln kann“.
Alles zur Stichwahl ist in unserem Blog zur Landratswahl zu finden.