Kusel
Stefan Spitzer: „Ja, ich will bis zum Ende im Amt bleiben“
Was hat Sie damals dazu bewogen, im tiefroten Kusel für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren?
Ich war damals ja schon lange in Kusel heimisch geworden, war bereits Mitglied im Stadt- und Verbandsgemeinderat und wollte mich auch weiter engagieren für die Gemeinschaft. Und als mein geschätzter Vorgänger Alfred Kehl aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, hat sich für mich die Gelegenheit ergeben. Dass ich allerdings gewinne, war in diesem Moment nicht so zu erwarten. Wie Sie schon sagten: Kusel war damals SPD-Land. Gerade das aber hat mich zusätzlich motiviert.
Ganz offen: Wie hoch haben Sie damals Ihre Siegchancen eingeschätzt?
Fifty-fifty. Auch wenn Kusel SPD-dominiert war, hat ja bei einer Wahl jeder bei Beginn dieselben Chancen. Und: Bei diesen Wahlen spielt ja auch die Persönlichkeit sehr stark mit, nicht nur die Parteiangehörigkeit. Dass ich dann tatsächlich gewinnen könnte, wurde mir am Abend der ersten Wahl klar; als ich vorne lag und nur noch Konken fehlte. Dann kam das Ergebnis, und ich war immer noch vorne. Das war entscheidend für die spätere Stichwahl. Von da an war mir klar, dass ich auch die Stichwahl gewinnen kann.
Wissen Sie noch, welches der erste Beschluss war, der unter Ihrer Führung gefasst worden ist?
Nein, tut mir Leid. Das weiß ich nicht mehr. Da müsste ich nachschauen. Aber vermutlich war es irgendeine Auftragsvergabe.
Wie schwer waren die ersten Jahre als schwarzer Bürgermeister mit einer SPD-Mehrheit im Rat?
Das war schon nicht so einfach. Ich wusste ja, dass ich für jeden Beschluss auf Stimmen der SPD angewiesen war. Also habe ich versucht, mit Transparenz und umfassender Darstellung des jeweiligen Themas zu überzeugen. Das hat funktioniert, wobei man ja ohnedies sagen muss, dass die überwiegende Mehrheit aller Beschlüsse im Rat ohnedies einstimmig erfolgen. Nach der nächsten Kommunalwahl wurde es dann etwas leichter, weil die SPD die absolute Mehrheit verlor und sich damit auch die Zusammensetzung der Beigeordneten änderte.
Nennen Sie die drei wichtigsten Entscheidungen in Ihren 20 Jahren als Bürgermeister.
Das war die Entscheidung für die Fusion, die wichtigste kommunalpolitische Entscheidung. Das war die Schwimmbadsanierung und die Zusammenarbeit hier nun mit dem Kreis als Partner für Umbau und Betrieb. Und dass es uns gelungen ist, Schulen und Kitas in einen guten Zustand zu versetzen und zu halten, indem wir immer weiter investieren. Das ist gerade im ländlichen Raum ein ganz wichtiger Punkt, weil man nur so junge Familien halten kann. Ich würde ja jetzt noch die Feuerwehr nennen – aber es sollen ja nur drei Punkte sein.
Dazu haben Sie vielleicht jetzt die Chance: Was wollen Sie denn vollendet haben, bis Sie in Ruhestand gehen?
Dass wir endlich eine neue Unterbringung für die Kuseler Feuerwehr haben – hier sind wir ja jetzt auf einem guten Weg. Dann mein drittes, persönliches Projekt neben Bürgerbus und Klimaschutz: dass wir Kusel-Altenglan als Wanderregion etablieren. Und dass wir weiterhin eine gute Entwicklung bei der Gewerbeansiedlung nehmen – Stichwort: neues Gewerbegebiet Schellweiler. Bis zum Ende meiner Amtszeit werden auch alle Grundstücke im Gebiet Erlenhöhe vergeben sein. Wenn man daran denkt: Zu Beginn meiner Amtszeit waren dort 100 Arbeitsplätze, heute sind es 500.
Was hat Sie nach 16 Jahren als Kuseler Bürgermeister dazu motiviert, weiterzumachen und auch die fusionierte Verbandsgemeinde zu führen? Sie hätten ja auch einfach in Ruhestand gehen können.
Ja, hätte ich. Aber ich habe diese Fusion mit initiiert, ich war nicht amtsmüde und war mir sicher: Ich bin da genau am richtigen Platz. Zudem wusste ich, dass mein damaliger Amtskollege und heutiger hauptamtlicher Beigeordneter und ich eine sehr gute Basis zur Zusammenarbeit haben werden. Auch darauf habe ich mich gefreut.
Ihre Amtszeit läuft bis zum Jahreswechsel 2025/26. Sie sind jetzt 62 Jahre alt. Werden Sie bis zum Ende der Amtszeit weitermachen?
Ich bin doch dann erst 66, und da fängt bekanntlich das Leben an (lacht). Ja, ich will bis zum Ende im Amt bleiben. Dann bin ich in einem guten Alter, um diese Aufgabe in andere Hände zu legen. Allerdings weiß man ja nie, was die Gesundheit macht. Ich tue jedenfalls alles, um mich gesund zu halten, betreibe viel Sport. Ich habe zwar mit dem Fußballspielen aufgehört, aber ich habe zu Hause einen kleinen Fitnessraum. Und inzwischen haben wir auch noch einen jungen Hund, mit dem man natürlich viel spazieren geht.