Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Startpaten ziehen um: Secondhand-Laden nun in der Kuseler Schwebelstraße

Oliver Kusch und Petra Kehl sortieren Kleider am neuen Standort des Secondhand-Ladens der Startpaten in der Schwebelstraße.
Oliver Kusch und Petra Kehl sortieren Kleider am neuen Standort des Secondhand-Ladens der Startpaten in der Schwebelstraße.

Kürzlich ist der Secondhand-Laden der Startpaten und der Diakonie in die Schwebelstraße umgezogen. Oliver Kusch erzählt, warum die Arbeit des Vereins wichtiger denn je ist.

Wer den Secondhand-Laden in der Schwebelstraße 5 betritt, vermutet nicht, dass der Verein Startpaten noch mitten im Umzugsstress steckt. Kinderkleidung – sorgfältig nach Größen sortiert und beschriftet –, Spiele und Bücher liegen in den Regalen. Ein Blick um die Ecke auf Kisten und Tüten sowie die gemusterten Tapeten der ehemaligen Umkleidekabine lassen erahnen: Hier gibt es noch einiges zu tun. „Man muss aufpassen, was man sich wünscht“, sagt Petra Kehl, die im Verein tätig ist und den Laden mit anderen betreut. Im Vorjahr habe sie sich größere Räume für den Laden gewünscht.

„Ein Familienzentrum, wo wir unsere Angebote vereinen können und in dem immer was los ist“, schildert sie ihre Vorstellung. Oliver Kusch, Vorsitzender der Startpaten, hat diesen Wunsch erhört. Nach Auszug des Dessous-Ladens „Bella Nox“ im Oktober 2024 war die Ladenfläche frei geworden. Nach kurzem Austausch mit den Vermietern war schnell klar, dass die Räume für die Startpaten in Frage kommen. Flächenmäßig konnte sich der Verein so von 60 Quadratmetern in der Hintergasse auf rund 180 Quadratmeter in der Schwebelstraße vergrößern.

Neue Räume, bewährte Ideen

Im Laufe der Jahre hat der seit 2007 bestehende Verein einige Ideen umgesetzt, immer mit dem Ziel, Familien zu unterstützen. Vorbild war das „Netzwerk gesunde Kinder“ aus Brandenburg, das ein Jahr früher entstand. Das Konzept, Familien geschulte Paten an die Seite zu stellen, inspirierte Kusch. In der aus fünf Blöcken bestehenden Ausbildung werden Freiwillige darauf vorbereitet, Familien unter die Arme zu greifen.

Die Startpaten sind ehrenamtlich tätig, und obwohl ihre Hilfe dringend benötigt wird und der Verein immer auf der Suche nach engagierten Menschen ist, wird nicht jeder angenommen. „Es gibt Personen, da bezweifelt man einfach die Eignung“, schildert Kusch. Es werde darauf geachtet, dass die Paten kompetent seien, weswegen unter anderem auch ein Führungszeugnis verlangt wird.

Kontaktaufnahme heute schwieriger

Das Hilfsangebot des Vereins richtet sich an Familien mit Kindern ab der Geburt bis zum Alter von drei Jahren – die Startpaten unterstützen also in der ersten Lebensphase der Kinder. Dabei spielt es keine Rolle, wie die Familie zusammengesetzt ist, ob sie aus zwei Vätern mit Kind, einem alleinerziehenden Elternteil oder einem sonstigen Patchwork-Verhältnis besteht. „Wir schließen niemanden aus“, betont Kusch.

Was sich über die Jahre verändert hat, ist die Kontaktaufnahme mit den Familien. Wo früher einfach ein Blick ins Telefonbuch geworfen werden konnte, sei der Erstkontakt heute schwieriger, berichtet der Vereinsvorsitzende. Bei einem ersten Telefonat oder Besuch verschaffe sich der Startpate einen Eindruck der Familiensituation, um einschätzen zu können, welche Hilfe benötigt und angeboten werden kann, erzählt Petra Kehl. Diese Hilfe ist vielfältig und reicht von der Unterstützung im Alltag bis zur Terminvermittlung bei wichtigen Anlaufstellen. „Die Gesellschaft entfremdet sich immer mehr. Überraschenderweise sind viele Menschen erstmal verwundert, dass ihnen jemand einfach nur helfen will“, sagt Kusch.

„Gebäude soll sich mit Leben füllen“

Das Ziel der Startpaten, ein Netzwerk zu schaffen, erreichen sie durch regelmäßig in Kusel, Brücken und Wolfstein stattfindende Elterncafés. Bei einer Tasse Kaffee kommen junge Eltern ungezwungener ins Gespräch. „Wenn Not am Mann ist, helfen sich die Mütter bei Fahrdiensten auch mal gegenseitig aus“, sagt Kehl. Das Kuseler Elterncafé soll künftig in der Schwebelstraße abgehalten werden – sobald die Räume fertig eingerichtet sind. Das Secondhand-Lädchen öffnet bereits, allerdings stehen die genauen Öffnungszeiten noch nicht fest.

Die neue Fläche ist dringend notwendig. Die Kleiderkammer der Diakonie, aus der der Verein Kleidungsstücke erhält, platze aus allen Nähten. Oliver Kusch weiß die Zusammenarbeit mit Regionalleiter Markus Carbon und die gegenseitige Unterstützung zu schätzen. So hätten sie auch die Anmietung der neuen Räume gemeinsam realisiert. Immer wieder betreten Interessierte den Laden. Das komme nun im Vergleich zum ehemaligen Standort vermehrt vor, erzählt Isabel Wittke, die sich ebenfalls ehrenamtlich einbringt. Eine ältere Dame, die vor längerer Zeit mit ihren Kindern nach Kusel gezogen war, sei vorbeigekommen, um einfach mal zu reden.

Die Startpaten möchten der gesellschaftlichen Isolierung entgegenwirken, auch wenn eigentlich junge Familien im Vordergrund stehen. Es sei bereits überlegt worden, ob die Dame eventuell eine Vorleserunde mit Kindern gestalten könnte, erklärt Wittke. „Grundsätzlich wollen wir den Leuten zeigen, dass sie nicht alleine sind und dass es in Ordnung ist, sollte man mal überfordert sein“, sagt Kehl. Ihr Wunsch für die kommende Zeit: „Das Gebäude soll sich mit Leben füllen.“

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