Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel „Stark im Leben“: Vortragsreihe am Veldenz Gymnasium bricht mit Tabus

Verbindungslehrer Pascal Pick (von links) und Anna Fehrentz sowie Schülervertreterin Carmina Rose Zureikat kennen die Probleme d
Verbindungslehrer Pascal Pick (von links) und Anna Fehrentz sowie Schülervertreterin Carmina Rose Zureikat kennen die Probleme der Schüler und haben bei der Vortragsreihe mitgewirkt.

Die Schülervertretung des Veldenz Gymnasiums Lauterecken (VGL) hat die Vortragsreihe „Stark im Leben“ ins Leben gerufen. Im Interview mit Sabrina Schreiner erklären die Verbindungslehrer Anna Fehrentz (30) und Pascal Pick (32) sowie die Schülervertreterin Carmina Rose Zureikat (16), warum es wichtig ist, Tabuthemen aus dem Verborgenen zu holen.

Frau Fehrentz, wie entstand die Idee zur Themenreihe?
Diese Themen werden häufig im Unterricht behandelt, aber Kollegen und Schüler fragten nach einem zusätzlichen Angebot. Mittels Umfrage haben wir das Interesse abgefragt und besonders wichtige Themen wie psychische Gesundheit, Stress im Schulalltag und sexualisierte Gewalt ermittelt. Man redet zwar ungern darüber, aber es ist dennoch enorm wichtig, denn auch Teile der Schüler sind betroffen, auch wenn es nach außen hin keinem auffällt. Umso wichtiger ist es, die Themen öffentlich zu machen. Solche Vorträge sind bei uns seltener als in der Stadt, daher öffnen wir uns bewusst für alle Interessierten, auch wenn Schüler im Fokus stehen.

Die Reihe hat nicht nur präventiven Charakter. Ist Mobbing ein Problem am VGL?
Pascal Pick: Ja, das gibt es. Die Vorgehensweise von Jungs ist offener, sichtbarer, während Mädels hintergründiger und versteckter agieren.

Mobbende Mädchen sind also noch schwieriger zu entdecken?
Anna Fehrentz: Ja, und wo es sich ins Internet verlagert hat, haben Lehrer wenig Einblick.

Pick: Wir thematisieren Cybermobbing, aber im Bereich des Privaten haben wir kaum Möglichkeiten. An der Stelle sind auch die Eltern gefordert. Der Mobbing-Workshop ist bewusst zweigeteilt: Es geht sowohl um präventive Maßnahmen, als auch um das Vorgehen in akuten Fällen.

Carmina Rose Zureikat: Wir haben bereits einen Workshop zum Thema besucht, viel mitgenommen und abgeschaut, aber es ist klar, dass Lehrer nicht direkt eingreifen können. Zum einen dürfen sie uns online nicht privat kontaktieren, zum anderen haben sie keinen Zugriff auf private Daten.

Ist Gewalt generell ein Thema am VGL?
Fehrentz: Sehr vereinzelt, aber leider ja. Wegsehen wäre der komplett falsche Ansatz und Schüler können lernen, sich selbst herunterzufahren, und mehr Impulskontrolle entwickeln.

Pick: Die Gewalt ist nicht exzessiv und kommt äußerst selten vor. Aber es ist generell wichtig, dagegen vorzugehen. Das wachsende Thema ist Cybermobbing.

Carmina, kommen Schüler mit Problemen häufig auf Dich zu?
Nicht so viele, aber Stress im Schulalltag und was sie sonst so stört, sprechen sie an. Mobbing und Stress sind die beiden Faktoren, um die wir nicht herumkommen. In der Oberstufe ist Stress das größte Thema. In den Pausen bekomme ich den generellen Umgang der Kleinen untereinander mit und welche Ausdrücke sie füreinander verwenden. Das ist teils schockierend.

Hat sich Dir jemand nach Bekanntgabe der Vortragsreihe geöffnet?
Über mehrere Ecken habe ich schon vorher von dem Problem einer Schülerin gehört. Jetzt kam sie auch auf mich zu. Wir haben geredet, ich hatte ein offenes Ohr für sie und das ist in solchen Situationen häufig schon hilfreich.

Nehmen psychische Erkrankungen im schulischen Umfeld zu?
Pick: Ich habe den Eindruck, dass Erkrankungen relativ stark zunehmen, und war verwundert, wie oft Schüler betroffen sind. Ursachen sind der Leistungsdruck in der Schule, aber auch von zu Hause aus. Dazu kommt der Druck, den sich die Schüler selbst machen, weil die Gesellschaft dieses und jenes erwartet.

Fehrentz: Gut ist, dass es öffentlicher wird. Früher hörte man von Abiturienten erst nach der Schulzeit, welche Probleme sie zu bewältigen hatten. Heute kann man offen darüber sprechen und das ist gut so.

Welche Hilfsangebote gibt es bereits an der Schule?
Fehrentz: Wir haben immer ein offenes Ohr und versuchen, Probleme schon im Kleinen zu regeln. Wenn es unsere Kompetenzen übersteigt, nehmen wir den schulpsychologischen Dienst in Anspruch, der Ratschläge gibt und in schlimmeren Fällen Maßnahmen einleiten kann.

Pick: Zusätzlich bietet Pfarrerin Müller Schulseelsorge an.

Schule wird immer digitaler. Geht damit neben Vorteilen auch mehr Stress einher, auch für die Lehrer?
Fehrentz: Durch die ständige Erreichbarkeit auf jeden Fall und es wird abends auch mal spät, wenn noch Meldungen versendet werden. Das ist sicher auch für Schüler stressig immer nachzuschauen, um nichts zu verpassen.

Pick: Die Apps der Schule und des Landes bieten enorm viele Möglichkeiten, aber alles zu bewältigen kann auch den Eltern Stress bereiten. Daher bieten wir an einem Abend Hilfestellung.

Info

Die kostenlose Vortragsreihe „Stark im Leben: Wege zu psychischer Gesundheit, gemeinsam gegen Stress, (Cyber-)Mobbing und sexualisierte Gewalt“ findet in der Pausenhalle des Veldenz Gymnasiums Lauterecken (VGL) statt. Zur besseren Planung in Sachen Verpflegung wird um unverbindliche Anmeldung über www.veldenzgymnasium.de gebeten. Die Termine mit den jeweiligen Themenschwerpunkten: 11. April, 18 Uhr: „Stress im Schulalltag“; 18. April, 18 Uhr: „Mobbing – die etwas andere Gewalt“; 23. April, 18.30 Uhr: „Your Brain – Your Choice – Psychische Gesundheit“; 2. Mai, 18.30 Uhr: „WebUntis und SchoolFox für Erziehungsberechtigte“; 6. Mai, 18.30 Uhr: „Sexualisierte Gewalt“; 16. Mai, 18.30 Uhr: „Künstliche Intelligenz und Chat-GPT“. Ergänzend bietet Yogalehrerin Birgit Hübner in der Gymnastikhalle des VGL ab 9. April einen kostenpflichtigen Kurs an. Anmeldung unter huebnerbirgit@gmx.net oder 06382 3180.

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