Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtrat macht sich ein Bild von Problemen auf dem Friedhof

Etliche Gräber, bei denen die Liegezeit schon lange abgelaufen ist, sollen abgeräumt werden.
Etliche Gräber, bei denen die Liegezeit schon lange abgelaufen ist, sollen abgeräumt werden.

„Liegesünden“, zu wenig Nachfrage für den fünf Ebenen umfassenden, weitläufigen Friedhof sowie rund 300 bereits abgelaufene Gräber, die noch nicht abgeräumt sind – all das fand der Stadtrat bei einer Besichtigung am Dienstagabend.

Recht idyllisch am Stadtrand liegt der Friedhof quasi mitten im Wald. Ruhig ist es, Vögel zwitschern fröhlich, ein paar Regentropfen fallen noch, als der Stadtrat sich unter der Leitung des ersten Beigeordneten und Bestatters Peter Kriese ein Bild von der aktuellen Situation macht. Schon vorher wusste Stadtbürgermeisterin Isabel Steinhauer-Theis, dass „einige Änderungen dringend notwendig sind“, da die Pflege des Areals intensiv sei.

Die Bedarfsfläche des Friedhofs reiche für eine Stadt mit 6000 Einwohnern aus, also bietet er etwa dreimal so viel Platz wie nötig. „Für die Fläche fehlen die Leichen“, erklärt Kriese. Da mehr Platz als benötigt vorhanden sei, entstehe ein Flickenteppich. Langfristig müsste die Nutzfläche auf den tatsächlichen Bedarf reduziert werden. Jährlich finden etwa 30 Beerdigungen statt, etwa ein Drittel Erdbestattungen. Die Tendenz zur Urne sei nicht mehr steigend, berichtete der Bestatter.

Verschiedene Felder

Im unteren Bereich, direkt am Parkplatz, wirkt der Friedhof sehr gepflegt. Hier sieht Kriese kein Problem, es bestehe aktuell kein Handlungsbedarf, zumal auch die Erddoppelgräber gut belegt werden könnten. In der zweiten Etage gebe es ein „klassisches Feld der 70er, 80er Jahre“. Viele Liegezeiten liefen hier ab. Im hinteren Feld dagegen sei das Ideal erreicht: geschlossene Grabreihen mit langer Liegezeit und kaum Lücken.

Das „Zukunftsfeld“ sieht der erste Beigeordnete direkt über der Leichenhalle in der dritten Ebene, die leicht zugänglich ist. Dort befindet sich beispielsweise das 2016 eingerichtete Urnenfeld, das noch nicht mal halb belegt ist und für die nächsten vier bis fünf Jahre Neugräber bietet. In der vierten Ebene biete es sich bei den älteren Einzelgräbern an, diese nicht wieder zu belegen. Auf der fünften Ebene befindet sich unter anderem das anonyme Urnengrabfeld mit rund 15 Gräbern hinter kleinen Bäumen. Dieses reiche noch 30 Jahre aus, wenn der Trend so bleibe. Bei den Urnengräbern ließen sich Lücken leichter füllen und es entstehe kein Flickenteppich.

Etliche abgelaufen

Laut einer Liste war Ende 2019 bereits die Liegesfrist von 281 Gräbern abgelaufen. Bei einem bereits seit 1988, bei vielen seit 20 Jahren. Manche Gräber konnten nicht gefunden werden, andere tauchten plötzlich auf, sodass von rund abgelaufenen 300 Gräbern auszugehen ist. Je länger die Liegezeit überschritten sei, desto schwieriger sei es, noch Angehörige zu ermitteln. Aktuell seien Anschreiben auf dem Weg. Wenn alles planmäßig laufe, hätten die städtischen Arbeiter im Januar und Februar dann etliche Gräber abzuräumen, glatt zu ziehen und einzusäen. Die Kosten für das Abräumen liegen bei 500 Euro. Werden keine Angehörigen ermittelt, bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen.

Ziel müsse es sein, über die nächsten zehn bis 15 Jahre eine Struktur zu schaffen, sodass von den insgesamt fünf Ebenen die drei unteren Felder genutzt werden und somit die Pflegemaßnahmen nicht mehr so aufwendig sind. „Wo eine Grabstätte ist, besteht auch die Pflicht zur Pflege und somit Aufwand“, betonte der Beigeordnete. Wenn heute ein Erddoppelgrab angelegt werde, bedeute dies mindestens 30 Jahre Liegezeit, also sei es wichtig, einen Plan zu haben, um Tote nicht an einer ungünstigen Stelle beizusetzen. Ein Prozess, der Jahrzehnte andauere, aber gestartet werden müsse, um vermeidbare Kosten einzusparen.

Konkurrenz bei Bestattungen

Auch neue Bestattungsarten wie Rasengräber oder Baumbestattungen seien anzustreben, sagte der Fachmann, um gegenüber anderen Möglichkeiten wie Seebestattung oder Ruheforst attraktiv zu bleiben. Auch die Möglichkeit, Auswärtige auf dem Friedhof zu bestatten, sollte erwogen werden.

Die Trockenheit komme der Stadt bei den Pflegemaßnahmen entgegen, denn Gras und Unkraut wüchsen langsamer. Der Friedhof wurde erst gemäht und dabei auch ungepflegte Gräber freigelegt. Neben den großen Flächen, die zu pflegen sind, ist auch der alte Tannenbestand mit viel Totholz ein Problem.

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