Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtarchiv zieht im Laufe des Jahres um

Stapelweise Akten: Jan Fickert schmökert in einem Amtsbuch aus dem Jahr 1844.
Stapelweise Akten: Jan Fickert schmökert in einem Amtsbuch aus dem Jahr 1844.

Das Lauterecker Stadtarchiv zieht um. Die historischen Dokumente werden im ersten Geschoss der Nahwärmezentrale untergebracht. Alle Akten werden katalogisiert und ein digitales Register wird angelegt. Eine Aufgabe für jemanden mit detektivischem Spürsinn – wie Jan Fickert.

Vor Jan Fickerts Augen stapeln sich Aktenberge aus vergangener Zeit. Die Arbeit wird ihm so schnell nicht ausgehen. Er muss das Archiv der Stadt neu organisieren, das bislang im Obergeschoss des Dienstleistungszentrums in der Schulstraße untergebracht war. Die Stadt hatte die beiden Räume verkauft, das Archiv musste dort also raus. Die Bestände lagern nun an verschiedenen Orten in der Stadt, ein kleiner Teil befindet sich in Fickerts Dienstzimmer im Stadthaus. Damit die Stadtgeschichte nicht verzettelt an diversen Orten aufbewahrt wird, soll es nun einen zentralen Standort geben, und der ist in der Nahwärmezentrale vorgesehen. Dort gibt es reichlich Platz für Regale, in denen die Unterlagen geordnet gelagert werden können.

Schon vorsortiert

Fickert hat in der Vergangenheit schon vorsortiert. „Alles, was archivwürdig ist, wird aufgehoben, alles andere kommt weg“, sagt er. Vor ihm liegen ziemlich großformatige und schwere Bücher. „Das wäre die Kategorie Amtsbücher“, sagt Fickert. Sie enthalten amtliche Aufzeichnungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Der Archivar blättert im Grundsteuerkataster Heinzenhausen. Die Gemeinde gehörte einmal zur Bürgermeisterei Lauterecken. „Heute würde man Liegenschaftskataster dazu sagen“, erläutert er. Es enthält Infos über alle Grundstücke und Häuser sowie deren Eigentümer. Festgehalten ist das jeweilige Baujahr, auch Karten und Lagepläne sind vorhanden. Für Fickert sind das interessante Nachschlagewerke, die seinen detektivischen Spürsinn wecken. „Aus vielen kleinen Mosaiksteinchen ergeben sich so manchmal ein größeres Bild und eine spannende Geschichte“, sagt er.

Hilfreich für Datenbank

Die Arbeit mit dem Archiv hilft ihm auch bei der Entwicklung von Themen für das Projekt KuLadig (steht für Kultur Landschaft digital), wofür die Stadt finanzielle Unterstützung vom Land erhält. KuLadig ist eine digitale Datenbank, die von einem Arbeitskreis der Stadt unter Fickerts Federführung gefüttert wird, indem wissenswerte kulturelle und historische Fakten aufgearbeitet und für jedermann im Internet bereitgestellt werden. So will die Stadt mehr Aufmerksamkeit für sich gewinnen.

Für Fickert sind die historischen Unterlagen ein reicher Fundus für tiefere Einblicke in die vielfältige Geschichte der Veldenzstadt. Neben anderen liege auch die Geschichte der Bürgermeisterei Lauterecken, zu der noch bis 1972 Lohnweiler, Cronenberg, Hohenöllen und Heinzenhausen gehört hatten, in zahlreichen Akten vor. Historische Fotos und Pläne von Gebäuden oder der historischen Glan- und Lauterbrücke ergänzten den Bestand. Daraus lasse sich was machen. Fünf Beiträge seien bereits erstellt, aber noch nicht online verfügbar, schildert Fickert.

Die Aufbereitung des Archivs gibt dem Archivar außerdem die Möglichkeit, reizvolle Geschichten oder Objekte zu entdecken, die im Veldenzschloss platziert werden können. „Es ist ja vorgesehen, das Schloss zusätzlich museal einzurichten. Dafür bietet das Archiv eine gute Grundlage“, sagt Fickert.

Viele Vereinsunterlagen

In den zurückliegenden Jahren sind viele Unterlagen hinzugekommen. Vom Turnverein beispielsweise. Und vom MGV Lauterecken. Dabei handele es sich nicht nur um Schriftstücke, sondern um Objekte wie Pokale oder einen Dirigentenstab aus den 1920er Jahren mit einem Elfenbeinschaft, berichtet Fickert. Viele Privatpersonen würden Fotos und Schriftstücke vorbeibringen: „Das sind Mitbürger, denen etwas daran liegt, dass nichts verloren geht.“ Nachkommen des Wassermeisters Bambauer, der für das Wasserwerk Lauterecken verantwortlich war, hätten eine Vielzahl von Akten vorbeigebracht, sagt Fickert.

Aber längst nicht alles an Unterlagen ist in Lauterecken aufbewahrt. Ein älterer Bestand von Akten, die bis Anfang des 17. Jahrhunderts zurückreichten, sei in den 50er Jahren an das Landesarchiv in Speyer abgegeben worden. Dieser Teil des Archivbestandes umfasst Fickert zufolge 475 Archivalien, diverse Akten, Bücher und Rechnungen aus dem Zeitraum 1600 bis 1948 über insgesamt 8,10 Regalmeter. Bei Bedarf könne er jederzeit dort nachforschen.

Sichten, sortieren, bewerten

Aber erst muss er ran an die Unterlagen vor Ort, muss sichten, sortieren und bewerten, dann katalogisieren und digital aufbereiten. Das Archiv soll so aufgebaut werden, das „Dritte sich zurechtfinden, wenn ich mal nicht da bin“, sagt er. Dabei geht es auch um vermeintliche Kleinigkeiten, die aber wichtig für den Erhalt von Dokumenten sind. „Metalle wie Heftklammern müssen entfernt werden, weil die im Laufe der Jahre rosten und dadurch Schriftstücke in Mitleidenschaft gezogen werden“, erzählt Fickert. Oder Schimmelbefall, der beseitigt werden muss oder Kopien, die anzufertigen sind, weil Dokumente wegen der Einstrahlung von Sonnenlicht allmählich verblassen. Ziel ist es, das Stadtarchiv noch in diesem Jahr in der Nahwärmezentrale einzurichten.

In diesem Raum soll das Stadtarchiv dauerhaft untergebracht werden.
In diesem Raum soll das Stadtarchiv dauerhaft untergebracht werden.
x