Jettenbach
Sportliche Namensvettern aus der Pfalz und Oberbayern feiern 50 Jahre Freundschaft
Gestern Abend sollten sie anrollen, die Sportfreunde vom Inn: Eine Delegation aus Jettenbach in Oberbayern ist übers Wochenende zu Gast in Jettenbach in der Westpfalz. Es ist nun beileibe nicht das erste, aber ein ganz besonderes Treffen zwischen Sportfreunden zweier Vereine: Turn- und Sportverein (TuS) 1892 und Spielvereinigung (SpVgg) 1949, die beide den seltenen „Nachnamen“ Jettenbach tragen, feiern das Jubiläum einer außergewöhnlichen Klubfreundschaft. Die Wurzeln reichen nun genau ein halbes Jahrhundert zurück.
Es war ein Start nach Maß, ganz ohne Zweifel: Mit dem Feuerwehrauto waren die Gastgeber gen Kaiserslautern getuckert, um den Reisebus abzufangen und sicher über Land zum 20 Kilometer entfernten Ziel zu eskortieren. Auf dem Marktplatz war nebst der halben Dorfbevölkerung die komplette Kapelle aufmarschiert. Wie sich’s fürs Musikantendorf gehört, blies der Musikverein den Gästen den Marsch, sobald die aus dem Bus geklettert waren. Ein Empfang in Ehren, an den sich hier wie auch im entfernten Jettenbach noch so manch einer erinnert.
Eigens eine Festschrift erstellt
Aufgezeichnet von Zeitzeugen, sind die Schilderungen der ersten Begegnung nachzulesen in einer Festschrift, die eigens zum Partnerschaftsjubiläum aufgelegt worden ist – und die nun auch Überraschendes verrät.
Vor drei Jahren hat der jüngere der beiden Vereine sein 70. Jubiläum gefeiert – natürlich auch mit Freunden aus der Pfalz. Mit unter den Gästen war Mike Schepanski. Der langjährige Leistungsträger der Jettenbacher Fußballer war auch geraume Weile Vorstands-Chef beim TuS und mischt bis heute als Schriftführer mit. Ihm und Gerhard Wenz ist es vor allem zu verdanken, dass die Partnerschaftsgeschichte aufgezeichnet worden ist.
Pfälzer fallen mit der Tür ins Haus
Die Pfälzer Delegation hat bei dem Besuch 2019 ein Dokument zu sehen gekriegt, an das sich kaum mehr einer hat erinnern können: ein Schreiben, datiert vom März 1972. Adressiert an die dortigen Sportkameraden, äußerte die Vorstandschaft des Vereins aus dem Kuseler Land ein Anliegen.
Obwohl, das trifft es nicht ganz: Vielmehr fielen die Pfälzer einfach mit der Tür ins Haus. In einer Vorstandssitzung sei der Wunsch laut geworden, mit Jettenbach in Oberbayern Kontakt aufzunehmen. Man wolle auch kommen – und zwar vom 29. April bis 1. Mai. Am 30. Mai, einem Sonntag, solle ein Fußballspiel zwischen erster und zweiter Mannschaft beider Jettenbacher Vereine übern Rasen gehen. Tja, und am Maifeiertag wolle man – nach einem Frühschoppen, versteht sich – dann mal wieder heimfahren ...
Auch ein Zuschuss wär nicht schlecht ...
Mike Schepanski beschreibt, wie sehr der Brief die Nachfolger der damaligen Vorstandschaft amüsiert hat. „Einfach sensationell, sich nicht nur selber einzuladen“, sondern auch noch das Programm vorzugeben – und nicht zuletzt auch noch um einen Reisekostenzuschuss zu bitten. Denn tatsächlich fragte die TuS-Vorstandschaft damals unverhohlen an, ob denn die Gastgeber nicht einen Zuschuss zu den 1600 Mark für den Bus gewähren könnten.
Übel genommen hat ihnen dies damals keiner. Im Gegenteil. Im Jahr darauf, 1973, kam es zum ersten Treffen in der in der Pfalz. 50 Gäste fanden privat bei Gastgebern Unterkunft. Weitere gegenseitige Besuche folgten. Entwickelt hat sich eine Klubfreundschaft, die bis heute währt.
Fußball und Musik auf dem Programm
Am Samstag geht’s gegen 11.30 Uhr am Sportplatz los. Frauen, AH und Aktive treffen aufeinander, am Abend ist Dämmerschoppen. Dabei spielt der Musikverein, der schon am Freitagabend gefragt war: Man wollte sich nah an dem ersten Besuch 1973 orientieren, sagt Schepanski. Deshalb sollte aufs Neue die Feuerwehr zum Geleit ausrücken – von Rothselberg aus, weil die meisten Gäste in der Wolfsteiner Jugendherberge unterkommen. Und wie einst, sollten die Gäste musikalisch empfangen werden – so, wie sich das gehört im Musikantendorf.