Kreis Kusel
Serenadenkonzert des Musikvereins Kusel
Es war mit Sicherheit eines der heißesten Serenadenkonzerte, die das Orchester des Musikvereins Kusel je gegeben hat. Wegen der extremen Hitze, unter der Musiker, Zuhörer und Instrumente zu leiden hatten, hatte der Verein das Konzert am Sonntag von der Burg Lichtenberg in die Fritz-Wunderlich-Halle verlegt, wie der neue Vorsitzende des Vereins, Yannick Ranker, in seiner Begrüßung erläuterte.
Zwar war es auch dort heiß und die Luft stickig, aber dank geöffneter Türen und Notausgänge wehte ab und an ein laues Lüftchen durch die gelichteten Reihen. Zudem wurden die Programme als Fächer zweckentfremdet, was etwas Linderung brachte. Diese Möglichkeit hatten die Ausführenden freilich nicht und schon bei der eingangs gespielten „Petite Suite Gauloise“ von Theodore Gouvy hatte das Bläsernonett im wahrsten Wortsinn alle Hände voll zu tun, um den Anforderungen der Partitur gerecht zu werden. Vielleicht, weil die neuen Holz- und Blechbläser selten oder nie in dieser Zusammensetzung musizieren, schien der Einsatz von Thomas Germain als Dirigent erforderlich, um die werkimmanenten Kontraste zwischen Holz und Blech oder hohen beziehungsweise tiefen Bläsern deutlich hervorzuheben. Besonders apart war dies im zweiten, mit dem Titel „Aubade“ überschriebenen Satz zu erleben, der geradezu schwelgend einlud, in den zelebrierten Klängen zu baden.
Soloposaunist Tim Wilson
Eher intellektuell „verkopft“ kamen dann die vier Intermezzi aus der Feder des DDR-Protagonisten Kurt Schwaen daher, dessen freie Behandlung der Tonalität den Streichern des Orchesters viel Einfühlungsvermögen in die Zusammenklänge abverlangte. Dafür hatte Tim Wilson aus Schellweiler als Soloposaunist umso mehr Freiraum, seinen samt-weichen Ton zu präsentieren. Eindrucksvoll meisterte er souverän sowohl hohe wie tiefe Lagen, virtuoses Laufwerk und wechselnde Dynamik.
Meilenstein der Musikgeschichte
Nach der Pause folgte mit der Serenade für Orchester von Johannes Brahms ein Meilenstein der Musikgeschichte mit einem formal wie harmonisch überbordenden Einleitungssatz, den die vereinigten Bläser und Streicher dem jugendlichen Übermut des Komponisten entsprechend auslebten. Wenngleich rhythmische Differenzen im Zusammenspiel zwischen Bläsern und Streichern sowie intonatorische Trübungen speziell innerhalb der tiefen Streichinstrumente nicht zu überhören waren. Ob dies der tropischen Hitze oder dem vielleicht selten geprobten Zusammenspiel der Ausführenden geschuldet war, sei dahingestellt.
Die Komposition allein rechtfertigt jedenfalls ihre wiederholte Aufführung durch ihre Ausnahmestellung innerhalb der Musikgeschichte und die Qualität ihrer Struktur. Wiener Walzerseligkeit und Melodien mit Ohrwurmqualität lassen immer wieder aufhorchen und das Gehörte auf dem Heimweg im inneren Ohr lange nachklingen.