Frohnhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Schritt in die Selbstständigkeit: Selina Wagner gründet einen Pflegedienst

Selina Wagner will nach eigener Aussage „wieder mehr Menschlichkeit“ in die ambulante Pflege bringen.
Selina Wagner will nach eigener Aussage »wieder mehr Menschlichkeit« in die ambulante Pflege bringen.

Schon bald ist Frohnhofen um einen Dienstleister reicher: Selina Wagner eröffnet in der St. Wendeler Straße einen Pflege- und Betreuungsdienst. Er trägt den Namen eines Engels. Was genau sie vorhat, hat die examinierte Altenpflegerin der RHEINPFALZ erzählt.

Bariel ist ein Engel. Und sein Name steckt in der Bezeichnung der Firma, die Selina Wagner Ende dieser Woche eröffnet: Bariel UG heißt der Pflege- und Betreuungsdienst, mit dem die 42-Jährige ein großes Einzugsgebiet bedienen will. Sie orientiert sich nicht nur in Richtung Kusel und St. Wendel, sondern auch in den Landkreis Kaiserslautern und den Saarpfalz-Kreis. In der Region klafft in Sachen Pflegedienste noch immer eine große Lücke, sagt Wagner: „Der Kreis Kusel ist, was das anbelangt, nicht flächendeckend versorgt. Natürlich gibt es Pflegedienste, doch die kommen an ihre Grenzen.“

Wechsel in eine andere Branche

Bereits zu Schulzeiten hat Selina Wagner nebenbei im Pflegebereich gearbeitet. „So habe ich mir damals mein Taschengeld verdient“, berichtet sie. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Friseurin, in dem Job fand sie jedoch keine rechte Erfüllung. Also stieg sie um in die Altenpflege, machte eine weitere Ausbildung und durfte sich ab Herbst 2017 examinierte Altenpflegerin nennen. Eine Weiterbildung zur Pflegedienstleiterin (PDL) ließ sie folgen. Aktuell ist sie noch im Bereich Außerklinische Intensivpflege beschäftigt. Diese beschreibt die medizinisch notwendige Versorgung von Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen oder Behinderungen außerhalb eines Krankenhauses.

Wagner spielt nach eigenen Angaben jedoch schon seit Jahren mit dem Gedanken, sich im Pflegesektor selbstständig zu machen. Als sie kurzzeitig als Leihkraft in einer Arbeitnehmerüberlassung tätig war, sei ihr erst recht klargeworden, dass sie ihren Arbeitsalltag und insbesondere das Thema Pflege nach eigenen Vorstellungen gestalten will.

„Wieder mehr Menschlichkeit“

„Mir ist es wichtig, die ambulante Pflege ein wenig neu zu erfinden“, beschreibt die gebürtige Saarländerin die Ziele ihres Unternehmens. Es geht ihr dabei nicht nur um die Pflege an sich, sondern auch um die Mitarbeiterführung. Da sie im Lauf ihrer Karriere erlebt hat, dass es auch ganz anders laufen kann, ist es ihr ein großes Anliegen, „wieder mehr Menschlichkeit in das Ganze zu bringen“, sagt sie. Ambulante Pflege und Betreuung seien nicht als Versagen zu verstehen, sondern als eine Art Neubeginn – das wollen Wagner und ihr Team mit ihrer Arbeit zum Ausdruck bringen. So kam es auch zu dem Engelsnamen im Firmentitel: Erzengel Bariel verheißt laut Wagner einen Neubeginn.

Mit drei Mitarbeitern – sich selbst eingeschlossen – will die examinierte Altenpflegerin starten. Eine vierte Kollegin fängt im November an. Ansonsten muss Wagner die Entwicklung der Nachfrage abwarten, betont sie: „Ich kann ja nur so viele Leute einstellen, wie ich auch bezahlen kann.“ Die Kundschaft müsse noch aufgebaut werden. Welche Leistungen bei den Kunden erbracht werden, sei abhängig vom jeweiligen Vertrag: Es gebe sowohl den Pflege- als auch den Betreuungsvertrag. Eine Kombination sei ebenfalls möglich. „Die klassischen Tätigkeiten in der ambulanten Pflege sind sehr umfangreich“, sagt Wagner. Dazu zählten zum Beispiel das Ankleiden und das Verabreichen der Medikamente. Der Betreuungsvertrag beinhalte auch hauswirtschaftliche Leistungen. „Betreuung bedeutet aber auch, dass man die betroffene Person zum Arzt begleitet oder einfach mal mit ihr spazieren geht.“

Begleitung und Entlastung zugleich

Das Portfolio des Unternehmens schließt neben der aktiven Unterstützung im Alltag auch beratende Tätigkeiten für die Angehörigen ein – zudem das Thema Nachtpflege. Letzteres umfasst vor allem die nächtliche Beaufsichtigung. Wagner: „Das entlastet einerseits die Angehörigen, die dadurch Schlaf finden, andererseits ist die Person selbst nicht auf sich allein gestellt.“

Die Tatsache, dass einige ältere Menschen eine Pflegekraft im Haus haben, die eine andere Sprache spricht, sieht die Frohnhoferin eher kritisch: „Neben der Sprachbarriere ist es für viele ältere Menschen kein gutes Gefühl, wenn rund um die Uhr eine Person bei ihnen lebt, die sie nicht richtig einschätzen können.“ In dieser Konstellation komme es nicht selten zu Konflikten.

Eröffnung findet am 19. Oktober statt

Ihre Geschäftsräume hat Selina Wagner in der St. Wendeler Straße 47 – in einem Haus, das direkt an ihr Wohnhaus angrenzt. In den kommenden Tagen hat die angehende Geschäftsführerin noch einige Vorbereitungen zu treffen. Für Samstag, 19. Oktober, 14 Uhr, ist dann die offizielle Eröffnung geplant. Sie findet im Frohnhofer Bürgerzentrum Kohlbachtal statt. Gäste erhalten an diesem Tag Informationen zu den Themen Pflege und Betreuung sowie zu geplanten Veranstaltungen in Frohnhofen. Wagner plant für die Zukunft nämlich unter anderem ein Schulungsangebot. Beispielsweise soll es Schulungen für pflegende Angehörige geben.

Info

Selina Wagner bittet um Anmeldung für die Eröffnungsveranstaltung. Kontakt unter der Telefonnummer 06386 9978139 oder per Mail an info@bariel-pbd.de.

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