Hinzweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Reportage beim Ostereierschießen: Anlegen, zielen und auf einen Treffer hoffen

Hans Dippi erklärt RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Hannah Kaiser, worauf sie beim Bogenschießen achten muss.
Hans Dippi erklärt RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Hannah Kaiser, worauf sie beim Bogenschießen achten muss.

Die Schützengilde Hinzweiler veranstaltet seit über 30 Jahren ihr Ostereierschießen. Nach zwei Jahren Pause konnten Interessierte am Sonntag wieder ihr Schießgeschick unter Beweis stellen. Die Treffer wurden mit bunten Ostereiern belohnt. Doch Treffen ist gar nicht so leicht.

Obwohl es noch früh am Morgen ist, sind schon einige Ostereierschützen auf dem Gelände unterwegs. „Unser Ostereierschießen ist sehr beliebt“, weiß Hans Dippi, Vorsitzender der Schützengilde. Er hofft deshalb auf einen ähnlichen Zulauf wie in den Jahren vor der Pandemie. „Ich gehe davon aus, dass etwa 5000 Eier geschossen werden“, vermutet er.

Nachdem Dippi mir alle Stationen gezeigt hat, wähle ich Pfeil und Bogen für meine Ostereischieß-Premiere. Am Stand schaue ich mich um. Neben zahlreichen Pfeilen liegen dort verschiedene Bögen bereit: große, kleine, manche aus Holz, andere aus schwarzem Kunststoff. Ins Auge sticht auch die außergewöhnliche Zielscheibe: In ihrer Mitte befindet sich ein Osterhase, der von vielen bunten Ostereiern umgeben ist. Wer eines der aufgemalten Eier trifft, darf sich über zwei echte Ostereier freuen.

Wahres Naturtalent

Von denen gewinnt der siebenjährige Paul Weinig eine ganze Menge. Er ist vor mir an der Reihe. Gemeinsam mit Vater Sebastian schießt er begeistert um die Wette. Die Familie sei im Schützenverein, erklärt der Vater. Obwohl Paul sich das erste Mal am Schießstand ausprobiert, erzielt er Treffer um Treffer. Die Zuschauer nicken anerkennend. „Ein wahres Naturtalent“, findet auch Stefan Fischer, der den Besuchern am Schießstand mit Tipps zur Seite steht. Ich passe gut auf, um nach der beeindruckenden Leistung von Paul wenigstens etwas mithalten zu können.

„Seitlich hinstellen, den linken Arm durchstrecken und mit dem rechten die Sehne des Bogens bis zur Wange ziehen.“ Im Kopf gehe ich nochmal die Anweisungen durch. Pfeil und Bogen hatte ich das letzte Mal im Kindesalter in der Hand – damals mit Gummipfeilen. „Den Daumen ans Ohr und die Sehne neben den Mundwinkel“, erklärt Fischer. Als Mitglied und Jugendtrainer im Schützenverein weiß er, wovon er spricht. Ich kneife das linke Auge zu und ziele auf die Scheibe. Und schieße voll vorbei. „Nicht so einfach wie gedacht, oder?“, fragt Fischer und rät: „Du musst vor dem Loslassen ein wenig nach unten zielen.“ Nächster Versuch. Diesmal treffe ich immerhin den äußeren Rand der Scheibe. „Schon besser“, findet auch Fischer. Mein Ehrgeiz ist geweckt.

Test mit dem Luftgewehr

Der Trainer gibt mir einen anderen Bogen. Einen aus Kunststoff. Der ist leichter als der Holzbogen, mit dem ich zuvor geschossen habe. „Du musst aufpassen, dass der Pfeil nicht an deiner Jacke hängen bleibt. Am besten trägt man beim Schießen enge Kleidung“, lautet Fischers nächster Tipp. Mit dem neuen Bogen versuche ich es erneut. „Sogar ein Osterei!“, freue ich mich. Endlich habe ich die Zielscheibe getroffen. Auch die nächsten Schüsse sitzen. Zufrieden mit meiner Leistung mache ich mich auf den Weg zum zweiten Schießstand. Dieses Mal versuche ich mich am Luftgewehr.

Doch zuvor stehen einige Trockenübungen an. „Es ist wichtig, zuerst ein Gefühl für das Zielbild und den Abzug zu bekommen“, betont Vereinsmitglied Hans Dieter Schreck. Nachdem ich das erste Mal den Abzug des Luftgewehrs betätigt habe, weiß ich, was er meint. Erschrocken zucke ich zusammen. „Das ging ganz schön schnell“, stelle ich fest. Bis zu diesem Tag hatte ich noch nie ein Gewehr in der Hand. Die zehn Meter entfernte Zielscheibe treffe ich dennoch – wenn auch am Rand. Insgesamt ein erfolgreicher Vormittag, der mit einem warmen Essen im Vereinshaus belohnt wird.

Weite Anreise

Nicht nur das Ostereierschießen lockt Besucher an das Schützenhaus. Parallel dazu findet zum zehnten Mal das 3D-Parcours-Turnier statt. „143 Personen nehmen teil. Das ist die höchste Zahl, die wir jemals hatten“, sagt Dippi stolz. Bei dem 7,5 Kilometer langen Parcours gibt es 28 Ziele, die aus unterschiedlichen Entfernungen mit Pfeil und Bogen getroffen werden müssen. Die aus maximal sechs Personen bestehenden Gruppen haben dafür je drei Versuche. Bei den Zielen handelt es sich um modellierte Tiere aus Schaumstoff. „Das kann ein Wolf sein, der zum Sprung ansetzt, aber auch eine kleine Ratte“, schildert Peter Pirron, Bogentrainer der Schützengilde. Für das Turnier kommen die Teilnehmer von weit her: „Viele haben eine bis zu 500 Kilometer lange Anreise auf sich genommen“, betont Dippi.

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