Kreis Kusel
Rehkitzrettung beendet Saison: Gemeinsame Anstrengung gegen „unerträgliches Tierleid“
Im Frühsommer kommen immer wieder Rehkitze ums Leben oder werden schwer verletzt, die bei der Heu- und Silageernte von Mähern erwischt werden. Denn im Gegensatz zu älteren Rehen flüchten die Kleinen nicht, sondern versuchen, sich im hohen Gras zu verstecken. Eigentlich eine Überlebensstrategie, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Die Kitze machen sich so klein, dass sie von Landwirten auf dem Traktor beim Mähen kaum zu erkennen sind. Um das Wild zu retten, waren in der Vergangenheit Landwirte und Jäger am Vorabend oft mit Hunden in den Wiesen unterwegs, um Rehe aufzuscheuchen und so aus der Wiese zu vertreiben. Nachts kommen die Rehe dann zurück und holen ihren Nachwuchs. Doch das klappt nicht immer – und manche Kitze bleiben liegen.
Alternativ werden die Wiesen vorm Mähen mit Helfern und Hunden abgesucht, aber auch so würden immer wieder Jungtiere übersehen, schildert Jens Klink, Stellvertretender Kreisjagdmeister und einer der beiden Organisatoren der Kitzrettung in der Kreisjagdgruppe Kusel. Gemeinsam mit Erhard Kannengießer koordiniert er die Einsätze der Teams. Klink: „Früher haben wir beim Abgehen vielleicht zehn Prozent der Kitze gefunden, heute sind es 90 Prozent.“
Kreisjagdmeister: „Jede Anstrengung wichtig, um sowas zu vermeiden“
Mit „heute“ meint er den seit Jahren bewährten Einsatz von Flugdrohnen mit Wärmebildkamera. Aus der Luft lassen sich die kleinen Kitze in den frühen Morgenstunden dadurch gut erkennen – ihre Körperwärme hebt sie auf den Displays farblich gut von der Umgebung ab. Der Drohnenpilot weist seine Helfer dann zu der Stelle, wo sie das Kitz vorsichtig hochnehmen und aus der Wiese heraustragen, die gemäht werden soll. Kreisjagdmeister Bernd Klinck betont, wie wichtig diese Arbeit ist: „Das Tierleid, wenn einem Kitz Gliedmaßen abgemäht werden, ist unerträglich. Da ist jede Anstrengung wichtig, sowas zu vermeiden.“ Solche Unfälle machten auch den Bauern zu schaffen, sagt Klinck: „Das will niemand.“
Für dieses Jahr ist die Saison der Rehkitzrettung beendet: Mittlerweile sind die Tiere alt genug, um selbst vor sich nähernden Traktoren zu flüchten. 2025 wurden von den 16 Drohnenteams der Kreisgruppe 394 Kitze gesichert, also aus einer Wiese getragen. Außerdem wurden gut 300 Kitze gezählt, die bei den Einsätzen selbst geflüchtet sind, berichtet Klink. 3790 Hektar Grünland seien in diesem Jahr abgesucht worden. Neben Rehen wurden auch Junghasen, Lerchennester und Fasanengelege gerettet. Die Vogelnester würden allerdings nicht hochgehoben, sondern gut sichtbar abgesteckt, damit der Landwirt um sie herum mähen kann.
Ein dickes Lob für die ehrenamtlichen Helfer
Lob hat der Drohnenkoordinator nicht nur für die Piloten, die teilweise mit ihren eigenen Geräten im Einsatz sind, sondern vor allem für die Helfer. Die stünden in frühen Morgenstunden parat, um sich durch Wiesen scheuchen zu lassen. Über eine Whatsapp-Gruppe sind die 80 Freiwilligen vernetzt, laut Klink in der Mehrheit Frauen. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten funktioniere nach vier Jahren Kitzrettung Kusel weitestgehend reibungslos: „Zu 80 Prozent läuft es super, bei 20 Prozent ist noch Luft nach oben.“ Dabei sei es gesetzlich vorgeschrieben, dass die Landwirte vorm Mähen ihre Wiesen nach Wildtieren absuchen. Klink: „Wir Jäger unterstützen dabei – wenn man uns fragt.“
Ihn ärgere es, wenn ein Drohnenteam samt Helfern frühmorgens pünktlich eine Wiese erreicht, die schon halb gemäht ist. „Das geht nicht. Wir versuchen alles, um in der Mähzeit möglichst schnell zu helfen und Termine einzuhalten.“ Sowas komme jedoch nur selten vor. In der Regel freuten sich die Landwirte über die Hilfe. Der Kitzrettung der Kreisjagdgruppe haben sich etliche Jagdpächter und Jagdgenossenschaften, die Drohnen besitzen, angeschlossen. Andere sind in ihren Revieren selbst zugange, um mit der modernen Technik Rehe zu retten. Ohne diese gemeinsame Anstrengung von Jägern, Landwirten und Freiwilligen sei es nicht zu schaffen, einen Großteil der Wiesen im Landkreis abzuarbeiten.
Drohnen sind das ganze Jahr über im Einsatz
Die drei eigenen Drohnen des Kreisjagdverbands verschwinden jetzt allerdings nicht bis nächsten Frühsommer im Schrank, wie Klink verrät. Die Geräte kommen beispielsweise bei der Suche nach vermissten Haustieren zum Einsatz, ebenso bei Wildunfall-Nachsuchen und sogar bei Personensuchen. Unterm Strich also „immer, wenn wir angefordert werden“, betont der Stellvertretende Kreisjagdmeister. Zur Unterstützung bei der Jagd würden die Geräte dagegen nicht eingesetzt. Kreisjagdmeister Bernd Klinck: „Wir Jäger haben einen Kodex und wir sollten den auch beibehalten.“ Man nutze die Geräte nur waidmännisch – also fachgerecht und nach den vorgegebenen Regeln.
Ein netter Nebeneffekt der Kitzrettung für den Kreisjagdverband sei, dass sich Menschen für die Natur und Jagd interessieren, die dann sogar ihren Jagdschein machen. „Wir haben mehrere Jungjägerinnen, die über die Drohneneinsätze zu uns gefunden haben“, sagt Klinck erfreut.
Info
Wer sich für eine Mitarbeit interessiert oder die Kitzrettung zur Hilfe anfordern möchte, kann sich bei Jens Klink (0171 7406569) und Bernd Kannengießer (0176 41943507) melden.