Kreis Kusel Raritäten der Romantik

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Schüler und Lehrer musizieren gemeinsam: Das ist das Konzept von Villa Musica in Mainz, der Stiftung zur Förderung des Musikernachwuchses in Rheinland-Pfalz, das sich seit 30 Jahren bewährt hat. Auch am Sonntag überzeugten die Dozenten Sayaka Shoji, Violine, und Cellist Alexander Hülshoff die 130 Besucher in der Kultur- und Festhalle Waldmohr zusammen mit den Stipendiaten Akihiro Takeda, Julian Bachmann, Meri Tschabaschwili, Alba Gonzales und Friedemann Jörns in einem Kammermusikprogramm mit Raritäten der Romantik.

Auf die antiken Mythen nahm das erste Werk Bezug: Franz Liszts sinfonische Dichtung „Orpheus“ aus dem Jahr 1854, von dem französischen Komponisten Camille Saint-Saëns für Klaviertrio bearbeitet, zeichnete in weichen Klangbögen und warmen Farben die Trauer von Orpheus um seine geliebte Frau Eurydike nach, der der Mythologie zufolge sogar wilde Tiere rühren und den Tod bezwingen konnte – für den Romantiker Liszt ein Symbol für die Allmacht der Kunst. Geiger Akihiro Takeda, Cellist Julian Bachmann und Pianistin Meri Tschabaschwili fanden stilsicher die Balance zwischen überbordender romantischer Schwermut und Expressivität und kammermusikalischer Subtilität. Höchste Klangtransparenz und klare Konturen charakterisierten die Ästhetik des thematisch eng verwobenen Klavierquartetts Es-Dur Opus 47 von Robert Schumann, dessen Besetzung mit Klavier, Violine, Viola und Cello für die Romantik um 1840 ungewohnt, fast schon exotisch war. Angeregt durch Impulse des Klaviers, entwickelten Sayaka Shoji und Meri Tschabaschwili ungeachtet der weich phrasierten Melodiebögen der Geigerin Shoji spannungsreiche, vorwärts drängende Themen. Vor allem das zupackende, prägnant umrissene Spiel der wundervoll miteinander harmonierenden Musiker faszinierte. Lebhafte Unruhe kennzeichnete das Scherzo. Die bebenden und vibrierenden, kurzgliedrigen Themenfragmente und Motive schienen miteinander in Dialog zu treten, sich abzulösen und sich dabei auch schon mal gegenseitig „ins Wort zu fallen“. Durch seinen weichen und liedhaften Charakter begeisterte das ausdrucksvoll in dunklen, satten Streicherfarben gestaltete, sehnsuchtsvolle Thema des Andante cantabile, das aber nie in überzogenes Pathos abdriftete, sondern immer durch die stilbewusste Interpretation überzeugen konnte. Virtuosität und Stilsicherheit bestimmten das rasante Finale, wobei das spieltechnische Können der Musiker aber nie reiner Selbstzweck war, sondern sogar in der hochvirtuosen Kadenz immer im Dienst des künstlerischen Ausdrucks stand. Auch die künstlerische Deutung des Streichsextetts Nr. 1 B-Dur Opus 18 von Johannes Brahms fesselte durch den klaren Gestaltungswillen der Musiker. Weich und innig, in warmen Klangfarben und doch bewegt kristallisierte sich das Thema des Allegro in dem Jugendwerk des gerade einmal 26-jährigen Komponisten heraus und gewann zunehmend an Kraft und Expressivität. Spannungsmomente, die durch das Aufbrechen des Themas entstanden, hoben die Nachwuchstalente in einer klaren, markanten Handschrift hervor. In die dunklen Begleitfiguren setzten die hellen Streicher mahnend-fragende Impulse. Das Andante ist durch ein immer wiederkehrendes Thema in Variationsform geprägt, das um sich selbst zu kreisen scheint – eine typische Gestaltungsform des Barock. Inhaltlich aber zitiert Brahms immer wieder volksliedhafte Elemente. Doch im Spiel der Geiger Sayaka Shoji und Akihiro Takeda, der Bratschisten Friedemann Jörns und Alba Gonzales sowie Alexander Hülshoff und Julian Bachmann am Cello verbanden sich diese unterschiedlichen Prinzipien zu einer stimmigen Einheit. Gefühlvoll, aber mit klarem künstlerischem Gestaltungswillen ausgeformt, fesselte auch das unruhig-bewegte, sehr klar artikulierte Scherzo. Folkloristische Pizzicati unterstrichen die Spannung dieses Satzes, bevor das durch seine atmosphärische Dichte bezwingende Werk mit einem Rondo voll Dynamik und packender Dramatik ausklang.

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