Kusel / Haschbach
Raphael Staudt behält als Organisatorischer Leiter Katastrophenschutz einen ruhigen Kopf
„Ab vier Schwerverletzten kommen wir ins Spiel“, erklärt Raphael Staudt, wann sein Piepser anspringt – bei einer Katastrophe, einem Unfall, einem Brand. Dann ist ein sogenannter Organisatorischer Leiter Katastrophenschutz für den Bereich Rettungs- und Sanitätsdienst erforderlich, der zusammen mit dem leitenden Notarzt die Einsatzleitung übernimmt. Jeweils vier Männer sind für diese Posten nominiert.
Er habe diese Aufgabe schon zweimal kommissarisch übernommen, weil er als Notfallsanitäter eben der erste an der Unfallstelle war, da sei man automatisch zuständig und fange an, die Organisation aufzubauen, bis der Katastrophenschutz komme: Etwa als 2017 die Nanzdietschweilerer Straußjugend bei einem Traktorunfall am Glan-Münchweilerer Kreisel verunglückte und als 2018 das Pro-Seniore-Pflegeheim in Lauterecken brannte.
Feuerwehr, Rettungsdienst, SEG
Wie er es schafft, in solchen Situationen ruhig zu bleiben? „Das hat was mit der Ausbildung und der Erfahrung zu tun“, sagt der Haschbacher. „Umso mehr ich übe und trainiere, umso kühler bleibt man in Stresssituationen, spult Algorithmen ab.“ Hilfreich ist sicherlich auch, dass er eine grundsätzlich gelassene Person ist. „Es braucht viel, damit ich aus der Haut fahre.“
Mit 16 Jahren trat Staudt der Haschbacher Feuerwehr bei, ist auch in Kusel aktiv. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium auf dem Rossberg machte er ein freiwilliges soziales Jahr – auf der Rettungswache in Kusel, wo er dann auch die Ausbildung zum Notfallsanitäter absolviert und noch immer dort arbeitet. Bei der Schnellen Einsatzgruppe (SEG) Sanität des DRK ist er seit 2013 aktiv, derzeit als Gruppenführer. Doch er sucht einen Nachfolger, auch weil sich diese Funktion im Einsatzfall mit seiner neuen Aufgabe nicht vereinen ließe. Selbiges gilt für seinen Job als Notfallsanitäter – was übrigens alle seine Kollegen sind. Da alle vier auf der Wache in Kusel arbeiten, sei auch gewährleistet, dass sie nie alle gleichzeitig in Urlaub sein könnten, sagt Staudt. Als Organisatorischer Leiter ausgerückt wird also in der Freizeit.
Vom Sammelplatz bis zur psychosozialen Hilfe
Beispielsweise müsse ein Rettungsmittelhalteplatz eingerichtet werden, wo alle Einsatzfahrzeuge empfangen und registriert werden. Auch ein Notfallraum sei bei einigen Katastrophen-Szenarien erforderlich. Auch die psychosoziale Betreuung müsse manchmal organisiert werden. Wenn mehrere Organisatorische Leiter und leitende Notärzte zur Einsatzstelle kämen – alarmiert werden alle gleichzeitig – übernehme einer „ganz oben an der Pyramide“ und delegiere einzelne Bereiche weiter. Übergeordnet ist ihnen übrigens der Landrat und der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur, Norbert Braun.
Dass Raphael Staudt diese neue Funktion übernimmt, sei seit zwei Jahren geplant, berichtet der 30-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Doch sei die erforderliche Qualifikation an der Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie in Koblenz erst jetzt möglich gewesen: Sieben Tage vor Ort plus drei Wochen Online-Selbststudium. Jährlich wird er ab nun, wie alle seine Kollegen, Fortbildungen absolvieren müssen.
Katastrophenpläne werden stets weiterentwickelt
Zu seinem Aufgabenbereich wird auch die Vorbereitung und Durchführung von Übungen gehören, die immer wieder mit unterschiedlichen Szenarien und Zusammensetzungen der Einheiten abgehalten werden. „Wir müssen uns noch verbessern“, sagt Staudt, meint damit Ausstattung, Ausbildung und Personal im Katastrophenschutz. Die Katastrophe im Ahrtal, wo er auch in beratender Funktion geholfen hat, habe gezeigt: „Man merkt, dass man doch verwundbar ist.“
Der Fall Sonderalarm Rettungsdienst, eingeführt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, von dem immer auch in der Schule gesagt worden sei „das wird nie passieren“, ist da dann doch ausgelöst worden. Die Einsatz- und Katastrophenpläne würden auch immer weiter verfeinert, weiß Staudt. „Es gibt immer wieder Anpassungen, bestimmt auch durchs Ahrtal, das ist ein dynamischer Prozess“, von dem er zukünftig ein Teil ist.