Meinung
Rückkehr der Bundeswehr: Die Pläne für den Windhof müssen jetzt auf den Tisch
Speyer und Kusel haben nicht viele Gemeinsamkeiten. Eine aber ist, dass ein früheres Militärgelände teilweise über Jahre brachlag und zum Teil vom Land Rheinland-Pfalz als Unterkunft für geflüchtete Menschen genutzt wird. In Speyer, in der ehemaligen Kurpfalzkaserne, und in Kusel, in der vormaligen Uffz.-Krüger-Kaserne, sind vor über zehn Jahren Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende eingerichtet worden. In Kusel damals sogar quasi über Nacht, als Katastrophenschützer und andere freiwillige Helfer mit anpackten, um in Windeseile alles aufzubauen. Kleidung wurde gesammelt, Helferdienste eingeteilt – die Hilfsbereitschaft war riesig. Die Bevölkerung der Stadt Kusel und des Landkreises hat gezeigt, was machbar ist, wenn man zusammenarbeitet.
Aus den verschiedenen Gründen ist die anfängliche Euphorie nach und nach verschwunden. Unter anderem, weil etlichen Helfern der ersten Stunde vor den Kopf gestoßen wurde. Kusel wurde in den vergangenen Jahren viel zugemutet, zu viel, wie einige fanden und im Herbst 2023 gegen eine geplante Erweiterung der Einrichtung auf dem Windhof protestierten: 1000 Flüchtlinge in einer Stadt mit 5000 Einwohnern – da stimme das Verhältnis nicht mehr, wurde damals moniert.
Rückkehr der Truppe rückt in greifbare Nähe
Zwar sind zurzeit deutlich weniger Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht, aber die Stimmung ist spürbar abgekühlt. Da ist es wenig verwunderlich, dass sich viele Einwohner der Kreisstadt (und darüber hinaus) eine Rückkehr der Bundeswehr gut vorstellen können. Sogar wünschen.
Diese Rückkehr gilt als wahrscheinlich, denn tatsächlich sprechen etliche Punkte für Kusel als Standort. Unter anderem die Nähe zum Truppenübungsplatz und zur Artillerieschule machen den Standort „einzigartig in Deutschland“, wie Thomas Danneck, Kreisbeigeordneter und Beauftragter des Landkreises für die Liegenschaft auf dem Windhof, im Mai 2025 der RHEINPFALZ sagte. Längst wirbt der ehemalige Soldat nicht mehr alleine für eine Reaktivierung: Durch die Bank beteuern nahezu alle der politischen Verantwortungsträger im Landkreis, die Landtags- und der Bundestagsabgeordnete, dass sie sich dafür einsetzen. Natürlich mit aller Kraft.
In Speyer freuen sich nicht alle über die Rückkehr
Eigentlich sei die Rückkehr ja beschlossen, sogar konkrete Planungen lägen schon vor, wird erzählt. Allein: Eine schriftliche Bestätigung steht noch aus. Im Gegensatz zu Kusel – um wieder den Bogen zum Beginn des Textes zu spannen – liegt eine solche offenbar einem Speyerer CDU-Landtagskandidaten vor. Er hat vom Bundesverteidigungsministerium die Bestätigung bekommen, dass die Bundeswehr nach Speyer zurückkehren will. Was dort übrigens nicht allen gefällt, denn die Stadt hatte durchaus andere Pläne für das Areal ...
Was heißt das nun für Kusel? Kommt die Bundeswehr zurück, aber in kleiner Besetzung und nur auf dem früheren technischen Teil des Geländes? Kehrt das Militär in Bataillonsstärke oder mehr zurück? Was passiert mit der AfA? Bleibt die Einrichtung, wächst sie gar? Das sind alles Fragen, die sich die Bürgerinnen und Bürger stellen. Und deren Antworten Auswirkungen auf die Landtagswahl hätten, die in gut drei Wochen stattfindet.
Rückkehr ist nicht gleich Rückkehr
Auch Landrat Johannes Huber weiß, dass nun die Zeit drängt: Denn wenn die Entscheidung nicht vor der Wahl verkündet wird, droht die Bundeswehr-Rückkehr für Kusel ein Reinfall zu werden. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Bundeswehr wieder einzieht, aber lediglich einen Teil der Fläche als Unterstellmöglichkeit für Fahrzeuge nutzt. Oder: Es kommt nur eine kleine Einheit nach Kusel. Der erhoffte spürbare Aufschwung durch Soldatenfamilien, Handwerker- und Dienstleistungen würde damit verpuffen.
Nach der Wahl droht die Gefahr, dass genau das passiert und Kusel hinten runterfällt: Mini-Bundeswehrstandort, große AfA – und keine Chance mehr für auch nur kleine Ansiedlungen von Betrieben, die der Stadt oder der Region nutzen bringen könnte. Selbst wenn die Bundeswehr-Rückkehr vor der Wahl verkündet wird – was nicht unwahrscheinlich ist –, gilt es genau hinzuschauen, wie die Pläne konkret aussehen. Damit Kusel nicht hinten runterfällt.