Waldmohr
Polizei schaut sich am Rasthof die Wohnmobile der Reisenden genau an
Samstag, 13 Uhr, Autobahnrasthof Waldmohr an der A6: Ungezählte Polizeiwagen, Motorräder und Beamte in Uniform. Rot-weiße Leitkegel kennzeichnen zwei Kontrollspuren für auserwählte Fahrzeuge. Ein bis zur Oberkante voll beladener Kleintransporter parkt links von der Kontrollstation, sein Fahrer telefoniert hektisch; er darf so nicht weiterfahren.
Gegenüber steht ein silberner Skoda mit Wohnwagenanhänger. Wichtige Zulassungspapiere fehlen. Auch sein Insasse telefoniert aufgeregt. Irgendwie muss ein Nachweis oder eine Kopie beschafft werden, sonst steht auch hier die Weiterfahrt auf der Kippe.
„Wenn man hierher kommt fragt man sich, welche Ganoven hier gefangen werden sollen!“, kommentiert Ferienreisende Elisabeth Kohler das polizeiliche Großaufgebot aus einiger Entfernung.
Vier Länder, ein Einsatz
So oder so ähnlich dürfte es am Samstag vielen Reiseverkehrsteilnehmern ergangen sein, die auf der A 6 bei Waldmohr in Richtung Frankreich unterwegs waren. Eine länderübergreifende Verkehrskontrolle des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kooperation mit dem Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik sowie dem Landespolizeipräsidium des Saarlandes, der Bundespolizei und dem Hauptzollamt Saarbrücken sorgte von 10 bis 17 Uhr für mächtig Betrieb am Rasthof Waldmohr. Im Fokus der Kontrolle: Wohnwagengespanne und Reisemobile. Dabei gehe es bei der Überprüfung jedoch weniger darum, echte Ganoven zu fangen, sondern vielmehr um die Sicherung des Fernreiseverkehrs. Prävention steht im Vordergrund.
„Die Idee resultiert aus dem Arbeitskreis Verkehrssicherheit der Länder Luxemburg, Belgien, Frankreich, Rheinland-Pfalz und Saarland“, erklärt Einsatzleiter Heiko Thum im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Eine Kontrolle in dieser Form hat es so noch nicht gegeben, findet heute zum ersten Mal statt!“
Alle auf die Waage
Mit rund 70 Beamten ist er vor Ort, um zu überprüfen, zu beraten, aber auch um gegebenenfalls einzuschreiten, wenn gravierende Verstöße vorliegen. Parallel zur Kontrollstation an der Raststätte wurden auch Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen auf der A 6 und der A 62 durchgeführt, um den Hauptunfallursachen für Unfälle mit Verletzten vorzubeugen. 50 Meter beträgt der Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug auf Autobahnen für Wohnmobile mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen.
Laut Polizeipräsidium Westpfalz kommt vor allem der A 6 als Transitstrecke zu den Ferienzielen in Frankreich oder Spanien eine besondere Bedeutung zu, weshalb der Standort für die deutsche Kontrollstation bewusst gewählt wurde. Gleichzeitig fänden weitere Kontrollen in den beteiligten Ländern des Arbeitskreises statt.
„Der Terminvorschlag für den Kontrolltag kam von Seiten Frankreichs“, erklärt der Einsatzleiter. „Da heute in Frankreich die Ferien beginnen und auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland noch Sommerferien sind, hat sich der Arbeitskreis auf den 1. August geeinigt.“ Und tatsächlich: Einsatzleiter Thum zeigt sich überrascht vom hohen Aufkommen der Ferienreisenden, von den vielen Reisemobilen, Wohnwagengespannen und Pkw mit Dachboxen. „Überraschenderweise ist heute doch sehr viel Reiseverkehrsklientel auf den Straßen unterwegs. Heute Morgen noch mehr als jetzt!“, sagt er am Mittag.
Der Darmstädter darf weiter
Gleicher Ort, gleiche Uhrzeit, in der ersten Kontrollspur: Ein Polizeibeamter mit quietschgelber Warnweste und weißer Dienstmütze weist mit großen, eindeutigen Handzeichen ein größeres Wohnmobil in die erste Kontrollbahn ein. Zunächst werden die Fahrzeugpapiere sowie die Fahrerlaubnis überprüft, danach geht es zur Gewichtsmessung. Achse für Achse. Bei dem kontrollierten Wohnmobil mit Darmstädter Kennzeichen scheint alles im Normbereich zu liegen. Es darf weiterfahren.
Das ist längst nicht immer so: „Gerade ältere Wohnwagen haben nicht selten ein hohes Leergewicht und ein nur geringes zulässiges Gesamtgewicht. Die Erfahrung vorangegangener Kontrollen zeigt, dass viele Wohnwagen und Reisemobile oftmals überladen sind“, gibt das Polizeipräsidium Westpfalz in seiner Pressemitteilung an. Die Folge: ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko aufgrund des längeren Bremswegs und einer schlechteren Fahrstabilität.
Auch Autofahrer erwischt’s
„Bisher haben wir nur geringfügige Verstöße zu verzeichnen!“, erzählt Einsatzleiter Thum. „Bei einem Pkw-Fahrer mussten wir jedoch eine Blutprobe veranlassen; da sind wahrscheinlich Drogen im Spiel.“
Insgesamt 154 Fahrzeuge aus 15 europäischen Ländern kontrolliert das polizeiliche Aufgebot an diesem Tag, darunter 61 Wohnmobile und 46 Wohnwagengespanne, 31 Sprinter und 16 Pkw. In 18 Fällen hätten die Fahrer ihr Auto oder ihren Anhänger überladen. Zwölfmal sei die Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert gewesen, wird es am Ende in einer Bilanz heißen.
Das sind Fehler, die immer wieder auftreten. Präventive Beratungsgespräche mit speziell geschulten Verkehrssicherheitsberatern sowie ein von der Polizeiautobahnstation Kaiserslautern entwickelter Flyer soll die Fahrer für die wichtigen Themen um die Beladungssicherung, zulässige Gewichte, Bereifung und Abstand sensibilisieren. Prävention steht eben im Vordergrund.
Prävention im Mittelpunkt
Gleicher Ort, wenige Minuten später, etwas abseits der Kontrollstation: Ehepaar Kohler aus dem Raum Nürnberg beobachtet interessiert die Kontrolle eines weißen Mitsubishis mit Dachbox. „Wir wurden durchgewunken trotz Wohnwagens! Hatten wohl Glück!“ Das Ehepaar ist nach eigenen Angaben auf dem Weg zur luxemburgischen Grenze, um die Enkelkinder für die Ferien abzuholen. „Reinfahren dürfen wir wohl nicht, sonst müssten wir 14 Tage dort in Quarantäne bleiben. Wir holen die Enkel an der Grenze nur ab und fahren dann wieder zurück, dass sie mal richtig Urlaub in Bayern machen können!“, sagt sie. Und er ergänzt lachend: „Mit gescheitem fränkischem Essen!“
Zum ersten Mal hat das reisende Paar einen Wohnwagen ausgeliehen. „Wir dachten, wir probieren das mal aus!“, erzählt Elisabeth Kohler. Dass die Beiden in ein solches polizeiliches Aufgebot geraten, damit hätten sie nicht gerechnet. Dennoch begrüßen sie die präventive Kontrollmaßnahme. Und auch Einsatzleiter Heiko Thum bestätigt die überwiegende Einsicht der Fahrer. „Bislang war noch keiner genervt!“, erzählt er schmunzelnd. „Vielmehr wird die Beratungsfunktion dahinter erkannt und der Flyer auch gerne angenommen!“
Siebenmal musste die Polizei an diesem Tag die Weiterfahrt kurzfristig untersagen, weil Dokumente fehlen oder umgeladen werden muss. Die Gefährte von Ferienreisenden seien davon jedoch nicht betroffen gewesen, heißt es in der schriftlichen Bilanz am Abend. So konnten doch alle Touristen ihren Weg in den wohlverdienten Urlaub fortsetzen und zudem noch ein sicheres Gefühl einheimsen.