Haus und Hof
Platz für viele Tiere im Lohnweilerer Gartenparadies
„Ich hatte draußen schon eingedeckt“, berichtet die 71-Jährige Ellen Hebel – und dann kam der fast unwetterartige Regen. Beim RHEINPFALZ-Besuch war es dann zwar wieder trocken, aber sicherheitshalber wurde der frisch gebackene Käsekuchen in der gemütlichen Küche verspeist. Durch zwei Fenster lassen sich schon Einblicke in den Garten erhaschen.
Ellen und Ernst Hebel sind seit 55 Jahren verheiratet, haben einen Sohn und zwei erwachsene Enkel und leben im Elternhaus der 71-Jährigen. Dieses stammt aus dem Jahr 1927 und hat eine Grundstücksfläche von rund 1300 Quadratmetern. Nicht nur im Gebäude, sondern auch im Außenbereich hat sich über die vielen Jahre offenkundig einiges getan, denn bis etwa 1995 befand sich rund um das Gebäude ein reiner Nutzgarten.
Auch im Veldenzschloss schon tätig
„Das ist alles selbstgemacht, sonst wäre das nicht möglich gewesen“, berichtet Ernst Hebel, noch bevor er das große Tor zum Garten öffnet. „Ich habe Fliesenleger gelernt, umgesattelt auf Natursteintechniker und war 50 Jahre in dem Bereich tätig.“ Im Garten zeigt sich das eindrucksvoll, denn die Natursteinböden, Wege und Mauern fügen sich in das vielfältige Grün perfekt ein. Fels, Sandsteine und Granit sind verbaut und zahlreiche Figuren aufgestellt. „Ich hatte alles vor Augen und dann Pläne gemacht, denn ohne Plan geht es einfach nicht. Reinwursteln ist nicht“, sagt der 73-Jährige.
Von Ernst Hebels Arbeit kann man sich auch im Lauterecker Veldenzschloss ein Bild machen. Dort hat er unentgeltlich den Kellerboden verlegt, unterstützt von städtischen Arbeitern. Damals heimste er gar Applaus von einer französischen Schulklasse ein, denn der damalige Stadtbürgermeister Heinrich Steinhauer hatte den jungen Leuten vom Engagement berichtet, erinnert Hebel sich lächelnd an den Moment zurück. Auch am Fachwerk habe er die Außenanlage gestaltet und die Stufen zum Gebäude gesetzt. All das, weil er seine Arbeit liebt und ihr mit Leidenschaft nachgeht. Das brachte ihm 1993 gar eine Ehrung des Landes Rheinland-Pfalz für handwerklich hervorragende Arbeit ein. Damals war er dabei gewesen, als im Frauengefängnis Zweibrücken der Hof mit Brunnen gestaltet wurde.
Ein Wassergraben aus den Wäldern
Doch nicht nur Ernst Hebel, auch seine Ehefrau hat ungezählte Stunden im Garten gearbeitet. Mitten in einer Wiese, die Apfelbäumen Platz bietet, gibt es einen Graben, der Wasser aus den Wäldern führt und an diesem Tag ordentlich plätschert. Eine selbstgebaute Brücke führt darüber. „Das Geländer haben wir zusammen in weniger als einem halben Tag montiert“, berichtet er. Die Wiese, die nicht gedüngt wird und vor allem im Frühjahr üppig blüht, wird von einer Hecke Cotoneaster begrenzt, die zweimal im Jahr geschnitten werde. „Ein sauberer Abschluss zur Straße hin.“
Ellen Hebel hatte auch schon eine eher passive, aber dennoch denkwürdige Aufgabe: Gemeinsam mit ihrer Mutter bildete sie das Gegengewicht zu einem großen Findling, der im oberen Bereich des Gartens mit einem kleinen Kran über eine – selbstredend selbst gebaute – Mauer gehoben werden musste. Bei dem Findling handelte es sich um einen so ordentlichen Brocken, dass das Auto vorne schon abhob und sie befürchtete, es könnte umkippen. Doch letztlich sei alles gut ausgegangen.
Riesen-Bärenklau in Verruf geraten
In diesem Bereich befindet sich auch ein Teich mit steinernem Bachlauf. Im Gewässer mit Seerosen sind keine Fische, denn „Libellen und Kleinlebewesen sollen sich hier aufhalten“, erklärt Hebel. Diese lassen sich von einer der Sitzgelegenheiten, die im Garten verteilt sind, genauer beobachten. Die nahegelegene Grillecke wurde früher jede Woche genutzt, mittlerweile seltener. In der Nähe, über einen der selbst angelegten Steinwege erreichbar, befindet sich ein Kräutergarten, in dem vor allem der Lavendel Bienen und die zahlreich auf dem Grundstück fliegenden Schmetterlinge anlockt. Eine große Fläche voller Heide bietet im Frühjahr erste Nahrung für Hummeln und Co.
Beliebt sind bei den Hebels auch Schmetterlingsflieder, Rosen, Erikastöcke und die verschiedenen Arten des gelbblühenden Mädchenauges. Ein besonderer Hingucker ist der Fünffingerstrauß, dessen Blüten je nach Witterung dunkelrosa bis weiß sind. Bis auf das mächtige Pampasgras seien alle Pflanzen heimisch. Einst wuchs Riesen-Bärenklau, eine an sich optisch ansprechende Bienenweide, die jedoch in Verruf geraten ist, weil sie in Verbindung mit Sonnenlicht Verbrennungen verursachen kann. „Aber man reibt sich nicht daran, bleibt davon weg“, ist sich das Paar einig.
Rehe, Kreuzottern, Fledermäuse und mehr
Die Hebels halten sich sehr gerne draußen auf. Auch ohne Nutzgarten benötigen sie für die Pflege nicht nur Zeit, sondern etliche Utensilien, die im selbstgebauten Gartenhaus auf ihren Einsatz warten. In den verschiedenen Bereichen, die ein harmonisches Bild ergeben, finden etliche Tierarten passende Lebensräume. Igel, Salamander, Rehe, Insekten, Kreuzottern und hinter den Klappläden viele Fledermäuse sind in dem Garten heimisch. Besonders wohl fühlen sich Eidechsen, die zahlreiche Versteckmöglichkeiten zwischen den Steinen finden, zum Beispiel in einer Bruchsteinspirale, bewachsen mit Steingewächsen. Weniger abgewinnen konnte der Hausherr aggressiven Erdwespen, die sich einst angesiedelt hatten und Rasenmähen in dem Bereich unmöglich machten. „Dafür ist es ein Naturgarten, da siedeln sich eben Tiere an“, sagt seine Frau.
Inspiration holte sich Hebel nicht nur bei der Arbeit und aus Büchern, sondern auch beim Betrachten anderer Gärten. „Mit den Augen kann man klauen“, verrät er lachend. Stattliche Kosten sind aber dennoch entstanden, obwohl er Steine oftmals günstig erwerben konnte und das Paar viele Arbeiten selbst erledigte. Geschätzt seien rund 30.000 bis 50.000 Euro in den Garten geflossen, „aber über ganz viele Jahre“.