Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Offenbach-Hundheim: Brillantes Jazzkonzert mit Barbara Dennerlein an der Orgel der Abteikirche

Wer in der Kirche einen ungünstigen Blickwinkel auf die Künstlerin hatte, konnte ihr Spiel auf einer Leinwand verfolgen.
Wer in der Kirche einen ungünstigen Blickwinkel auf die Künstlerin hatte, konnte ihr Spiel auf einer Leinwand verfolgen. Foto: sayer

Es geschieht nicht alle Tage, dass sich ein Weltstar in der Abteikirche von Offenbach-Hundheim einfindet. Fraglos dazu zählen darf sich die Münchnerin Barbara Dennerlein, die am Sonntagabend ihr Publikum mit famosen Jazztönen an der Kirchenorgel begeisterte.

Ihre Bühnen sind normalerweise große Festivals und angesagte Klubs auf der ganzen Welt. Dennoch gastiert die Organistin auch gerne bei ihren Anhängern in der Provinz. Eine Bodenständigkeit, die honoriert wird. Das Offenbacher Gotteshaus war sehr gut besucht, wobei die Anhänger der Musikerin auch weitere Anreisen aus Hessen und dem Saarland gerne in Kauf nahmen.

Jazz und Kirchenorgel: Was in dieser schlichten Ankündigung vielleicht eher etwas sperrig und angesichts einer gewissen Trägheit des Instruments vielleicht gar fragwürdig erscheint, erwies sich letztlich als Musikerlebnis der Extraklasse, das etwaige Ressentiments bereits nach wenigen Takten geradezu pulverisierte.

Brillantes Orgelspiel

Dennerlein startete mit dem „Early Bird Blues“, einer von etwa einem halben Dutzend Eigenkompositionen, die das aufmerksame Offenbacher Publikum an diesem Abend erleben durfte. Und hier zeigte sich bereits binnen kürzester Zeit, welch brillantes Orgelspiel die 55-Jährige zur Weltelite zählen lässt. Es folgte „Korean Smile“, eine Komposition, die auf der Grundlage eines fernöstlichen Volksliedes entstand und koreanische Klangmelodien mit klassischen Boogie-Woogie- und Jazzelementen verbindet.

Übertragung auf Leinwand

Wer im Gotteshaus einen Platz ergattert hatte, von dem das virtuose Orgelspiel der Künstlerin visuell nicht uneingeschränkt wahrzunehmen war, konnte den Blick auf eine Leinwand richten, die das filigrane Finger- und Fußspiel der Musikerin offenbarte. So konnten alle im Gemäuer auch optisch miterleben, wie Dennerlein der Kirchenorgel ungewöhnliche Töne entlockte – etwa durch den Einsatz ganzer Handflächen bis zum Unterarm, die sie auf die Orgeltasten einwirken ließ.

Dazwischen gab es Passagen charmanter Anmoderation, in denen die Künstlerin über Entstehungsgeschichte oder gar Konsequenzen ihrer Kompositionen plauderte. So erfuhr das Publikum, dass der „Stormy Weather Blues“ bislang bei vielen Konzerten dafür gesorgt habe, dass irgendetwas Unvorhergesehenes eingetreten sei. In Offenbach blieben jedoch alle Musikfreunde von dramatischen Ereignissen verschont. Einzig die Kirchenglocke begann zu läuten, als Barbara Dennerlein jenes ebenfalls selbstkomponierte Stück zu spielen begann.

Plädoyer für mehr Demut

Als Appell für einen selbstkritischen Umgang mit Konsumrausch und gleichermaßen als Plädoyer für mehr Dankbarkeit und Demut wollte Barbara Dennerlein, das im Anschluss vorgetragene eigene Stück „Oversized“ verstanden wissen, in das die Komponistin einen „Melodieschnipsel“ des Ray-Charles-Klassikers „Hit the Road, Jack“ eingeflochten hatte. Den Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Konzertveranstaltung bildete schließlich mit dem „Tango Perdido“ eine Eigenkomposition Dennerleins, die zunächst verhalten begann, dann aber über komplexe Melodiebögen in ein furioses Finale mündete und so noch einmal die ganze außergewöhnliche Bandbreite der Künstlerin im Hinblick auf Kreativität und musikalisches Handwerk verdeutlichte.

Nach knapp 90 Minuten, die ohne Pause durchgespielt wurden, hatte die künstlerisch ungemein fruchtbare Begegnung von Barbara Dennerlein mit der gerne und daher oft als „Königin der Instrumente“ titulierten Kirchenorgel ein mit sehr viel Beifall quittiertes Ende. Die Konzertveranstalter, der Stummorgelverein Rhaunen/Sulzbach und der Blues- und Jazzförderverein Blue Note Idar-Oberstein sowie der Kirchenkreis Obere Nahe, entschlossen sich kurzfristig dazu, das Engagement der Münchner Ausnahmeorganistin aus der katholischen Kirche in Birkenfeld in die Abteikirche nach Offenbach-Hundheim zu verlegen. Dort wird die gleichermaßen ungewöhnliche wie spannende musikalische Mixtur im uneingeschränkt positiven Sinne allen Beteiligten nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

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