Kusel
Neues Café öffnet: Laura Becking bietet ab Montag Gelegenheit zur „Auszeit“
Lang hat nicht mehr bis in die Abendstunden hinein Licht gebrannt in dem markanten Anwesen am Eck. Wo der Annex der Fußgängerzone in die Marktstraße mündet, waren jahrzehntelang Gäste eingekehrt. Mehr als acht Jahre aber lag die Gaststätte brach. Das ändert sich jetzt. Das freut Laura Becking: Sie eröffnet am Montag ihr neues Café. „Auszeit“ nennt sich die gastronomische Bereicherung Kusels, die im früheren Gasthaus „Zur Alten Post“ zu finden ist.
Endlich, freut sich Laura Becking. Sie hätte allzu gerne schon im Sommer Gäste begrüßt. Aber die bürokratischen Hürden waren halt doch nicht so schnell zu meistern. Letztlich hatte es noch an Brandschutz-Belangen gehakt. So hat es nun exakt neun Monate gedauert, bis alle Stempel getrocknet waren und wenigstens noch in diesem Spätherbst der Schlüssel umgedreht werden kann. Nicht mehr zu ändern. Aufs mögliche Sommergeschäft hat die Betreiberin verzichten müssen.
Eine Vorliebe fürs Backen
Im Frühjahr schon hatten die Pläne des Ehepaars Becking ganz konkret Form angenommen, wenngleich der Entschluss, die Räume zu pachten und sich um die behördlichen Genehmigungen zu bemühen, nicht aus heiterem Himmel gefallen war. „Ich wollt’ so etwas schon länger machen“, sagt Laura Becking. Was sie kurioserweise zusätzlich motiviert hat: „Ich backe ungeheuer gern. Auch wenn ich’s dann nicht esse“, sagt sie lächelnd. Was aber keinesfalls heißt, dass ihre Backkünste bescheiden seien, auch von anderen verschmäht werden. Im Gegenteil.
Im großen Stil Kuchen und Torte fürs eigene Café aus dem Ofen zu zaubern, das verbietet sich allerdings: So was ist in Deutschland nicht einfach so möglich. „Ich müsste einen Meister einstellen“, weiß die Jung-Gastronomin um die Hürden. Sie weiß allerdings auch, was erlaubt ist. Und so wird es denn auch das eine oder andere aus eigener Herstellung geben.
Lieber erst mal halblang
Kuchen gibt’s auch im Glas – „dann hat jeder seine Portion für sich“. Zusätzlich sollen auch Sandwichs gereicht, Snacks und auch mal Suppe angeboten werden. Dinge, die nicht allzu viel Aufwand erfordern. Denn Laura Becking geht die Sache ganz bescheiden und mit gebotener Vorsicht an.
„Ich weiß ja nicht, wie es läuft“, begründet die aus Bonn stammende und in Reichweiler beheimatete Neu-Gastronomin ihre Strategie. Deren augenfälligste Auswirkung: Eine „Auszeit“ nehmen ist nur am Vormittag möglich und nur unter der Woche. Das Café öffnet von montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr. „Die Öffnungszeiten ausweiten, das kann ich immer noch.“ Weniger gut sei, anfangs zu viel zu wollen und dann nach einer Weile Einschränkungen vorzunehmen.
Nachmittag gehört den Kindern
Das Konzept sieht auch vor, dass die Jung-Unternehmerin zunächst ihren Betrieb ganz alleine stemmt. Personal anzuheuern, auch darauf will sie vorerst verzichten. Auch dies wirkt sich auf die zunächst gültigen Öffnungszeiten aus. Denn die Nachmittage braucht Laura Becking für die Familie. Weniger für sich, als vielmehr für ihre drei Kinder.
Lotta, die jüngste, wird demnächst in den Kindergarten gehen, den ihre Schwester Lene bereits besucht. Marlon geht inzwischen schon zur Schule. Papa Markus Becking nimmt sich zwar oft – hat aber eben auch nicht immer – Zeit für die Kleinen: Er arbeitet bei Fresenius in St. Wendel im Schichtdienst. In den vergangenen Wochen und Monaten war auch er schwer gefordert beim Einrichten der Räume. Das Ehepaar hat bei vielem Hand angelegt.
Als Soldatin in der Region gelandet
Laura Becking startet mit dem Café ihre zweite berufliche Karriere. Die erste ist abgeschlossen. Zwangsläufig: Die Bonnerin war Bundeswehrsoldatin, hat zwölf Jahre lang gedient und war im Sanitätswesen beschäftigt. Ihre Dienstzeit ist inzwischen abgelaufen. Die Bundeswehr hat sie auch in die Region geführt; Becking war in Idar-Oberstein stationiert. Ihr Mann stammt aus dem Saarland, heimisch geworden ist das Paar schon vor annähernd zehn Jahren in Reichweiler.
„Als in Kusel dann das letzte Café dicht gemacht war, war das die Initialzündung“, sagt die Frau, die nach eigenem Bekunden erst spät zur Kaffee-Liebhaberin geworden ist. Entsprechend wert lege sie auf die Qualität dessen, was übern Tresen geht.