Lauterecken / Wolfstein RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Büroleiter Christian Sauer: Wenn der nette Kollege plötzlich Vorgesetzter ist

Christian Sauer übernimmt zum 1. März die Büroleitung in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein.
Christian Sauer übernimmt zum 1. März die Büroleitung in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein.

Viele Jahre lang war er der nette Kollege im Haus. Ab 1. März ist Christian Sauer neuer Büroleiter der Verbandsgemeinde und damit Vorgesetzter von etwa 100 Verwaltungsmitarbeitern. Ein Rollenwechsel im angestammten Haus.

Bange vor dieser Führungsaufgabe ist ihm nicht, sonst hätte er sich erst gar nicht darum beworben. Auch seine künftige Rolle als Vorgesetzter im Haus schreckt ihn nicht. Dass man plötzlich mehr Freunde haben könnte als zuvor, er sich möglicherweise des ein oder anderen Anbiederungsversuchs erwehren müsse? Sauer ist sich bewusst, dass seine neue Position Begehrlichkeiten wecken kann. Aber wenn eine Entscheidung getroffen werden müsse, dann gehe es um die Sache und nicht um Freundschaften, macht er unmissverständlich klar: „Man darf keine falschen Erwartungen wecken und muss da einen Strich ziehen“, sagt er.

Falsche Erwartungen zu wecken, beispielsweise im Falle von Bewerbungen, verbiete sich ebenfalls. Eine gewisse persönliche Distanz sei unerlässlich. Er werde auch Kontakt mit anderen Kollegen aufnehmen, die sich in einer ähnlichen Lage befunden hätten, um den ein oder anderen Tipp zu erhalten. Sauer gibt sich nachdenklich, aber gelassen. „Vor zehn Jahren wäre ich wahrscheinlich noch nicht reif genug gewesen für diese Aufgabe“, räumt er selbstkritisch ein.

Gelernter Bäcker

Sauer will einen offenen Führungsstil pflegen. Gespräche mit den Mitarbeitern will er führen. „Ich will den Menschen hinter dem Schreibtisch kennenlernen. Ich will den Mitarbeitern Gelegenheit geben, sich mitzuteilen“, bietet der 45-Jährige an. Er sei dankbar für jeden Verbesserungsvorschlag.

Jahre nach der Fusion der beiden Verbandsgemeinden sieht Sauer auch „keine großen persönlichen Gräben“, das Betriebsklima ist seiner Beobachtung zufolge nicht gestört. Bei aller Neugier für die Interessen und die Befindlichkeiten der Mitarbeiter, Sauer verlangt von ihnen auch Motivation für den Job. „Mein Wunsch ist es, das jeder seine Arbeit reflektiert und mit Leidenschaft erledigt“, sagt er. Ohne diese Leidenschaft aber „sollte man aufhören“.

Wirtschaftsförderer und Standesbeamter

2019 ist er vom Standort Wolfstein nach Lauterecken gewechselt, wurde Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste, im vergangenen Jahr wurde der Parteilose stellvertretender Büroleiter. Ihm vorbehalten war ebenfalls die Wirtschaftsförderung. Weil er sich als Büroleiter mangels Zeit nicht mehr darum kümmern kann, werde die Stelle des Wirtschaftsförderers ausgeschrieben, kündigt er an. Sauer war auch in anderer Sache ein Förderer, nämlich als Standesbeamter. Da hatte er in Wolfstein junge Paare in den Stand der Ehe befördert. Sehr gerne sogar, wie er sagt.

Dass er einst eine Ausbildung zum Bäcker gemacht hat, empfindet Sauer heute als „Bereicherung“. „Es war gut, dass ich noch einen anderen Beruf gelernt habe, weil ich Betriebsabläufe kennengelernt habe und weiß, wie es dort läuft“, sagt er rückblickend. Sauer ist bodenständig, auf Statussymbole legt er keinen Wert. „Ich brauche niemanden, der mir die Tasche trägt“, fügt er hinzu. Die trägt er schon lieber selbst.

Trotz knapp bemessener Zeit will sich Sauer auch in Zukunft eine Amtshandlung nicht nehmen lassen: Jungen Paaren den staatlichen Segen zu geben. „Ich mache weiter Trauungen, diese Altlast nehme ich gerne mit“, sagt er schmunzelnd.

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