Kusel Neue Stadtspitze steht: Jochen Hartloff nimmt den Hut

Letzte und erste Amtshandlung: Jochen Hartloff (rechts) vereidigt seinen Nachfolger als Kuseler Stadtbürgermeister, Martin Heß.
Letzte und erste Amtshandlung: Jochen Hartloff (rechts) vereidigt seinen Nachfolger als Kuseler Stadtbürgermeister, Martin Heß.

Eine Ära ist zu Ende: 40 Jahre nach seinem ersten Amtsantritt räumt Jochen Hartloff den Kuseler Bürgermeistersessel und lässt Martin Heß darauf Platz nehmen. Die erste Sitzung des neu formierten Stadtrats verläuft harmonisch – und kurzzeitig chaotisch.

Verständnislose Gesichter, eilends anberaumte Beratungspausen, Kampfkandidatur und ein Wahlresultat, das einem Allein-Bewerber rein ergebnistechnisch einen deutlichen Misstrauens-Vorschuss beschert zu haben scheint: Die Premiere des neu formierten Kuseler Stadtrats war von einer gut halbstündigen Chaosphase geprägt. Zuvor – aber auch danach – herrschte indes in der konstituierenden Sitzung weitestgehend Harmonie vor, untermalt von wohlklingenden Worten und viel Applaus im vollen Rathaus-Sitzungssaal unter heißem Dach.

Beifall begleitete den scheidenden Stadtbürgermeister Jochen Hartloff und seinen Nachfolger Martin Heß bei ihrer letzten beziehungsweise ersten Amtshandlung. Hartloff war 1984 erstmals vereidigt worden, hatte danach die Geschicke der Stadt bis 2011 maßgeblich gelenkt, als ihn der Ruf aus Mainz ins Amt des Justizministers ereilte. Für die Dauer der vergangenen Wahlperiode ab 2019 war er zurückgekehrt. Jetzt ist nach insgesamt 32 Jahren an der Stadtspitze Schluss. Es folgt mit Martin Heß ein Christdemokrat, der die einstige Hochburg der Sozialdemokratie in der Westpfalz am 9. Juni erobert hat.

Kommentar

Beigeordneten-Wahl: Stolper-Start ganz ohne Not

Ulrich Ernst bleibt ohne jede Gegenstimme

Heß ist indes nicht der einzige Neue im Quartett an der Stadtspitze. Vielmehr bleibt nur einer übrig, der genau weiß, wie der Laden läuft: Ulrich Ernst (ebenfalls CDU) bleibt Erster Beigeordneter. Das Votum für den Bürgermeister-Stellvertreter, der sich weiterhin vorrangig um Friedhofswesen und Bauhof-Belange kümmern wird, fiel allzu deutlich aus: Ernst vereinigte 20 Ja-Stimmen auf sich, ein Stimmzettel war leer geblieben und damit ungültig.

Die Wahl der weiteren zwei Beigeordneten beschwor kurzzeitig ein kleines Chaos herauf: In Reihen der SPD rumorte es kurz, als Theresa von Blohn vorgeschlagen wurde. Sie, die in Reihen der FWG neu ins Ratsgremium einzieht, war verhindert, hatte aber eine Erklärung zu Kandidatur und Annahme des Amts vorgelegt. Die SPD setzte Robert Selesi dagegen – Überraschung war auf beiden Seiten erkennbar. Die Frage aus SPD-Reihen, welchem Beigeordneten-Posten welche Geschäftsbereiche zugeordnet seien, konnte Heß („Das bleibt, wie es war“) nicht hinreichend beantworten. Die Folge war die sofortige Nominierung Selesis, der SPD-Mitglied ist, nicht zum Stadtrat zählt, jedoch als neuer Marktmeister auserkoren war.

Selesi gewinnt im zweiten Anlauf

Mit zwölf zu neun Stimmen – das entsprach der Anzahl der Stimmberechtigten von CDU (neun Sitze) und FWG (vier, wobei die Kandidatin ja selbst fehlte), machte von Blohn das Rennen. Als kurze Zeit später der letzte der drei Beigeordneten-Posten ausgerufen wurde, schlug die SPD erneut Selesi vor, dessen Ja-Stimmen-Anzahl beim Scheitern zuvor der Sitz-Anzahl von SPD (sieben) und Grünen (zwei) entsprochen hatte.

Letztlich vereinte der neue Beigeordnete zwölf Ja-Stimmen auf sich. Sieben Ratsmitglieder votierten gegen ihn, zwei Zettel waren ungültig. Exakt 85 Minuten hatte das Prozedere von der Sitzungseröffnung bis zur Komplettierung der neuen Stadtspitze gedauert.

Gutes Gelingen: Jochen Hartloff (links) gratuliert seinem Amts-Nachfolger Martin Heß.
Gutes Gelingen: Jochen Hartloff (links) gratuliert seinem Amts-Nachfolger Martin Heß.
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