Fragen und Antworten
Neue Gewerbegebiete im Kreis Kusel: Wie viel Turbo steckt in den „Turboflächen“?
Was ist eine „Turbofläche“?
Bei den sogenannten Turboflächen handelt es sich um ein im Jahr 2025 gestartetes Programm des Landes, das die Entwicklung von Industrie- und Gewerbegebieten beschleunigen soll. 13 solcher Flächen gibt es in Rheinland-Pfalz, die nach Angaben der Landesregierung anhand einer Potenzialstudie ermittelt wurden. Für die Auswahl entscheidend waren demnach mehrere Faktoren – darunter die Verkehrsanbindung an Autobahnen und Oberzentren, die Flächengröße und die strukturpolitische Bedeutung der Areale für die jeweilige Region.
Wie soll die Entwicklung der Gewerbegebiete schneller vorangehen?
Anders als in üblichen Verfahren erhalten die Kommunen bei der Entwicklung ihrer Flächen Unterstützung von Landesministerien wie Innen, Wirtschaft und Umwelt. Ebenfalls mit im Boot sind vom Land beauftragte externe Fachbüros, um die Planungsschritte abzustimmen. Für die Entwicklung der Gewerbegebiete im Kreis Kusel stehe etwa das Landauer Planungsbüro Stadtimpuls der Verbandsgemeinde (VG) Kusel-Altenglan zur Seite, teilt VG-Wirtschaftsförderer Marcel Keidel auf Anfrage mit. Dadurch sei es beispielsweise möglich, dass viele Planungsschritte parallel erfolgen könnten – und nicht hintereinander. Auf fachliche Standards oder Umweltprüfungen werde dabei nicht verzichtet, betont Keidel.
Um welche Flächen geht es im Kreis Kusel?
Von den 13 Standorten, die das Land für das Programm ausgewählt hat, befinden sich drei im Landkreis Kusel: der Gewerbepark Schellweiler-Ehweiler sowie die Gewerbegebiete bei Reichweiler und Konken. Die Größe der Nettofläche – also die tatsächlich nutzbare Fläche für Unternehmen – beträgt in Schellweiler-Ehweiler rund 14 Hektar. Für Reichweiler und Konken sind derzeit jeweils etwa 14 bis 16 Hektar veranschlagt. Wie groß die Gebiete am Ende tatsächlich werden, ist laut Keidel noch nicht absehbar. Abhängig sei das etwa von der konkreten Erschließungsplanung.
Was ist der aktuelle Planungsstand im Landkreis?
Am weitesten fortgeschritten sind die Planungen für das Gebiet in Schellweiler-Ehweiler: Für den Teil der Gewerbeflächen in Ehweiler besteht Keidel zufolge bereits Baurecht, für Schellweiler wird der Bebauungsplan voraussichtlich im Mai oder Juni rechtskräftig. Beim Standort Reichweiler sei wiederum das Ziel, innerhalb der nächsten beiden Jahre Baurecht zu erlangen. Was das geplante Gewerbegebiet in Konken betrifft, stehen die Planungen noch am Anfang: Bis 2028 will die Verbandsgemeinde Planungsrecht schaffen. Laut Keidel sind unter anderem noch Eigentumsfragen zu klären.
Wann ist mit einem Spatenstich zu rechnen?
Beim Gewerbepark Schellweiler–Ehweiler laufen nach derzeit noch Gespräche mit möglichen Investoren. Sollte es zu keinen weiteren Verzögerungen kommen, geht Keidel davon aus, dass ein Spatenstich für die Erschließungsarbeiten im dritten Quartal 2026 realistisch ist. Für Reichweiler sei das Ziel, „zügig Baurecht zu schaffen“, sodass die Immobilien dort Mitte bis Ende 2028 bezugsfertig sind. Wann die ersten Bagger für das Gewerbegebiet in Konken anrollen könnten, ist unklar – dafür seien die Planungen noch nicht weit genug fortgeschritten, merkt Keidel an.
Wer erschließt die Gewerbegebiete?
Die Flächen in Schellweiler und Ehweiler befinden sich im Eigentum der VG Kusel-Altenglan. Sie hat daher auch ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Betriebe, die sich dort ansiedeln. Die Vermarktung und Erschließung erfolgt laut Keidel in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Firu und der Baufirma F.K. Horn – beide mit Sitz in Kaiserslautern. Die Erschließungskosten sollen später auf die Unternehmen umgelegt werden, die sich auf der Fläche ansiedeln. Anders gestaltet sich die Lage in Reichweiler: Dort handelt es sich um das Projekt eines privaten Investors, das von der Wirtschaftsförderung der VG begleitet wird. Die Erschließung erfolge durch den Projektentwickler, teilt Keidel mit. Für den Standort in Konken gebe es dagegen noch kein Erschließungsmodell.
Warum haben sich die Planungen vor der Aufnahme ins Turboflächen-Programm teilweise so lange hingezogen?
Ein Beispiel ist der Gewerbepark Schellweiler–Ehweiler: Seit 2015 gibt es bereits Planungen für ein Gewerbegebiet, nachdem eine Machbarkeitsstudie das Areal als geeignet ausgewiesen hatte. Dass die Planungen danach nur langsam vorankamen, hänge unter anderem mit den gesetzlichen Anforderungen zusammen, wie Keidel verdeutlicht. Ein zentrales Thema sei etwa die Verkehrsanbindung gewesen: In Abstimmung mit dem Landesbetrieb Mobilität, der Autobahn GmbH und weiteren Fachbehörden sei eine „zweistellige Anzahl an möglichen Zufahrtsvarianten“ erarbeitet und diskutiert worden – unter anderem, um die umliegenden Ortsgemeinden möglichst wenig zu belasten. „Teilweise mussten für einzelne Varianten zusätzliche Gutachten erstellt werden, beispielsweise zur Verkehrssicherheit“, sagt Keidel.
Wie groß ist das Interesse an den geplanten Gewerbegebieten?
Sehr konkrete – und derzeit noch vertrauliche – Gespräche mit Interessenten, darunter auch Unternehmen mit größerem Flächenbedarf, gebe es für das Areal bei Schellweiler–Ehweiler, teilt der Wirtschaftsförderer der VG mit. Für den Standort Reichweiler stehe der Projektentwickler ebenfalls bereits im Austausch mit Firmen, um noch in diesem Jahr Vorverträge abzuschließen. Bezüglich Konken gebe es noch keine Anfragen – allerdings sei geplant, die dortige Fläche gemeinsam mit dem Land für eine überregionale Ansiedlung zu bewerben.
Welche Unternehmen könnten sich ansiedeln?
Die bisherigen Anfragen kommen laut Keidel aus den Geschäftsbereichen Produktion, Logistik sowie industrienahe Dienstleistungen. In Bezug auf Reichweiler gebe es konkret Gespräche im Umfeld des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS, der seinen Standort in Freisen-Schwarzerden erweitern möchte. Konkret gehe es darum, dass sich mögliche Zulieferbetriebe oder Partnerunternehmen ansiedeln könnten.
Welches wirtschaftliche Potenzial sieht die Verbandsgemeinde in den Flächen?
Sollten sich die derzeit laufenden Projekte so entwickeln wie angedacht, vor allem im Hinblick auf die KNDS-Erweiterung, rechnet Keidel mit einer deutlichen Zunahme an Arbeitsplätzen in den nächsten drei bis fünf Jahren in der Region. „In verschiedenen Szenarien wird hier von mehreren Tausend zusätzlichen Arbeitsplätzen ausgegangen“, sagt er. Wichtig sei der Verbandsgemeinde, dass sich möglichst Betriebe ansiedeln, die neben Logistikflächen zusätzliche Wertschöpfung oder Dienstleistungen am Standort vorhalten.
Welche anderen Kommunen profitieren vom Turboflächen-Programm des Landes?
Neben der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan sind das unter anderem die Städte Grünstadt, Kaiserslautern, Neustadt und Pirmasens sowie die Ortsgemeinde Weselberg in der VG Thaleischweiler-Wallhalben (Kreis Südwestpfalz).