Lauterecken
Neu geweihter Priester hält erste Messe im Herkunftsort
„Die Kirche ist komplett ausgebucht“, möchte der Lauterecker Pfarrer Christof Anselmann auch gar keine Werbung mehr machen. Und doch ist es etwas ganz Besonderes. „Die letzte Primiz in Lauterecken ist bestimmt schon mehr als 100 Jahre her“, schätzt er. Der letzte Priester aus seinem Beritt sei Karl Heß aus Wolfstein gewesen, der vor 67 Jahren die Weihe erhielt.
Die Feierlichkeiten beginnen am Sonntag um 9.30 Uhr am Schlossplatz mit der Segnung des Priestergewands und Ansprachen. Schon ab Samstagabend solle die Straße gesperrt werden, um den kurzen Weg der Prozession zur Kirche mit Blumen und Bildern zu schmücken, kündigt Anselmann an.
Live-Übertragung
Nach dem Einzug der Hauptpersonen in die Kirche beginnt der Gottesdienst um 10 Uhr. Da die Kirche bereits voll ist, und wegen Corona nicht genügend Plätze vorhanden sind, organisiert die Pfarrei eine Übertragung ins Pfarrzentrum und auf den Platz vor der Kirche. Anschließend findet laut Anselmann eine private Veranstaltung von Artur Noras im Pfarrzentrum statt. Parallel gibt es eine öffentliche Feier im Freien. Für 16.30 Uhr ist ein Dankgottesdienst in der Kirche geplant, bei dem auch der Primizsegen erteilt wird.
Artur Noras wurde 1983 in Tichau (Polen) geboren. Kurz vor der Wende 1989 kam die Familie nach Lauterecken. Noras ist im Pfarrberuf ein Quereinsteiger. Nach dem Abitur in Kaiserslautern, Bundeswehr-Zeit und begonnenem Berufsschullehrer-Studium in der Sparte Elektrotechnik startete er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Ein Praktikum in Mandelbachtal beim ehemaligen Lauterecker Pfarrer Ulrich Nothhof habe ihn auf seinen jetzigen Weg gebracht, schilderte Noras kurz vor seiner Diakon-Weihe vor zwei Jahren der RHEINPFALZ.
Vor Primiz auf Exerzitien
Das Theologiestudium führte ihn nach Eichstätt und Heiligenkreuz bei Wien. Seinen Abschluss erlangte er 2016. Praktische Erfahrungen sammelte er während des Pastoralkurses in der Pfarrei Heilige Cäcilia in Ludwigshafen sowie in Kaiserslautern. Im Priesterseminar war Noras der einzige seines Jahrgangs, berichtete er, wie wenig junge Menschen sich heute noch für den Beruf des katholischen Priesters entscheiden. Als Hobby pflegt er das Tischtennis-Spiel. Kurz vor seiner Primiz befand sich Noras auf Exerzitien und war für die RHEINPFALZ nicht erreichbar.
Seit August ist der 37-Jährige in der Pfarrei Hl. Christophorus in Waldsee tätig, wo er ab kommender Woche als Kaplan wirken wird. „Nach vielen verschiedenen pastoralen Praktika und inneren Prüfungen, habe ich mich entschlossen, Priester zu werden“, stellte sich Noras seiner neuen Gemeinde vor. Er sei sehr gern mit Menschen unterwegs. Der Priesterberuf biete ein breites Spektrum an Aufgaben und Möglichkeiten, sich selbst einzubringen.
Große Bedeutung
Aufgrund der Corona-Krise wurde die für Juni geplante Priesterweihe mehrere Monate verschoben. Auch wird es kein Volksfest geben. „Zu meiner Primiz gab es 2000 Besucher, Ponyreiten und eine Kletterwand“, illustriert Anselmann die Bedeutung dieses Tages für die katholische Gemeinschaft. Neben Noras wird Bischof Karl-Heinz Wiesemann auch Stefan Häußler zum Priester weihen.